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08.04.2011

IPO-Markt: Norma wagt Gang aufs Parkett mit Freshfields und Dechert

Der hessische Industrieausrüster Norma ist an den Aktienmarkt gegangen. Seit heute werden die Papiere des Unternehmens am Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelt. Die Emission hat ein Volumen von 386 Millionen Euro, die Commerzbank, die Deutsche Bank und Goldman Sachs begleiten die Transaktion federführend.

Andreas König

Der IPO ist der größte Börsenstart seit dem des Chemikalienhändlers Brenntag, der vor rund einem Jahr knapp 450 Millionen Euro erlöste.

Norma mit Sitz in Maintal bei Frankfurt stellt Befestigungs- und Verbindungselemente für Fahrzeuge und Maschinen her, unter anderem Schlauch-und Rohrverbindungsteile für die Autoindustrie. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 490 Millionen Euro um und erzielte nach Verlusten in den Vorjahren einen Gewinn von 30 Millionen Euro. Im Rahmen des IPOs führte die Gesellschaft nun auch eine Refinanzierung durch.

Berthold Hummel

Rund 147 Millionen Euro des IPO-Erlöses fließen Norma selbst zu. 240 Millionen Euro gehen an die Altaktionäre, unter anderem den Investor 3i, der Norma 2006 übernommen hatte und seinen Anteil von 73 auf 28 Prozent reduziert. Weitere Anteile gaben das Management und Aufsichtsratsmitglied Christoph Schug ab sowie der Miteigentümer Fimane, hinter dem der Ex-Eigentümer der schwedischen Gesellschaft ABA steht. Mit ABA schloss sich Norma vor wenigen Jahren zusammen. Zunächst hatte Norma in einem Dual-Track-Verfahren auch den Verkauf des Unternehmens erwogen, sich von diesen Plänen aber letztlich verabschiedet.

Norma könnte der Auftakt-IPO für eine Reihe von Börsengängen in kurzer Zeit sein. In der kommenden Woche will der chinesische Taschenhersteller Powerland sein Debüt am Prime Standard feiern, in dem streng regulierten Vorzeigesegment ist ebenfalls der Start der Wohnungsbaugesellschafft GSW Immobilien angekündigt. Im schwächer regulierten Entry Standard will schon bald der hessische Maschinenbauer Datron starten.

Allerdings ist die Lage an den Aktienmärkten derzeit auch aufgrund der Katastrophe in Japan und den Unruhen in einigen arabischen Ländern noch unsicher. So wagte nach einigen IPOs zu Jahresbeginn zuletzt kein Unternehmen mehr den Sprung ans Parkett, die Reederei Hapag Lloyd verschob ihren Börsengang sogar.

Berater Norma
Freshfields Bruckhaus Deringer
(Frankfurt): Dr. Andreas König (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Dr. Andreas von Werder (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Jochen Leßmann (Arbeitsrecht), Mark Strauch (US-Recht/Kapitalmarktrecht), Dr. Andrea Lensing-Kramer (Geistiges Eigentum/IT; Düsseldorf); Associates: Timothy Knauff (US-Recht/Kapitalmarktrecht), Julian Schulze de la Cruz (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Sven Petersen, Dr. Hendrik Braun (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Stephan Schulz (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht; Hamburg), Dr. Tobias Timmann (Geistiges Eigentum/IT; Düsseldorf)
Dechert
(München): Berthold Hummel (Federführung), John LaRocca (Philadelphia), Thomas Gierath (Tax; München), Wayne Rapozo (London), Olivia Gueguen (Paris), Dr. Katja Heuterkes (alle Corporate); Associates: Julia Braun, Giovanni Russo, Robert Williams, Christian Zwickel, Sopie Lafay (Paris), Thomas Mieszkowski, Abigail Smith (beide London), Drew Picciafoco (Boston), Michael Budicak, Jacob Bishop, Michael Fischette, John Ix, Eric Kirkessner, Jonathan Korman (alle Corporate; alle Philadelphia)
Clifford Chance (Frankfurt): Alexandra Hagelüken (Refinanzierung) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (3i; London): Andrew Wallace – aus dem Markt bekannt

Berater Banken
Linklaters
(Frankfurt): Dr. Herbert Harrer, Mark Devlin (beide Federführung; beide Capital Markets), Dr. Michael Ehret (Tax); Associates: Dr. Claus Mößle, Florian Wirth, Jessie Heners (alle Capital Markets), Dr. Ulrich Johann (Tax), Anders Olsson, Linda Sengul (beide Corporate; beide Stockholm), Rachel Blaise (Tax; Luxemburg)
Inhouse
(Commerzbank; Frankfurt): Dr. Klaus Cannivé – aus dem Markt bekannt

Berater Fimane/ABA
Bird & Bird: Christian Luthman ( Federführung; Stockholm), Prof. Dr. Patrick Sinewe (Frankfurt; beide Steuern), Dr. Michael Jünemann (Banking & Finance; Frankfurt); Associates Dick Poppelman (Federführung; Corporate/Commercial;Stockholm), Dr. Henning Frase, André Oelsner  (beide Frankfurt)

Hintergrund: Die maßgebliche Rolle auf Emittentenseite spielte Freshfields, die für die kapitalmarktrechtliche Begleitung und insbesondere den Prospekt verantwortlich zeichnete. An der Seite von Norma fiel die Kanzlei bislang noch gar nicht auf.Allerdings hatte die Sozietät in der Vergangenheit schon Kontakt zum hinter Norma stehende Mehrheitsaktionär 3i und beriet etwa vor Jahren bereits bei der Übernahme der Dematic von Siemens. Allerdings gilt Freshfields nicht unbedingt als eine der engsten Beraterinnen von 3i.

Dechert hingegen ist seit einigen Jahren eine etablierte Größe als Beraterin von 3i und Norma. So beriet die Kanzlei 3i vor fünf Jahren im Zuge der Norma -Übernahme erstmalig bei einer größeren grenzüberschreitenden Transaktion und profitierte nicht zuletzt auch von den guten Kontakten des Münchner Partners Hummel zu 3i. Hummel war dort fünf Jahre als Senior Counsel tätig, bevor er im Januar 2006 zu Dechert wechselte. Seither begleitet Dechert die Norma-Gruppe regelmäßig und betreute sie zuletzt erst Ende 2010 beim Zukauf des Kühltechikunternehmens Craig Asembly. Jetzt war Dechert aufseiten Normas wesentlich im Zusammenhang mit Fragen der abgebenden Mehrheitsgesellschafter zuständig.

Linklaters verfügt zu allen drei begleitenden Banken über etablierte Kontakte und betreute diese seit Jahren immer wieder bei Kapitalmarkttransaktionen. So beriet der Frankfurter Partner Harrer beispielsweise vor rund fünf Jahren, als die Deutsche Bank Teil des Konsortiums war, das die Metro-Baumarkttochter Praktiker an die Börse brachte.

Das Stockholmer Büro von Bird & Bird ist schon lange für Fimane/ABA tätig. Der Kontakt kommt über den Stockholmer Partner Luthman, der nun auch die deutsche Praxis ins Boot holte. (René Bender)

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