JUVE: Vor gut einem Jahr übernahm ein dreiköpfiges Gremium, bestehend aus Ihnen, Dr. Jan Byok und Dr. Michael Alt, in schwieriger Situation das Management von Bird & Bird. Sie haben sich eine kollegiale statt der bisherigen stark zentralistischen Führungskultur verordnet. Was haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten verändert?
Sven Erik Heun: In erster Linie haben wir einen Kulturwandel angestoßen, um die deutsche Praxis fit für die Zukunft zu machen. Unsere Hauptziele sind, mehr Transparenz und engere Vernetzung zu schaffen, was uns in vielen Bereichen bereits gelungen ist. Außerdem haben wir unsere Managementaufgaben innerhalb des Gremiums nach zeitgemäßen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten verteilt: Dies sind Vorsitz, Finanzen, IT und internationales Management einerseits, Personal andererseits und zum Dritten Marketing, Business Development und Risk Management. In diesem Veränderungsprozess sind wir, unterstützt durch unseren langjährigen COO und eine hochmotivierte Partnerschaft, auf einem sehr guten Weg.
Nach massiven Abgängen an der Alster stoßen in Hamburg nun zwei Patentteams hinzu. Gibt es weitere Bereiche, die Sie in dem Büro wieder aufbauen wollen?
Auf jeden Fall! Hamburg ist für uns auch weiterhin ein Standort, an dem engagierte Quereinsteiger gemeinsam mit uns sehr interessante Entwicklungsmöglichkeiten nutzen können. Hier haben wir im Übrigen auch Interessenten aus unseren anderen deutschen Standorten – einige unserer Anwälte haben die Umzugskisten für Hamburg quasi schon gepackt.
Welche Wachstumspläne haben Sie für andere Standorte oder Praxen?
Wir haben Einiges vor. Wir orientieren unser geplantes Wachstum eng an unserer erfolgreichen Strategie der Sektorfokussierung, verbunden mit internationaler Reichweite. Das heißt ganzheitliche, über den Tellerrand einzelner Praxisbereiche hinausblickende Beratung von Unternehmen und der öffentlichen Hand – überall dort, wo Technologie, die Wissensökonomie oder der digitale Wandel die Geschäftsgrundlage bilden oder verändern. Das beinhaltet Aufgabenstellungen aus den Bereichen des gewerblichen Rechtsschutzes, des operativen Geschäfts, Compliance, Transaktionen und komplexe Infrastrukturprojekte.
Früher verliefen Auswahl und Integration von Quereinsteigern teils nicht optimal. Was wollen Sie anders machen?
Eine optimale Auswahl und Integration von Quereinsteigern ist nicht leicht. Wir wollen nachhaltig wachsen, gezielt und mit hoher Qualität. Im neuen Management haben wir uns auf die Herangehensweisen und Personenprofile verständigt, mit denen wir uns aus vorherigen negativen wie positiven Erfahrungen auf dem richtigen Weg für unsere Auswahlprozesse sehen.
Wie wollen Sie das konkret bewerkstelligen?
Wir beabsichtigen unter anderem, unsere Stärken in bestehenden Praxisbereichen insbesondere mit jüngeren Quereinsteigern zu verbreitern, für die wir eine spannende Entwicklungsplattform bieten können.
Wie ist der aktuelle Stand bei der Schadenersatzklage gegen Bird & Bird wegen ihrer Beratung des Fondshauses Wölbern?
Dazu möchten wir uns nicht näher äußern. Nur so viel: Gegen die angeblichen Ansprüche werden wir uns weiterhin mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen.
Das Gespräch führten Christina Schulze und Mathieu Klos.