JUVE Kanzlei des Jahres

Arbeitsrecht

DSGVO-Umsetzung sorgt für viel Arbeit

„Jedes Jahr gibt es ein neues Trendthema, das uns viel Arbeit beschert“, freuten sich viele Arbeitsrechtler. War es im Vorjahr die Umsetzung des neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, hatten sie nun alle Hände voll zu tun mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Auch wenn sich im Beschäftigtendatenschutz nicht allzu viel änderte, mussten die Spezialisten doch zahlreiche bestehende Betriebsvereinbarungen überprüfen und teilweise neu verhandeln. Abseits dieser Spezialthemen waren es weiterhin große Compliance-Untersuchungen sowie größere Restrukturierungen wie bei Opel, die Arbeitsrechtler in Atem hielten.

Große rechtliche Änderungen seitens der Politik, die der Beraterszene regelmäßig interessante Mandate beschert, waren zuletzt jedoch Mangelware. Obwohl sich die neue Bundesregierung mit dem Recht auf Rückkehr nach Teilzeit, Änderungen beim Mindestlohn und in der Befristung von Arbeitsverhältnissen einiges auf die Fahnen geschrieben hat, haben sich die Gesetzesvorhaben in der konkreten Mandatsarbeit bislang nicht nennenswert niedergeschlagen.

So war es wieder einmal den Gerichten vorbehalten, das Arbeitsrecht weiterzuentwickeln: Mit zwei wegweisenden Urteilen sorgte das Bundesverfassungsgericht für Aufsehen: eines zur sachgrundlosen Befristung und eines zur Konfessionszugehörigkeit bei kirchlichen Arbeitgebern. Derzeit schaut die Szene zudem Richtung Luxemburg, wo der EuGH zum Urlaubsrecht entscheiden wird. Stark diskutiert wurde auch ein Urteil des LAG Hamburg zur Onlinewahl von Betriebsräten. Wenngleich die diesjährigen Wahlen sehr ruhig verliefen, könnte der endgültige Ausgang dieses Verfahrens einen Fingerzeig geben, wie sich in der digitalen Zukunft das Betriebsverfassungsrecht gestalten könnte.

Gesucht: die richtige Aufstellung

Ein ähnlicher Gedanke dürfte auch die ein oder andere Arbeitsrechtskanzlei mit Blick auf die eigene Aufstellung getrieben haben – denn im vergangenen Jahr gab es so viel personelle Bewegung wie lange nicht. Der Trend unter den Boutiquen, bundesweit Standorte zu eröffnen, setzte sich weiter fort: Zuletzt eröffneten Pusch Wahlig in München und Schweibert Leßmann & Partner in Berlin. Auch andere Ein-Standort-Boutiquen wie Küttner aus Köln schließen eine Expansion in andere Städte nicht mehr kategorisch aus.

Viel beachtet wurden auch die Wechsel von Dr. Burkard Göpfert von Baker & McKenzie zu Kliemt, die damit in München ebenfalls ein weiteres Büro eröffnete, sowie von Linklaters-Partner Prof. Dr. Georg Annuß zu Staudacher Annuß. Beiden Kanzleien verlangen die Zugänge solch erfahrener Partner eine bislang nicht gekannte Integrationsleistung ab, die vom Markt mit Spannung beobachtet wird. Auch Beiten Burkhardt rückte zuletzt in den Blickpunkt der Wettbewerber: Nach einem Streit in der Partnerschaft wechselte ein großes Münchner Team zu Eversheds Sutherland. Um den Spagat, Ruhe in die Praxis zu bringen und gleichzeitig eines der größten arbeitsrechtlichen Mandate – die Privatisierung der Autobahngesellschaften – zu stemmen, wird viel Management nötig sein.

Derweil justieren die Großkanzleien weiter an der passenden Aufstellung: Dass es Linklaters gelang, mit Dr. Timon Grau von Freshfields Bruckhaus Deringer nahtlos hochkarätigen Ersatz zu finden, der hervorragend in die strategische Ausrichtung der Kanzlei passt, unterstreicht den Willen der Magic-Circle-Kanzlei, Arbeitsrecht als integralen Bestandteil des Beratungsportfolios zu sehen. Anders bei Clifford Chance: Nachdem sich die Praxis schon seit einiger Zeit verkleinert, verließ nun ein weiterer langjähriger Partner die Kanzlei, weshalb Marktbeobachter nicht mit einer Zukunft für das Arbeitsrecht abseits von Spezialthemen wie Institutsvergütungsverordnung (IVV) oder Datenschutz rechnen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Unternehmen in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber beraten und in Prozessen vertreten. Auf die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsberatung spezialisierte Kanzleien sind in einer separaten Übersicht erfasst.


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