Streit mit Ex-Vorständen

Stada stellt Untersuchungen gegen Wiedenfels & Co. ein

Der Arzneihersteller Stada hat Untersuchungen gegen frühere Vorstände eingestellt. Die Aufarbeitung von Vorwürfen gegen den früheren Vorstandschef Matthias Wiedenfels und Ex-Finanzvorstand Helmut Kraft seien abgeschlossen, teilte der Konzern am Mittwoch in Bad Vilbel mit.

Teilen Sie unseren Beitrag
Matthias Wiedenfels
Matthias Wiedenfels

Es seien „keine gerichtlichen Auseinandersetzungen“ mit ehemaligen Top-Managern oder Mitarbeitern in diesem Zusammenhang anhängig oder zu erwarten. Für die Hauptversammlung im kommenden Mai werde man daher die Entlastung von Wiedenfels und Kraft für die Geschäftsjahre 2016 und 2017 empfehlen.

Für Stada enden damit Turbulenzen, die das Unternehmen während der Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven erschüttert hatten. Damals gab es zwischen dem ersten und zweiten Angebot der Investoren massive Veränderungen im Management: Anfang Juli 2017 legten Vorstandschef Matthias Wiedenfels und Finanzvorstand Helmut Kraft überraschend ihre Ämter mit sofortiger Wirkung nieder. Rechtschef Manfred Anduleit, ein langjähriger Vertrauter von Wiedenfels, sowie Kommunikationsleiter Sebastian Krämer-Bach mussten gehen.

Auf dem Stada-Aktionärstreffen 2017 hatte Ex-Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker den ehemaligen Vorständen vorgeworfen, es gebe „belastbare Erkenntnisse für schwerwiegende Pflichtverletzungen“. Im Zuge dessen beauftragte Stada verschiedene externe Kanzleien. Zunächst war Skadden Arps Slate Meagher & Flom mit der Strafrechtskanzlei Ufer Knauer in einer Compliance-Untersuchung tätig, die sich auch gegen den Vorstand gerichtet haben soll. Der ließ wiederum den Aufsichtsrat von Debevoise & Plimpton durchleuchten. Beim schnellen Abtritt von Wiedenfels und Co. wurde der Aufsichtsrat zudem von Arbeitsrechtler Thomas Ubber von Allen & Overy unterstützt. Später beauftragte Stada aber Latham & Watkins und Strafrechtler Prof. Dr. Klaus Volk mit einer internen Untersuchung und schaltete auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein. 

Mittlerweile haben Aufsichtsrat und Vorstand daher auch neue Berater. Für den Vorstand sind die Latham-Partner Markus Rieder und Dr. Harald Selzner tätig. Der Aufsichtsrat wird von Dr. Henrik Humrich und Jan-Henning Wyen von Ego Humrich Wyen beraten. Sie prüften unter anderem mögliche gesellschaftsrechtliche Pflichtverletzungen des alten Managements.

Auf der diesjährigen Hauptversammlung erklärte Stada, die Vorwürfe gegen die Ex-Vorstände seien fast ausgeräumt. Die Staatsanwaltschaft habe „keine Hinweise auf Betrugsdelikte, Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen, Marktmanipulation oder Insiderhandel, auf Unterschlagung, Begünstigung, Diebstahl, Korruption oder eine persönliche Bereicherung zulasten von Stada gefunden“, sagte Ex-Vorstandschef Claudio Albrecht. Da aber noch gesellschaftsrechtliche Untersuchungen liefen, wurde die Entlastung von Wiedenfels und Kraft vertagt.

Unter Wiedenfels Ägide wurde der Generikahersteller vor der Übernahme auch von Freshfields Bruckhaus Derringer beraten, die damals unter anderem die Neuwahl des Aufsichtsrats begleitete und ein Gutachten zum neuen Vorstandsvergütungssystem erstellte. Schon damals gab es Kritik am Führungsstil von Stada-Chef Hartmut Retzlaff. Gegen ihn wurden ebenfalls Untersuchungen eingeleitet, die nun auch zu den Akten gelegt werden. Er soll unter anderem einem Berater einen Audi Q5 geschenkt haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte bereits im Juli dieses Jahres erklärt, ihre Ermittlungen seien gegen eine Geldbuße eingestellt worden.

Artikel teilen

Gerne dürfen Sie unseren Artikel auf Ihrer Website und/oder auf Social Media zitieren und mit unserem Originaltext verlinken. Der Teaser auf Ihrer Seite darf die Überschrift und einen Absatz des Haupttextes enthalten. Weitere Rahmenbedingungen der Nutzung unserer Inhalte auf Ihrer Website entnehmen Sie bitte unseren Bedingungen für Nachdrucke und Lizenzierung.

Für die Übernahme von Artikeln in Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Nutzungsrechte über die PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin.
www.pressemonitor.de

Lesen sie mehr zum Thema