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10.03.2011

Pfleiderer: Hedge-Fonds greifen Vorstand mit Weil Gotshal und Linklaters an

Machtkampf beim überschuldeten Holzwerkstoffhersteller Pfleiderer: Laut Medienberichten arbeiten die Investoren einen eigenen Rettungsplan aus. Dem Management soll der Vorschlag jedoch zu radikal sein.

Daniel Weiss

Die Investoren beabsichtigen demnach einen strikteren Schuldenabbau als der Vorstand. Es handelt sich bei den Investoren um die Hedge-Fonds Oak Hill, Strategic Value Partners, TPG Opportunities Partners und Centerbridge, die kürzlich Pfleiderer-Kredite erworben haben. Sie wollen mit einem möglichst kleinen Schuldenberg Pfleiderers Chancen auf neue Geldgeber erhöhen. Derzeit beläuft sich die Nettoverschuldung des im SDax notierten Unternehmens auf über 900 Millionen Euro.

Pfleiderer hatte zuletzt mit seinen Gläubigerbanken ein Stillhalteabkommen bis Ende März erzielt und zugleich angekündigt, bis dahin einen Restrukturierungsplan aufzustellen. Der Vorstand soll der Investmentbank Lazard den Auftrag erteilt haben, den Rettungsplan auszuarbeiten. Laut Presseberichten sieht deren Lösungsweg unter anderem einen Forderungsverzicht von 30 Prozent und den Verkauf der nordamerikanischen Konzerngesellschaften vor.

Das soll den Hedge-Fonds nicht weit genug gehen. Sie sollen eine eigene Investmentbank engagiert haben, die einen Rettungsplan erstellt. Angeblich verlangen sie einen Forderungsverzicht von 50 Prozent.

In einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang April wollte der Pfleiderer-Vorstand den Restrukturierungsplan offiziell vorstellen. Seit Anfang der Woche heißt es aber, dass sich Pfleiderer nicht mehr innerhalb des Zeitplans mit den Gläubigerbanken und den Hedge-Fonds einigen kann.

Auch die Geschäfte des Oberpfälzer Unternehmens, das rund 5.500 Mitarbeiter zählt, laufen derzeit schlecht. Pfleiderer erklärte Anfang des Jahres, dass der Fehlbetrag des Geschäftsjahres 2010 die Hälfte des Grundkapitals verzehrt. Finanzexperten erwarten ein Minus von 300 Millionen Euro. Kernaktionär von Pfleiderer ist der Finanzinvestor One Equity Partners, der 2008 einstieg und rund 23 Prozent der Anteile hält. (Parissa Kerkhoff)

Berater Pfleiderer
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Daniel Weiss (Restrukturierung), Dr. Georg Seyfarth (Gesellschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Hendrik Haag (Anleihen), Dr. Wolfgang Meyer-Sparenberg (Gesellschafts- und Finanzrecht), Dr. Achim Herfs (Equity Capital Markets; München), Dr. Martin Klein, Dr. Matthias Scheifele (beide Steuerrecht)
Noerr
(München): Dr. Christoph Schotte, Dr. Stephan Kolmann, Eckhard Martin (Frankfurt; alle Restrukturierung; Aktien- und Konzernrecht)
Görg
(Köln): Dr. Martin Stockhausen – aus dem Markt bekannt

Berater Lenkungsausschuss Banken
Allen & Overy
(Frankfurt): Peter Hoegen, Dr. Sven Prüfer – aus dem Markt bekannt

Berater Oak Hill, Strategic Value Partners und TPG Opportunities
Weil Gotshal & Manges
(Frankfurt): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Dr. Christian Tappeiner (beide Corporate), Dr. Uwe Hartmann (Corporate, Restrukturierung), Tobias Geerling (Steuern; München); Associates: Michael Kohl, Mucibisahran Cicek (beide Finanzierung), Wolfgang Suess, Dr. Alexander Wandt (beide Finanzierung; München)

Berater Centerbridge
Linklaters (Frankfurt): Kolja von Bismarck Dr. Florian Drinhausen, Dr. Kurt Dittrich – aus dem Markt bekannt

Berater One Equity Partners
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Christoph von Bülow, Dr. Christian Decher, Dr. Arend von Riegen, Dr. Lars Westpfahl (Hamburg); Associate: Jochen Wilkens (Hamburg/Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Hengeler ist regelmäßig für Pfleiderer tätig. 2007 beriet ein Hengeler-Team unter Federführung von Dr. Gerd Sassenrath Pfleiderer bei den Übernahmeverhandlungen mit Pergo (mehr…). Ein Jahr zuvor begleitete die Kanzlei eine Kapitalerhöhung über gut 200 Millionen Euro (mehr…).

Laut Marktinformationen ist Noerr erstmals für den Pfleiderer-Vorstand tätig. Die Kanzlei berät demzufolge zu ausgewählten konzern- und restrukturierungsrechtlichen Fragen, die das gesamte Unternehmen betreffen. So hilft sie auch bei der rechtlichen Überprüfung des Restrukturierungsplans.

Kernaktionär One Equity Partner greift regelmäßig auf Freshfields zurück. Die Kanzlei beriet den Finanzinvestor erstmals 2009, als er die Mehrheit an dem österreichischen Verpackungskonzern Constantia Packaging erwarb (mehr…). Mitte 2010 kam Freshfields dann wieder zum Einsatz, als One Equity Partners ein Angebot für den Funktechnik-Anbieter Smartrac abgab (mehr…).

Auch der Hedge-Fonds Centerbridge soll laut Marktinformationen mit Linklaters auf eine bereits bewährte Kanzlei gesetzt haben.

Weil Gotshal & Manges zählt Oak Hill, Strategic Value Partners und TPG zu ihren regelmäßigen Mandanten. Der Investor Oak Hill hatte erst im Mai 2010 Weil Gotshal mandatiert. Die US-Kollegen begleiteten den Kauf von Dave & Buster’s, einer amerikanischen Restaurantkette. Strategic Value Partners streut ihre Mandate breit. Neben Weil Gotshal treten etwa auch Norton Rose, Mayer Brown und Latham & Watkins an der Seite des US-Investors auf.

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