Interview mit P+P Pöllath

„Mehr Leistungsbezug schafft mehr Gerechtigkeit“

Dr. Frank Thiäner ist seit 2008 Partner und seit 2018 Mitglied des dreiköpfigen Management-Boards bei P+P Pöllath + Partners. Mit Dr. Michael Inhester und Amos Veith verantwortet Thiäner Planung und Strategie in der Kanzlei. JUVE sprach mit ihm über die Weiterentwicklung des Eat-what-you-kill-Prinzips bei Pöllath.

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Frank Thiäner
Frank Thiäner

JUVE: P+P ist als klassisch-individualistische Kanzlei bekannt: Vergütung nach dem Prinzip ‚Eat what you kill‘, keine Umverteilung im Partnerkreis. Inwiefern sind Sie nun davon abgewichen?
Wir sind von diesem bewährten Prinzip nicht abgewichen. Ein Merit-based-System passt zu unserem unternehmerischen Ansatz. Partnererträge werden nach wie vor nach dem sogenannten ‚Eat-what-you-kill-System‘ verteilt und vereinnahmt. Neu ist, dass der Bürogewinn, also alle Einnahmen unterhalb des Partnerlevels abzüglich der Kanzleigesamtkosten, nicht mehr wie zuvor per capita, sondern nun ebenfalls leistungsbezogen auf die Equity-Partner verteilt wird. In einem Rechenmodell wird individuell und transparent ermittelt, welchen Anteil ein Partnerbereich zum Kanzleierfolg beigetragen hat und der Kanzleigewinn entsprechend verteilt. Das ist eine evolutionäre und gleichzeitig konsequente Weiterentwicklung unseres Systems. 

Warum haben Sie das Leistungsprinzip noch verschärft?
Die Per-capita-Verteilung des Bürogewinns hatte sich durch die Kanzleientwicklung der letzten Jahre überholt. Sie passte nicht mehr in unser ansonsten klar leistungsbezogenes System. Durch die Weiterentwicklung unserer Partner-bereiche hatten sich über die Jahre immer größere Leistungsunterschiede im Hinblick auf den Bürogewinn ergeben. Die alte Regelung führte dazu, dass Partner-bereiche, die mit einem großen Team letztlich mehr zum Kanzleierlös beitrugen, den gleichen Anteil am Bürogewinn erhielten wie Partner, die im Extremfall ohne Associates arbeiteten. Das wurde nicht nur als ungerecht empfunden, sondern setzte auch aus unternehmerischer Sicht falsche Anreize. Die neue Bürogewinn-verteilung bildet individuelle Leistungs-beiträge viel genauer ab als zuvor. 

Was passiert mit defizitären Praxen?
Das Verlustrisiko einzelner Partner trägt die Gemeinschaft. Das ist der zweite wesentliche Aspekt unseres Vergütungsmodells. Etwaige Verluste einzelner Arbeitsbereiche werden aus dem Bürogewinn der anderen Partner vorab ausgeglichen. Das kommt vor allem jüngeren Partnern zugute, die gerade zu Beginn ihrer Partnerschaft und beim Aufbau ihres eigenen Leverages häufig noch weniger profitabel sind. 

Die Partnerschaft ist also durchaus bereit, schwächere Geschäftsbereiche eine Zeit lang zu subventionieren. Warum?
Ja, denn wir sind eine Gemeinschaft. Das ist eine gemeinsame Investition in die Zukunft. Wir ‚leisten‘ uns Verluste beim Aufbau jüngerer Partner und auch bei der Erschließung neuer Beratungsgebiete. Und die Investition in Unternehmer war schon immer Teil unserer DNA. 

Wie hat sich das neue System nach -einem Jahr bewährt?
Das Modell ist von der Partnerschaft sehr gut aufgenommen worden. Es ist ein System mit vielen Vorteilen: Es festigt das leistungsbezogene Vergütungssystem, für das P+P steht und im Markt bekannt ist. Die neue Gewinnzuordnung bildet eigene und auch teamübergreifende Erfolgsbeiträge flexibel und transparent ab. Das System hält die Kanzlei jung und auch ältere Partner selbst aktiv im Geschäft. Das schätzen unsere Mandanten sehr. Und schließlich schafft das System mit der sehr attraktiven leistungsbezogenen Vergütung einerseits und der Sozialisierung von Verlusten andererseits gerade für Nachwuchspartner viele Anreize. 

Das Gespräch führte Norbert Parzinger.

 

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