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30.08.2011

WAZ-Gruppe vor Übernahme: Heuking berät Großaktionärin Grotkamp zu Angebot

Die Essener WAZ-Gruppe steht Presseberichten zufolge möglicherweise vor einem Gesellschafterwechsel. Großaktionärin Petra Grotkamp hat den Mitgliedern der Familie Brost das Angebot gemacht, deren 50-prozentigen Anteil an den Gesellschaften der WAZ-Gruppe zu erwerben. Sie soll dafür 500 Millionen Euro bieten. Finanzierende Banken sind die Unicredit, die Bayerische Landesbank (BayernLB) und die Deutsche Bank.

Andreas Urban

Andreas Urban

Petra Grotkamp ist Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp. Sie ist bisher mit 16,67 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

Der WAZ-Konzern gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachfahren seiner Gründer Erich Brost und Jakob Funke. Auf der einen Seite sind dies die drei Brost-Enkel, die ihre Anteile in der Brost-Holding gebündelt haben, auf der anderen die Funke-Töchter: Petra Grotkamp, Renate Schubries und die Erben der bereits verstorbenen Gisela Holthoff jeweils mit 16,67 Prozent. Da Berichten zufolge die Brost-Seite verkaufen will, kommt dem Brost-Testamentsvollstrecker Dr. Peter Heinemann eine Schlüsselrolle zu. Er müsste einem Verkauf zustimmen, damit das Geschäft zustande kommen kann.

Die WAZ-Gruppe ist das drittgrößte deutsche Verlagshaus und erwirtschaftete mit rund 15.000 Mitarbeitern zuletzt einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro. Dazu gehören regionale Tageszeitungen wie die ‚Westdeutsche Allgemeine Zeitung oder die ‚Westfälische Rundschau‘ sowie diverse Zeitschriftentitel wie ‚Gong‘, ‚Die Aktuelle‘, ‚Echo der Frau‘ und ‚Frau Aktuell‘.

Berater Grotkamp
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Düsseldorf): Dr. Andreas Urban (Federführung), Dr. Roland Reichert, Dr. Thilo Fleck (alle M&A), Dr. Rainer Velte (Kartellrecht), Dr. Vincenz Bödeker (Finanzierung; Frankfurt)
RLT Ruhrmann Wüller & Partner (Essen): Michael Wüller, Kirsten Feldmann (beide steuerliche Beratung)

Berater Brost Holding
P+P Pöllath + Partners (Berlin): Dr. Andreas Richter (Nachfolge, Vermögen, Stiftungen), Dr. Matthias Bruse (beide Federführung; M&A), Alexander Pupeter (Steuern; beide München); Associate: Dr. Jens Escher
Inhouse (BTV-Unternehmensgruppe; München): Dr. Klaus Berner

Berater Heinemann
Orrick Hölters & Elsing (Düsseldorf): Prof. Dr. Siegfried Elsing; Associates: Dr. NIkita Tkatchenko

Berater finanzierende Banken
Freshfields Bruckhaus Deirnger (München): Yorck Jetter; Associates: Dr. Carsten Endes, David Schwintowski, Anette Meyer, Anselm Lenhard

Hintergrund: Petra Grotkamp und die Brost-Familie vertrauen ihren Beratern seit vielen Jahren. Pöllath-Namenspartner Prof. Dr. Reinhard Pöllath war knapp drei Jahre Geschäftsführer der Brost-Holding und vertrat auch die Brost-Enkel als WAZ-Anteilseigner regelmäßig. Seit Anfang 2009 ist er nicht mehr in der Geschäftsführung tätig und das Rechtsberatungsmandat wird zunehmend an Pöllath-Partner Richter übergeleitet.

Petra Grotkamps Sohn aus erster Ehe, Niklas Wilcke, ist Namenspartner in der Essener Kanzlei Half Pesch Wilcke. Berichten zufolge soll er künftig eine wichtige Rolle im Gesellschafterkreis spielen.

Rechtliche Berater der übrigen Funke-Nachfahren sind bisher nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Aus dem Markt bekannt ist jedoch, dass sich Renate Schubries regelmäßig von Dr. Dietrich Max, Partner im Düsseldorfer Büro von Taylor Wessing, vertreten lässt. Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Adoptivsohn der verstorbenen Gisela Holthoff, ist selbst Jurist und Namenspartner einer Sozietät mit Büros in Essen und Berlin. Seiner Kanzlei gehört auch Ronald Pofalla an, der seit 1990 für die CDU im Bundestag sitzt.

Heinemann, Sohn des früheren Bundespräsidenten Heinemann, hat bis 2015 die Testamentsvollstreckung für die Brost-Enkel inne. In seiner Kanzlei Heinemann & Partner in Essen ist er inzwischen nicht mehr tätig. Orrick-Namenspartner Prof. Elsing und Heinemann pflegen seit vielen Jahren berufliche und persönliche Kontakte.

Die WAZ-Rechtsabteilung soll in die Verhandlungen nicht involviert sein, da diese ausschließlich die Gesellschafterstruktur betreffen.

Jedoch ist pressebekannt, dass Überlegungen zu Umstrukturierungen der WAZ-Gruppe laufen. Marktinformationen zufolge sollen sich alle Gesellschafter auf Linklaters als Berater geeinigt haben. (Geertje Oldermann)

Der WAZ-Konzern ist das drittgrößte deutsche Verlagshaus mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Zur Gruppe gehören regionale Tageszeitungen wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung oder die Westfälische Rundschau. Sehr profitabel werden die Zeitschriften des Unternehmens geführt (Gong, Die Aktuelle, Echo der Frau, Frau Aktuell).
Der Verkauf steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Brost-Testamentsvollstrecker Peter Heinemann zustimmt.
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