Kommentar

Warnschuss für den Anwaltverein

Die Initiative einiger Wirtschaftskanzleien, die einen eigenen Verband gründen wollen, ist eindeutig auch eine Niederlage für den Deutschen Anwaltverein. Wenn sich der DAV nicht bewegt, kann er einen Alleingang der Großkanzleien nicht verhindern.

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Unter der Präsidentschaft von Edith Kindermann fühlen sich selbst die wenigen, die sich dort engagieren, nicht ausreichend repräsentiert. Sollte die Verbandsinitiative Wirklichkeit werden, dann käme das der Abspaltung der Wirtschaftsanwälte gleich. Wenn er wollte, hätte der DAV allerdings noch alle Möglichkeiten, diese Niederlage abzuwenden.

Denn so sehr es in den Wirtschaftskanzleien rumort: Die Sorge ist auch dort groß, dass eine Spaltung die Anwaltschaft insgesamt schwächen würde. Allerdings sollte der DAV sich nicht zu sicher sein, dass derlei Skrupel am Ende einen Alleingang der Wirtschaftskanzleien verhindern werden. Das ist nach all den Jahren der gegenseitigen Nichtbeachtung deutlich spürbar.

Wenn der DAV einen Bedeutungsverlust verhindern will, ist es nicht mit Appellen an den Zusammenhalt der Anwaltschaft getan. Will er in der aktuellen Situation den Spieß umdrehen, dann muss der Anwaltverein mit einem konkreten Angebot an die Wirtschaftsanwälte und großen Kanzleien in die Offensive gehen. Er muss klipp und klar sagen: Die Unterstützung der Anwälte vor Ort ist wichtig, aber sie ist nicht die historisch gewachsene Zentralaufgabe. Mindestens genauso wichtig ist es, den Wirtschaftskanzleien eine Heimat zu bieten. Und die interessieren nicht Praxistipps für den Alltag, sondern sie bewegt vor allem, wie ihr regulatorisches Umfeld in 20 Jahren aussieht.

Viele Anwälte klagen: Wirtschaftskanzleien haben kein gemeinsames Sprachrohr und sind politisch zu schlecht vernetzt. Warum nun trotzdem nicht alle applaudieren, wenn ein Lobbyverband gegründet werden soll, steht im neuen ‚JUVE Rechtsmarkt‘. JUVE Rechtsmarkt (Paid Content).

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