JUVE: Freshfields macht Köln zu, Sie machen – trotz des erheblich gewachsenen Düsseldorfer Büros – in Köln auf. Wozu braucht man unbedingt zwei Büros am Rhein?
Dr. Norbert Schulte: Es ist im aktuellen Markt eine gute Idee, mit einem ‚Hub‘ nach Köln zu gehen. Das sehen unsere Mandanten so. Und es gibt viele junge und etablierte Kollegen, die sich nach Alternativen umschauen. Bewerber finden manche US-Kanzleien in Köln vielleicht zu klein, wollen aber internationaler arbeiten als bei klassischen deutschen Kanzleien dort. Von diesem Marktumfeld können wir profitieren.
Bremst das nicht die Wachstumsmöglichkeiten der Kanzlei in Düsseldorf?
Im Gegenteil. Düsseldorf und Köln wollen wir in den kommenden Jahren gemeinsam entwickeln. In Köln wollen wir schnell wachsen. In Düsseldorf, wo derzeit rund 45 Anwälte tätig sind, stellen wir uns mittelfristig eher 60 bis 70 vor. Es gibt großen Konsens unter allen unseren Partnerinnen und Partnern für unsere Deutschlandstrategie: Wir wollen perspektivisch zu den Top-Adressen gehören. Was das bundesweite Wachstum mit Berufsträgern angeht, haben wir unsere langfristige Strategie schon jetzt übererfüllt und werden wahrscheinlich Ende des Jahres über 100 Anwälte zählen.
Bis zu den Top-10 ist es beim Umsatz aber auch dann noch ein Stück – obwohl Sie 2016 mit 41 Millionen Euro noch mal eine ordentliche Steigerung von knapp 14 Prozent hingelegt haben.
Das Beste daran ist, dass wir zwar auch, aber nicht nur mit neuen Kolleginnen und Kollegen wachsen. Auch der Umsatz pro Berufsträger ist noch einmal deutlich gestiegen, weil wir es immer besser schaffen, Mandate in mehreren Praxisgruppen zu betreuen.
Es fällt auf, dass Sie besonders im Mittelbau wachsen, also vor allem auf Non-Equity-Partner- und Counsel-Ebene.
Ein Stück weit profitieren wird von den gut ausgebildeten Mitarbeitern, die aus anderen Sozietäten zu uns kommen und dann bei uns ihr Geschäft ausbauen. Gleichzeitig haben wir weniger Fluktuation als andere – auch das wirkt sich natürlich auf die Profitabilität aus.
McDermott lockt Associates derzeit mit dem neuen Versuchsmodell einer 35-Stunden-Woche. Sind Sie unter die Gewerkschaftler gegangen?
Das nicht, aber wir wollen neue Wege gehen und mit einem vielleicht etwas kreativeren Zeitmodell punkten. In dem heutigen Bewerbermarkt machen am Ende alle Kanzleien ähnliche Angebote: Sie versuchen mit Renommee und hohen Einstiegsgehältern zu glänzen. Davon wollen wir uns durchaus abheben.
Was unterscheidet Ihr Angebot von anderen Teilzeitlösungen, wie sie in Kanzleien auf Associateebene schon vielerorts üblich sind?
Auch bei uns gibt es Kollegen, die in Teilzeit arbeiten – meistens sind das die, die am Ende besonders viele Überstunden machen. Hinter dem neuen McDermott-Modell für Deutschland steht ein ganz anderer Denkansatz, der vor allem eins verspricht: Planbarkeit von Beruf und Freizeit. So wie wir uns das Modell vorstellen, läuft es auf ein Jobsharing hinaus, indem beispielsweise zwei Associates auf einem Projekt arbeiten. Der erste kann dann jeden Tag um 17 Uhr pünktlich Schluss machen. Der andere – quasi die „Spätschicht“ – fängt später an und bleibt dafür länger. Am Ende sind die Mitarbeiter zufriedener und ja auch leistungsfähiger. Der Mandant ist trotzdem rundum versorgt.
Das Gespräch führte Ulrike Barth.