Stahlkonzern im Visier

Salzgitter stellt sich mit A&O Shearman dem Übernahmeangebot

Das Übernahmeangebot für Salzgitter scheint sich zu konkretisieren. Großaktionäre wollen 18,50 Euro pro Aktie für den Stahlkonzern bieten, das entspricht einer Bewertung von rund 1,1 Milliarden Euro.

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Salzgitter hat bestätigt, dass die Aktionärin GP Günter Papenburg Aktiengesellschaft zusammen mit der TSR Recycling dem Vorstand ein nicht-bindendes Übernahmeangebot unterbreitet hat, das geprüft werde. Der indikative Angebotspreis läge demnach bei 18,50 Euro pro Aktie. „Das Ergebnis der Prüfung und Gespräche mit dem Konsortium ist offen“, betonte Salzgitter in einer Ad-hoc-Mitteilung.

Salzgitter, die mit Vattenfall und RWE langfristige Lieferverträge für Ökostrom abgeschlossen hat, möchte ab 2026 grünen, das heißt CO2– reduzierten Stahl produzieren und sich von diesem Transformationsprozess nicht abbringen lassen. Für 2024 wurde ein Umsatz zwischen 9,5 und 10 Milliarden Euro prognostiziert. Das Unternehmen hält mehr als 25 Prozent der Anteile an Aurubis, einem der größten Kupferrecycler der Welt, der rund 17 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Angebot liegt schon länger in der Luft

Schon Anfang November hatte Salzgitter signalisiert, dass ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an ihre Aktionäre erfolgen könne. GP Günther Papenburg und TSR Recycling strebten mindestens 45 Prozent der Salzgitter-Aktien plus eine weitere Aktie an.

Da Salzgitters eigener Aktienbestand von 10 Prozent in einer Hauptversammlung nicht stimmberechtigt ist, würde das Bieterkonsortium bei Erfolg das Land Niedersachsen unter Druck setzen können, das 26,5 Prozent der Salzgitter-Aktien hält.

Der Stahl- und Schrott-Recycler TSR mit Sitz in Lünen gehört zur Remondis Gruppe, die gut 12 Milliarden Euro Umsatz vorweisen kann und hinter der die Unternehmerfamilie Rethmann steht. Die in Hannover ansässige Unternehmensgruppe GP Papenburg ist mit rund 60 Einzelgesellschaften in den Bereichen Betonwaren, Baumaschinen und Entsorgung aktiv und nur gut 800 Millionen Euro schwer.

Widerstand in der Belegschaft

„Sollte es zu einem solchen Angebot kommen, würden Vorstand und Aufsichtsrat selbstverständlich im Rahmen ihrer gesetzlichen Pflichten eine begründete Stellungnahme dazu abgeben“, teilte Salzgitter schon im vierten Quartal 2024 mit.

Die IG Metall hingegen hatte zu Protesten aufgerufen. In Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern des Landes Niedersachsen, der Papenburg AG und Vorstandsmitgliedern der Salzgitter habe man sich für die Eigenständigkeit des Unternehmens, eine Beschäftigungssicherung und Mitbestimmung eingesetzt, heißt es. Bislang ist der Aufsichtsrat von Salzgitter gemäß der Montanmitbestimmung paritätisch besetzt aus Vertretern der Arbeitnehmenden und Anteilseigner.

Die Berater im Überblick

Tobias Heinrich

Berater GP Günther Papenburg
Roser (Hamburg): Dr. Frank Roser (Corporate/Steuern), Stefan Thoß, Frederik Seifert (beide Corporate)

Berater TSR Recycling
White & Case (Frankfurt): Dr. Tobias Heinrich, Frederic Wuensche (beide Corporate)

Hans Diekmann

Berater Salzgitter
A&O Shearmann: Hans Diekmann (Düsseldorf), Jonas Wittgens (Hamburg; beide Corporate)

Berater Land Niedersachen
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Henrik Drinkuth (Corporate)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Salzgitter ist ein langjähriger Kernmandant der A&O-Corporate-Praxis. Der erfahrene Aktienrechtler Diekmann führt nach Marktinformationen das aktuelle Beratungsmandat zusammen mit dem Hamburger Partner Wittgens. A&O war beispielsweise auch an der Seite des Stahlproduzenten, als er 2016 ein Schuldscheindarlehen zeichnete.

Henrik Drinkuth

Ob der Salzgitter-Aufsichtsrat separat beraten wird, ist noch nicht bekannt. Nach JUVE-Recherchen wird das Land Niedersachsen im Kontext der möglichen Übernahme von CMS-Partner Drinkuth beraten. Die Kanzlei und die Ankeraktionärin verbindet seit vielen Jahren eine enge Mandatsbeziehung, die sich etwa auch zeigte, als das Land und der Bund jüngst gemeinsam die Meyer Werft stabilisierten.

Public M&A von White & Case

Frank Roser

Die multidisziplinäre Einheit Roser, die für Günter Papenburg im Einsatz ist, berät regelmäßig große Mittelständler, vor allem in Norddeutschland. Soweit bekannt begleitet sie beispielsweise regelmäßig auch die Fielmann Group.

White & Case hat ihre Corporate-Praxis in den vergangenen Jahren deutlich verbreitert und berät TSR nun möglicherweise bei einer öffentlichen Übernahme. Partner Heinrich unterstützte etwa 2020 auch ADO Properties in ihrem Übernahme- und Delisting-Angebot an die Aktionäre der Westgrund sowie 2023 ParkView Partners als Financial Advisor der CropEnergies, die von Südzucker übernommen wurde. Local-Partner Wünsche, der ebenfalls mit der Salzgitter-Transaktion befasst sein soll, brachte Public-M&A-Erfahrung mit, als er im Herbst 2023 von Sullivan & Cromwell zu White & Case wechselte.

14. April 2025, Anmerkung der Redaktion:  Salzgitter teilte mit, ein eigenständiges Unternehmen bleiben zu wollen. Der Vorstand habe die Gespräche mit GP Günter Papenburg und TSR Recycling beendet, da es „signifikant unterschiedliche Vorstellungen“ zum Wert des Unternehmens gegeben habe. Das an Salzgitter beteiligte Land Niedersachsen zeigte dafür Verständnis.

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