Nach Skandal

ADAC besetzt Beirat mit Ex-Verfassungsgerichtspräsident Papier

Autor/en
  • JUVE

Mit Hochdruck arbeitet der Automobilclub ADAC daran, nach diversen Skandalen wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Diesen Prozess wird ein hochkarätig besetzter, fünfköpfiger Beirat begleiten, für den der ADAC nun den früheren Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier (70) gewinnen konnte. Der ehemalige Verfassungsrichter stand dem höchsten deutschen Gericht von 2002 bis 2010 als Präsident vor.

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Der ehemalige Verfassungsrichter stand dem höchsten deutschen Gericht von 2002 bis 2010 als Präsident vor. Langjährig hatte Papier einen Lehrauftrag für Staatsrechtslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München inne. 1998 wurde er zum Vorsitzenden des 1. Senats am Bundesverfassungsgericht und zeitgleich zum Vizepräsidenten des Gerichts ernannt. Vier Jahre darauf rückte er an die Spitze des Gerichts. „Der ADAC hat sich einem Neuanfang verschrieben. Neben den anstehenden Reformen muss Transparenz und Offenheit gelebt werden“, sagte Papier. „Ich möchte dazu beitragen, dass der Reformprozess gelingt und der ADAC seine Glaubwürdigkeit und damit seine Rolle in der Gesellschaft zurückgewinnt.“

Die Bildung des Beirats ist als symbolisches Zeichen zu werten: Eine Kontrollfunktion, wie sie etwa ein Aufsichtsrat in einem Unternehmen ausübt, kommt dem Gremium beim ADAC nicht zu. Vielmehr wird der Beirat eine beratende Funktion haben und den angekündigten Reformprozess begleiten.

Bereits wenige Tage zuvor hatte der Unternehmer Dr. Jürgen Heraeus, Aufsichtsratsvorsitzender der Heraeus Holding, zugestimmt, im Beirat des ADAC mitzuwirken. Das Gremium werde seine Arbeit sofort aufnehmen, wenn die weiteren drei Mitglieder bestimmt seien, so ein Unternehmenssprecher. Nach eigenen Angaben befindet sich der Automobilklub derzeit in Gesprächen mit weiteren potenziellen Kandidaten. Eine erste Beiratssitzung ist für Ende Februar vorgesehen.

Sondierungsgespräche für Leitung Compliance laufen

Zudem hat der ADAC vor rund zwei Wochen konkrete Reformen zur Erneuerung seiner internen Organisation beschlossen. Unter Begleitung eines Anwaltsteams von Freshfields Bruckhaus Deringer will der Automobilclub einen Zehn-Punkte-Plan umsetzen, der nach eigenen Angaben Missstände beseitigen und eine transparente und zeitgemäße Organisation garantieren soll. Als besonders dringlich formulierte der ADAC in dem Zusammenhang die Schaffung der Position eines Chief Compliance Officers.

In dieser Personalie ist der ADAC nach eigenen Angaben weiter in laufenden Gesprächen. Zu den konkreten Fortschritten der Arbeit des Freshfields-Teams wollte sich der ADAC mit Hinweis auf den laufenden Reformprozess nicht äußern.

Offenbar gibt es hier andere Zeitpläne und Vorgaben als in der Vereinbarung mit der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Sie ist mit der internen Untersuchung der Leserwahl zum ,Lieblingsauto‘ in den Jahren 2005 bis 2014 beauftragt. Vergangene Woche hatten die Wirtschaftsprüfer einen ersten Zwischenbericht zu den Manipulationsvorwürfen bei der Wahl des Lieblingsautos 2014 bei der Preisverleihung ,Gelber Engel‘ veröffentlicht. Für diese Woche hat Deloitte bereits weitere Ergebnisse angekündigt.

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