Interview mit Norton Rose

„In Deutschland boxen wir noch unter unserer Gewichtsklasse“

Der Hamburger Imnmobilienrechtler Dr. Stefan Feuerriegel ist seit Jahreswechsel Leiter der deutschen Büros von Norton Rose Fulbright. Die Kanzlei hat in Deutschland viel vor, muss aber erst einmal die Rückschläge der letzten Zeit verdauen. JUVE sprach mit dem neuen Managing-Partner über seine Pläne.

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Der Hamburger Immobilienrechtler Dr. Stefan Feuerriegel ist seit Jahreswechsel Leiter der deutschen Büros von Norton Rose Fulbright. Die Kanzlei hat in Deutschland viel vor, muss aber erst einmal die Rückschläge der letzten Zeit verdauen. JUVE sprach mit dem neuen Managing-Partner über seine Pläne.  

Stefan Feuerriegel
Stefan Feuerriegel

JUVE: Ihre Kanzlei gehört in vielen anderen Ländern zur Marktspitze. Kommen Sie jetzt auch in Deutschland aus der Deckung? 
Stefan Feuerriegel: Wir haben ganz klar gesehen, dass wir zurzeit in Deutschland noch unter unserer Gewichtsklasse boxen. Das muss und wird sich auf jeden Fall ändern. Wir wollen das erreichen durch eine noch stärkere internationale Ausrichtung, ein strafferes Management und eine klare ‚high performing culture‘.

Das klingt jetzt ein wenig nach White & Case, Ihrer Vorgängerkanzlei.
Nein, nein. Mein Team und ich sind nicht 2017 zu Norton Rose gewechselt, um bei Norton Rose alles zu verändern. Uns ist die gute Kanzleikultur, für die unsere Kanzlei steht, wichtig. Leistung zählt ebenso wie ein gutes Arbeitsklima und eine angemessene Work-Life-Balance. Wenn unsere Anwälte 1.600 bis 1.800 Billables leisten, kann ich damit gut leben. Es müssen nicht 2.200 Billables sein. Wir merken seit einiger Zeit, dass das funktioniert und die Mannschaft unseren eingeschlagenen Weg mitgeht. Das lässt sich auch an unseren Zahlen ablesen: Unser Umsatz pro Berufsträger steigt seit zwei, drei Jahren kontinuierlich.

Personell ist die Erfolgsgeschichte eher durchwachsen: Sie haben gerade ein Versicherungsteam an Clyde & Co. verloren, ein renommierter Kartellrechtspartner und die einzige Arbeitsrechtspartnerin verließen auch die Kanzlei. Wie sehr schmerzen diese Abgänge?
Wenn Sie sich in einer Phase der Neuorientierung befinden, dann gibt es Kollegen, die diesen Weg nicht mitgehen wollen oder können und andere, denen alles nicht schnell genug gehen kann. Das kann man leider nicht verhindern. Natürlich hätten wir einige der Anwälte, die uns verlassen haben, gerne gehalten, keine Frage. Wir sind in den von Abgängen betroffenen Rechtsgebieten weiterhin gut aufgestellt, halten es aber auch nicht für ausgeschlossen, uns irgendwann wieder mit Laterals zu verstärken.

Homogenere Mannschaft heißt also nicht kleinere Mannschaft?
Nein. Wir werden weiterhin wachsen. Dabei werden wir uns auf die für uns wichtigen Sektoren fokussieren: Financial Institutions inklusive Banken und Versicherungen, Healthcare, Energy, Infrastructure – mit dem in Deutschland, UK und Frankreich wichtigen Bereich der Immobilien –, Technology, also insbesondere Automotive in einer etwas weiter gefassten Definition, und Transportation. Neben diesem Fokus wollen wir aber auch weiterhin Full Service bieten.

Nicht nur in Deutschland gibt es ja eine neue Kanzleiführung …
Wir haben eine komplett neue Führungsriege: Peter Scott ist seit April 2020 neuer Managing-Partner für EMEA, Gerry Pecht seit Oktober Global CEO. Wir haben alle gemeinsam, dass wir uns stärker auf die Vernetzung, sowohl innerhalb der EMEA-Region als auch transatlantisch, konzentrieren. Da gibt es noch sehr viel Potenzial zu heben. 

Wie groß ist der Anreiz für US-Anwälte, sich stärker mit der EMEA-Praxis zu vernetzen? Seit den diversen US-Mergern der vergangenen Jahre ist in dieser Hinsicht noch nicht viel passiert …
Dies ist definitiv ein Schwerpunktbereich für uns. Da wollen wir auf jeden Fall noch besser werden, und das sollte angesichts des Größe unserer US-Praxis auch gelingen. Innerhalb der deutschen Partnerschaft ist die Bereitschaft dafür groß. Entscheidend ist aber für uns erst einmal, innerhalb der UK LLP, zu der auch die deutsche Praxis gehört, unsere Hausaufgaben zu machen. Hier gibt es einen EMEA-Profit-Pool, eine homogene Einheit. Für EMEA haben wir ab diesem Jahr europaweite Praxisgruppenleiter etabliert, die Mandate deutlich über Ländergrenzen hinweg im Blick haben. An diesem Punkt mag unsere Struktur auch Nachteile haben, aber ich spüre gerade an diesen Punkten Bewegung. Wir müssen künftig noch viel öfter als ein Team auftreten, das aus US-Anwälten ebenso wie Anwälten aus den zentralen europäischen Praxen Deutschland und Frankreich besteht.

Das Gespräch führte Eva Lienemann.

Das Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 03/21, die gerade erschienen ist.

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