On the record

Flexibles Arbeiten und Mittelstandsberatung – wie geht das zusammen? 

Flexibel gearbeitet wird seit Corona fast überall, auch in den meisten Kanzleien. Doch wie gelingt der Spagat zwischen persönlicher Beziehung zum Mandanten und digitaler Präsenz? Die Frage gilt umso mehr für Kanzleien, die auf die Beratung des Mittelstands fokussiert sind, wo die Vertrauensbeziehung zwischen Anwalt und Mandant an erster Stelle steht. Wie geht persönlicher Austausch per Videokonferenz? JUVE hat dazu mit Friedrich Graf von Westphalen und CBH gesprochen.

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„Wichtig ist, dass die Flexibilität in beide Richtungen funktioniert“ 

Barbara Mayer
Barbara Mayer

Dr. Barbara Mayer ist Managing-Partnerin von Friedrich Graf von Westphalen. 

Auf den ersten Blick: gar nicht. Mittelstand, das heißt Unternehmer, die höchste Ansprüche an sich selbst und an ihre Berater stellen. Mittelstandsberatung ist nicht nur Dienstleistung, sondern eine über Jahre und Jahrzehnte gewachsene Beziehung zwischen dem Mandanten und ‚seinem‘ Anwalt. Und der muss da sein, wenn es brennt.

Aber: Deutsche Mittelständler sind schon lange weltweit unterwegs. Sie pflegen intensive, globale Beziehungen zu ihren Tochtergesellschaften, Lieferanten und Kunden. Schon vor Corona war nicht jede Besprechung mit einem persönlichen Treffen verbunden. Maschinen rund um den Globus werden längst per Videokonferenz in Betrieb genommen und übers Netz gewartet. Digitale Kommunikation – auch mit dem Anwalt – ist ebenso selbstverständlich.

Unsere Mandanten schätzen es, uns jederzeit erreichen zu können. Im Gegenzug handhaben wir unseren Arbeitsalltag flexibel: Um sieben Uhr beim ersten Kaffee eine kurzfristig anberaumte Videokonferenz mit Kooperationspartnern in China? Klar, dann gehe ich eben erst um neun Uhr mit dem Hund raus. Wichtig ist, dass solche Flexibilität in beide Richtungen funktioniert (und ab dem ersten Tag für alle gilt): Wer ‚after hours‘ arbeitet, schafft sich in der ‚Kernzeit‘ Freiräume. Während unseres Gesprächs blicke ich übrigens auf ein Lavendelfeld in der Provence – ich finde, dafür habe ich mir einen weiteren Urlaubstag verdient.

 

Nadja Siebertz
Nadja Siebertz

„Viele kreative Ideen entstehen erst im persönlichen Austausch“

Nadja Siebertz verantwortet bei CBH Rechtsanwälte die Themen Betriebsführung und Personal.

Der Mittelstand ist das wirtschaftliche Erfolgsmodell Deutschlands – dies gerade deshalb, weil er flexibel ist und daher schnell auf neue Entwicklungen reagieren kann. Flexibilität und Mittelstand sind also kein Widerspruch! Das gilt natürlich ebenso für dessen anwaltliche Beratung. Die technischen Mittel, die uns heute zur Verfügung stehen, ermöglichen auch auf Distanz eine enge Abstimmung mit den Mandanten – aber es gibt Situationen, in denen das nicht reicht.

Denn anwaltliche Beratung ist mehr als nur die Summe aus technischer Erreichbarkeit und fachlicher Expertise. Das zeigt sich gerade nach der langen Zeit pandemiebedingt verordneter Distanz zu den Mandanten, die vermehrt wieder das persönliche Gespräch suchen. 

Beratung im Mittelstand basiert häufig auf einer engen Vertrauensbeziehung zwischen Anwalt und Mandant. Hier geht der Chef noch durch die Produktionshalle und erwartet auch von seinem Anwalt einen persönlichen Approach. Man will Produkte gemeinsam in Augenschein nehmen und an einem Tisch Lösungen diskutieren – das gilt insbesondere für sensible Themen! Viele kreative Ideen entstehen erst im persönlichen Austausch, bei dem ganz oft der Funke überspringt – und zwar in beide Richtungen. Natürlich sind flexible Arbeitsmethoden heute nicht mehr wegzudenken – trotzdem beziehen wir im kommenden Jahr sogar größere Kanzleiräume, die uns mehr Platz auch für persönliche Zusammentreffen bieten.

Aufgezeichnet von Christine Albert. In unserer Reihe ‚On the record‘ beleuchten wir eine Frage des Rechtsmarkts aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Beitrag ist aus der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 09/21, die gerade erschienen ist.

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