Artikel drucken
26.03.2010

Tom Tailor startet an der Börse

Mit dem Hamburger Modehersteller Tom Tailor hat ein weiteres Unternehmen den Gang an die Börse gewagt. Tom Tailor startete im Prime Standard in Frankfurt. Das Unternehmen gab rund elf Millionen Aktien aus und erlöst dadurch inklusive Mehrzuteilungsoption 164 Millionen Euro. Als Emissionsbanken begleiteten J.P. Morgan und die Commerzbank den IPO.

Technau_Konstantin

Konstantin Technau

Zuvor war bereits der Netzbetreiber Kabel Deutschland an den streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse gegangen. Mit einem Volumen von mehr als 760 Millionen Euro war der Börsenstart des Medienunternehmens nicht nur deutlich größer, die erfolgreiche Emission in dieser Größenordnung gilt auch als Eisbrecher für den IPO-Markt.

In den vergangenen beiden Jahren hatten aufgrund der Wirtschaftskrise kaum Unternehmen den Sprung an die Börse geschafft. 2010 gelang dies gerade einmal der leeren Börsenhülle Helikos, im vergangenen Jahr nur dem chinesischen Mobilfunkzulieferer Vtion.

Die Aktien von Tom Tailor kamen zu 13 Euro je Stück an den Markt. Die Papiere stammen aus einer Kapitalerhöhung, brutto fließen dem Unternehmen rund 143 Millionen Euro zu. Der Rest geht in die Kassen der bisherigen Mehrheitseigentümer, des deutsch-französischen Investors Alpha sowie des Firmengründers Uwe Schröder und des Vorstands.

Das eingesammelte Geld will Tom Tailor vor allem für die Schuldentilgung und die weitere Expansion verwenden. Tom Tailor ist seit 1962 am Markt und in 35 Ländern vertreten. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um rund sechs Prozent auf 300 Millionen Euro. (René Bender)

Berater Tom Tailor
Inhouse (Hamburg): Marc Gorbauch
Heymann & Partner (Frankfurt): Thomas Heymann, Dr. Andreas Müller-Driver; Associates: Eva Prinz, Dr. Lars Weber, Stefanie Zugelder
Linklaters (Frankfurt): Christoph Vaupel, Ulli Janssen

Thomas Heymann

Thomas Heymann

Berater Banken
Inhouse: Nicht bekannt
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Konstantin Technau; Associates: Thomas Keller, Yvonne D´Allaire

Hintergrund: Die Beraterkonstellation bei diesem IPO war eher ungewöhnlich. Anders als üblich steuerte vor allem die Kanzlei der Banken, Sullivan, die Beratung hinsichtlich des Wertpapierprospekts. Die Kapitalmarktpraxis von Sullivan gehört hierzulande zur Marktspitze, speziell auf Bankenseite zählt sie zu den besonders dominanten Größen.

Die Frankfurter Sozietät Heymann hat bei IPOs dagegen keine besondere Erfahrung. Allerdings kennt die Kanzlei den Hamburger Modekonzern Tom Tailor aus der Corporate-Arbeit gut und beriet umfangreich bei den gesellschaftsrechtlichen Fragen im Zuge des Börsengangs und finanziellen Umstrukturierungen. Ins Mandat gekommen war Heymann schon vor längerer Zeit, Namenspartner Thomas Heymann verfügt über hervorragende Kontakte zum bisherigen Tom Tailor-Mehrheitseigentümer Alpha.

Tom Tailor hatte seinen Börsengang ursprünglich schon sehr viel früher geplant, ihn aber aufgrund des schwierigen Marktumfelds für Börsengänge verschoben.

Linklaters beriet dem Vernehmen nach erst gegen Ende der Transaktion hinsichtlich Fragen des Emissionsübernahmevertrags, des sogenannten Underwriting Agreements.

Die Rechtsabteilung von Tom Tailor besteht aus zwei Juristen, General Counsel Marc Gorbauch beschäftigte sich in den vergangenen Monaten im Wesentlichen mit den Fragen zum IPO.

  • Teilen