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17.01.2011

SachsenLB: PwC und Freistaat einigen sich mit Hilfe von Hogan Lovells und Clifford Chance

40 Millionen Euro zahlt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) dem Freistaat Sachsen. Auf den Vergleich verständigten sich das Land und die Wirtschaftsprüfer. Die Prüfer leisten damit laut Pressemitteilung einen „Beitrag zur Schadensminderung“ nach dem Fast-Zusammenbruch der landeseigenen SachsenLB. Es dürfte das erste Mal sein, dass ein Abschlussprüfer für Verluste eines Kunden seinen Obolus leistet.

Marc Zimmerling
Marc Zimmerling

PwC will die Zahlung nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen. Schon seit längerem jedoch steht das Unternehmen wegen der Prüfung der SachsenLB in der Kritik der Deutschen Prüfstelle für Rechnungswesen. So hat das Landgericht Stuttgart vor etwa zwei Jahren die Jahresabschlüsse 2004 bis 2006 für nichtig erklärt, weil falsche Vermögenswerte ausgewiesen waren. Deswegen ermittelt Presseberichten zufolge auch die Wirtschaftsprüferkammer.

Das sächsische Kabinett und die Gremien bei PwC müssen dem Vergleich noch zustimmen. (Astrid Jatzkowski)

Berater Freistaat Sachsen
Clifford Chance (Frankfurt): Heinz-Günter Gondert (Restrukturierung), Sebastian Rakob (Litigation), Dr. Martin Jawansky, Harald Amer (beide Restrukturierung); Associate: Dr. Stefan Kirsten (Litigation)
Inhouse (Dresden): Nicht bekannt

Berater PwC
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Marc Zimmerling (Dispute Resolution), Dr. Georg Hohner; Associate: Dr. Charlotte Willemer
Knierim & Kollegen (Mainz): Thomas Knierim; Associate: Dr. Robin Smok (beide Strafrecht)
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf; Associate: Klaus Walter (beide Strafrecht)
Inhouse (Eschborn): Nicht bekannt

Hintergrund: Die Berater sind aus dem Markt bekannt.

Gondert berät den Freistaat Sachsen schon seit langem und stand ihm auch bei der Risikoabschirmung für die SachsenLB zur Seite (mehr…).

Der erfahrene Prozessrechtler Zimmerling machte insbesondere als Vertreter des Landes Niedersachen in Auseinandersetzungen mit Porsche auf sich aufmerksam. Einer seiner Schwerpunkte liegt im Bereich Managerhaftung, auch für Beratungsunternehmen.

Knierim berät auch seit längerem den PwC-Wettbewerber KPMG regelmäßig im Zusammenhang mit Strafverfahren. Kempf wiederum ist einer der angesehensten Strafrechtsanwälte hierzulande.

Die SachsenLB hat dem Freistaat ein finanzielles Desaster beschert.
Im Zuge der Finanzmarktkrise geriet das Institut als eine der ersten
deutschen Banken erheblich ins Schlingern. Sie hatte Regulierungslücken
für sich genutzt und über Tochtergesellschaften in Dublin ein großes
Rad bei Kapitalmarktgeschäften mit sogenannten Zweckgesellschaften
gedreht, die nicht mit Eigenkapital unterlegt werden mussten.

Als
die Bank die Liquidität dieser Finanzvehikel nicht mehr sichern konnte,
verständigte sich die Sparkassen-Finanzgruppe im Jahr 2007 auf eine
milliardenschwere Stützungsaktion. Kurze Zeit später übernahm die LBBW
die SachsenLB unter der Voraussetzung, dass der Freistaat Sachsen
Verluste von bis zu 2,75 Milliarden Euro für ein 17,5 Milliarden Euro
schweres Wertpapierportfolio selbst schultert. Bislang zahlte der
Freistaat 132 Millionen Euro.

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