Die CLO-Umfrage der Association of Corporate Counsel (ACC) und FTI Consulting offenbart markante Unterschiede, die die besonderen regulatorischen und geopolitischen Herausforderungen in Europa spiegeln. Bei ESG-Strategien sind 48 Prozent der europäischen CLOs gefragt, während es global nur 26 Prozent sind. Diese Diskrepanz resultiert aus der strengeren ESG-Regulierung, etwa durch die Corporate Sustainability Reporting Directive.
Noch ausgeprägter ist der Unterschied beim Unternehmensrisikomanagement: 83 Prozent der europäischen CLOs übernehmen hier Führungsrollen, verglichen mit 65 Prozent weltweit. Bei der Beratung zu geopolitischen Risiken liegt Europa mit 57 Prozent ebenfalls deutlich über dem globalen Wert von 41 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass europäische CLOs nicht nur reaktiv agieren, sondern strategische Verantwortung übernehmen.
Schon fast folgerichtig haben europäische CLOs beim direkten Zugang zur Unternehmensführung eine bemerkenswerte Aufholjagd gestartet. 82 Prozent der Befragten berichten an den CEO – ein deutlicher Anstieg von 73 Prozent im Vorjahr. Damit nähern sie sich dem globalen Durchschnitt von 84 Prozent an. Bei der Teilnahme an Vorstandssitzungen zeigt sich ein ähnliches Bild: 75 Prozent der europäischen CLOs nehmen regelmäßig teil, verglichen mit 56 Prozent im Vorjahr.
Europäische Rechtsabteilungen erweisen sich auch als couragiert beim Einsatz von Technologie. 62 Prozent planen laut der Umfrage, im kommenden Jahr neue Tools zu implementieren. Damit liegt Europa über dem globalen Schnitt. Bei der geplanten Nutzung generativer KI-Tools liegen die Europäer mit 77 Prozent ebenfalls vorn.
Politik prägt Inhalte
Europäische CLOs nennen fast dreimal häufiger die Durchsetzung von Sanktionen als wichtigstes Anliegen: 34 Prozent in Europa gegenüber nur 13 Prozent weltweit. Bei ESG-Themen ist der Unterschied ebenfalls erheblich: 26 Prozent der europäischen CLOs sehen die ESG-Durchsetzung als zentrale Herausforderung, während es global nur 14 Prozent sind.
28 Prozent der europäischen CLOs nennen geopolitische Risiken als größtes organisatorisches Risiko – fast dreimal so viele wie im globalen Durchschnitt. Diese Einschätzung spiegelt die unmittelbare Betroffenheit Europas durch den Ukraine-Krieg, aber wohl auch durch die US-Politik.
Die Ergebnisse der ACC-Umfrage bestätigen weitgehend die Tendenzen der JUVE Inhouse-Umfrage: Auch dort zeigte sich, dass die schwierige weltpolitische Situation vielleicht gerade für europäische Chefjuristen die größten Chancen seit Jahren bietet, die Rolle als strategischer Berater zu festigen und zu erweitern.
Weltweit beteiligten sich mehr als 1.000 Rechtsverantwortliche an der ACC-Umfrage, aus Europa sind es 76. Die meisten europäischen Teilnehmer kamen aus der Schweiz und Großbritannien, Deutschland lag auf Platz drei.
Die Ergebnisse der JUVE Inhouse-Umfrage lesen Sie im JUVE Rechtsmarkt Inhouse spezial, der am 25. Februar erscheint.
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