Bemerkenswert schnell, innerhalb von knapp drei Jahren nach den ersten Überlegungen und Skizzen im Bürgermeisterzimmer, waren Genehmigungsverfahren und bauliche Veränderungen am Gebäude der ehemaligen biologischen Fakultät in der Nähe des Botanischen Gartens Planten und Blomen sowie die Auswahl von Hochschullehrern, Studenten und die Konzipierung des Curriculums erledigt.
Ausschließlich privat finanziert die Lawschool den jährlichen Betriebsaufwand von DM 12 Mio. zu gut einem Drittel durch Studiengebühren. Das Jahr kostet DM 15.000, der Prozentsatz der BAFöG-Anträge entspricht derjenigen an staatlichen Hochschulen und ein Stipendien- und Darlehenssystem mildert die finanziellen Belastungen der Studenten. Zwei Drittel des Finanzbedarfs decken die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie Spenden, u. a. von Kanzleien (Haarmann, Hemmelrath & Partner, Susat & Partner), Finanzdienstleistern und Versicherern. DM 1,25 Mio. für die Ausstattung der Bibliothek bringt zum Beispiel Hengeler Mueller Weitzel Wirtz für fünf Jahre insgesamt auf.
Professor Mahnfred Lahnstein vom Kuratorium der ZEIT-Stiftung forderte mit seinem Aufruf „Bravo! Weiter so!“ zu weiteren Spenden auf. Eine fünfjährige Stiftungsprofessur für deutsches, ausländisches und internationales Privat- und Wirtschaftsrecht im Wert von DM 3 Mio. hat die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gesponsort. Insgesamt soll die Lawschool elf Lehrstühle erhalten, fünf sind bereits um die Gründungsprofessoren Professor Hein Kötz (Hamburg) und Professor Karsten Schmidt (Bonn), besetzt.
Die 100 Studenten, die unter 550 Bewerbern von einer Jury aus Hochschulprofessoren, Anwälten und Beamten aufgrund einer Notenauswahl, des schriftlichen Eignungstests und eines Assessments mit Aufsatzübung und mündlichem Auftritt ausgewählt worden sind, können sich auf ein hochkarätiges juristisches Studienangebot unter Einschluss eines Studium Generale, Fremdsprachen und anwaltlicher Falllösungstechnik (Prof. Kötz: „Sie sollen keine Rechtswissenschaftler, sondern Rechtspraktiker werden.“) freuen.
Der Notar und ehemalige Erste Bürgermeister Dr. Henning Voscherau, der maßgeblich die ersten Ideen zur Privathochschule vorangetrieben hat, sprach die Studenten persönlich an: „Wenn Sie so alt sein werden, wie wir übrigen hier im Durchschnitt heute womöglich sind, dann werden Sie zu der ehrwürdig betrachteten Gründergeneration der Law School gehören, deren Pionierleistung gewürdigt wird – sagen wir im Herbst 2050 aus Anlass des 50. Jubiläums. Die meisten von Ihnen werden dann erst zwei, drei Jahre im Ruhestand sein. Auf uns selbst, auf Sie kommt es an, ob wir in Europa es schaffen, in schnellem globalen Wandel auf der Höhe der Zeit zu sein, Gutes zu bewirken und aus eigener Kraft unsere Werte zu bewahren.“ Voscherau erinnerte an Gerd Bucerius, der sich selbst einmal mit den Worten charakterisiert hat: „Einigermaßen gebildet, politisch interessiert, in gewissem Maße Durchsetzungsvermögen, auch bereit, finanzielle Interessen zurückzustellen, wenn es um gute Dinge geht.“
In etwa dreieinhalb Jahren (zehn Trisemester) wird es jedoch wie für Abgänger staatlicher Hochschulen auch zum Schwur im Ersten Staatsexamen kommen. Der Bürgermeister Hamburgs, Ortwin Runde, bezeichnete dies als „Evaluation“ der Law School und rechtfertigte trotz der erhofften Synergien die staatliche Juristenausbildung. Die Wissenschaftssenatorin Krista Sager empfindet die Bucerius-Schule als „Kompliment an den Wissenschaftsstandort Hamburg“ und meinte: „auf Wettbewerb, der den Standard für Studenten nach oben setzt, kann man sich nur freuen.“ Die Lawschüler mit dem nebenbei erworbenen internationalen Bachelor-Abschluss of Law (LL.B.) müssen dann den engagierten Antritt der Gründer mit überdurchschnittlichen Abschlüssen unter Beweis stellen.
Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Professor Klaus Landfried brach eine Lanze für diese Art der Eliteausbildung: „Alle Gesellschaften brauchen in Wirklichkeit Eliten. Auch in unserer Alltagserfahrung sind Eliten so selbstverständlich, dass wir sie oftmals kaum noch wahrnehmen. Wir wenden uns an die besten Ärztinnen oder Anwälte, Ingenieurinnen oder Architekten; wir vertrauen auf erstklassige Pilotinnen, Feuerwehrleute.“ Gründungspräsident Kötz betonte demgegenüber in seiner Rede: „Das Erlernen des juristischen Geschäfts ist Spaß, eine solide Quelle von Lust. Es besteht nicht der geringste Grund für Dünkel oder Hochmut, bleibt auf dem Teppich!“