Laut einer azur-Erhebung bei 78 Wirtschaftskanzleien, darunter 65 der Top 100 umsatzstärksten Einheiten im Markt, waren 2015 nur 38,6 Prozent der Berufseinsteiger weiblich – ein Rückschritt gegenüber dem Vorjahr, als ihr Anteil noch 39,4 Prozent betrug. Damit haben die Kanzleien anteilig erneut weniger Frauen rekrutiert, als schon zur bestehenden Mannschaft gehörten: Der Prozentsatz weiblicher Berufsträger auf Associateebene liegt bei 41,5 Prozent.
Bemerkenswert ist allerdings, dass der Anteil weiblicher Associates insgesamt – ebenso wie die Frauenquote auf Salary-Partner-Level – über die letzten Jahre sogar leicht gestiegen ist. Während die Kanzleien bei Top-Absolventinnen weniger punkten können als bei männlichen Nachwuchsjuristen, gelingt es ihnen also offenbar, angestellte Anwältinnen etwas länger bei der Stange zu halten.
Das ändert freilich nichts daran, dass Frauen spätestens beim entscheidenden Karriereschritt, dem Aufstieg in die Vollpartnerschaft, unverändert stark im Nachteil sind. Der Frauenanteil unter den deutschen Equity-Partnern liegt seit Jahren fast unverändert bei knapp zehn Prozent. Bleibt es auch in Zukunft bei dieser Relation, hat ein männlicher Berufsanfänger heute rein rechnerisch eine sechsmal so hohe Chance, zum Equity-Partner aufzusteigen wie eine frisch gebackene Rechtsanwältin.