Anzeichen hierfür gibt es längst. So wickelten eine Reihe von Unternehmen nationale Transaktionen statt wie üblich mit einer gleich mit bis zu fünf Kanzleien ab. Das Ziel: für jedes Rechtsgebiet das Beste und das zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Diese Politik verlangt den General Counsel dann mehr Koordinierungsaufwand ab.
Kanzleimarkt wird vielfältiger
Möglich wird eine solche Strategie nicht zuletzt dadurch, dass sich vor allem neue Boutiquen im Markt engagieren. So haben sich inzwischen zahlreiche Spin-offs von Großkanzleien etabliert. Sie bringen oft genau das mit, was anspruchsvolle Mandanten wollen: Wendigkeit, hohe Qualität, ausgeprägte Servicementalität und angemessene Kosten. Doch auch andere Einheiten üben Druck auf die etablierten Berater aus. So gehen etwa die großen WP-Gesellschaften den Aufbau ihrer Rechtsberatungsarme deutlich konsequenter an als bei vorherigen Versuchen. Der Lohn: Sie mausern sich zu attraktiven Anlaufpunkten für gestandene Partner internationaler Kanzleien.
Auffällig ist vor diesem Hintergrund, dass die Umsatzsteigerungen vieler großer internationaler Kanzleien zuletzt eher moderat waren – trotz einer schwungvollen Konjunktur, anziehendem Transaktionsgeschäft und zahlreicher internationaler regulatorischer Herausforderungen. Es deuten sich Machtverschiebungen an, auch wenn diese Kanzleien nach wie vor deutlich produktiver sind als ihre neuen Wettbewerber oder auch als die etablierten deutschen, oft noch immer mittelständisch geprägten Kanzleien. Letztere können sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen: Noch profitieren sie von ihrer oft zuverlässig treuen Mandantschaft. Genau dieses Segment werden die neuen Marktteilnehmer jedoch zuerst ins Visier nehmen. Dem Kostenbewusstsein vieler Geschäftsführer und Rechtsabteilungsleiter kommt das entgegen – wenn sie sich entschließen, Neues auszuprobieren.
Mehr über aktuelle Verschiebungen im Kanzleimarkt und die neuen Wahlmöglichkeiten für die Mandanten lesen Sie hier oder in dem soeben erschienen JUVE Handbuch.