Finanzierungsexpertin Alexandra Hagelüken war 2008 eine junge Partnerin bei Clifford Chance. Heute ist sie die einzige Equity-Partnerin von Latham & Watkins in Deutschland.
JUVE: Prägende Figuren des Rechtsmarkts, zehn Männer und keine Frau: Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie gedacht haben, als Sie dieses Cover gesehen haben?
Alexandra Hagelüken: Es ist mir ehrlich gesagt nicht besonders aufgefallen. Das war einfach völlig normal damals.
Heute wäre der Teufel los, wenn wir damit um die Ecke kämen!
Zu Recht! Man muss aber auch sagen, dass Sie es heute leichter hätten, unter zehn prägenden Personen des Rechtsmarkts auch Frauen zu finden.
Was hat sich geändert?
Geholfen hat sicherlich, dass so viel geschrieben und diskutiert wurde, zum Beispiel über Frauenquoten. Selbst wenn hier noch viel mehr möglich wäre, schafft allein der Austausch von Argumenten einen Bewusstseinswandel – sogar bei denen, die Quoten am Ende ablehnen.
Warum gelingt es Kanzleien trotz ernsthafter Bemühungen nicht, mehr Frauen in die Partnerschaft zu holen?
Um positiv zu beginnen: In den letzten Jahren gab es aus meiner Sicht schon deutliche Fortschritte. Vermutlich auch weil es in vielen Kanzleien (so auch bei Latham) sehr gute Programme und Maßnahmen gibt, die das Thema adressieren. Trotzdem gibt es immer noch zu wenige Vorbilder für junge aufstrebende Anwältinnen. Frauen haben vielleicht auch den Eindruck, dass von ihnen mehr erwartet wird als von Männern – eine Anpassung gefordert wird, um aufzusteigen. Unbewusst sendet auch ein solches Cover diese Botschaft: Wenn du als prägender Jurist einer Dekade gelten willst, musst du so sein wie diese Herren.
Wie kommen wir da heraus?
Wir müssen eine Kultur schaffen, die unterschiedliche Typen akzeptiert. Da geht es nicht nur um Männer und Frauen, sondern um Diversity im weitesten Sinne. Das ist eine tiefgreifende Transformation, deshalb geht es manchmal frustrierend langsam voran. Aber grundsätzlich bin ich optimistisch. Ich glaube, uns steht ein Schub bevor. Und sobald eine kritische Masse erreicht ist, wird die Transformation auch schneller gehen.
Und was war in den restlichen 24 Jahren los? Den gesamten Jubiläumsbeitrag lesen Sie hier.