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13.12.2011

Unter neuer Flagge: Star Capital erwirbt mit SJ Berwin Blohm + Voss

Der weit überwiegende Teil der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss ist künftig in Händen des britischen Investors Star Capital. Nach monatelangen Verhandlungen entschied sich die Muttergesellschaft ThyssenKrupp für einen Verkauf an die bislang im Schiffbau unerfahrene Gesellschaft. Zuvor war im Sommer eine Veräußerung an die arabische Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar geplatzt.

Für die jetzige Transaktion wurde nach Branchenkreisen ein Unternehmenswert von 120 bis 150 Millionen Euro zugrunde gelegt.

Julian Lemor

Blohm + Voss wurde 1877 gegründet und fertigt derzeit mit rund 1.500 Mitarbeitern Schiffe und Yachten. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 475 Millionen Euro. An der Hamburger Institution sollen bis zuletzt auch asiatische Unternehmen interessiert gewesen sein. Auf ein Angebot der Bremer Lürssen-Werft war ThyssenKrupp nicht eingegangen. Zuvor hatte sich Abschluss des Verkaufs an Abu Dhabi Mar immer wieder verzögert, bis vor wenigen Monaten bekannt geworden war, dass es offensichtlich Probleme mit der Finanzierung des Zukaufs gibt. Der Verkauf war in weiten Teilen geplatzt, lediglich ein kleiner Teilbereich ging an die Araber.

Der einstige Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp will weitere Sparten verkaufen und im Zuge dessen rund 18.000 seiner 35.000 Arbeitsplätze abgeben. Der Dax-Konzern verbuchte zuletzt einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro. Im Schiffssegment hatte sich der Konzern bereits zuvor aus weiten Teilen der zivilen Fertigung zurückgezogen und etwa den größten Teil der Emder Nordseewerke verkauft. ThyssenKrupp will sich in der Sparte künftig auf den Bau von Kriegsschiffen konzentrieren.

Für Star Capital ist die Übernahme von Blohm + Voss der sechste Zukauf in Deutschland. Bislang betreibt der Investor hierzulande unter anderem Altenheime und die Kabelnetzgesellschaft Pepcom. Das 2005 erworbene Bahnunternehmen Abellio hat Star Capital inzwischen bereits weiterverkauft.

Berater Star Capital
SJ Berwin (Frankfurt): Dr. Julian Lemor (Federführung; Corporate), Rüdiger Knopf (Federführung; Structuring/Steuern), Dr. Christian Cornett (Corporate), Boris Meissner (Steuern), Tilman Siebert (Kartellrecht; München), Lars Reubekeul (Immobilienwirtschaftsrecht), Birgit Hübscher-Alt, Dr. Michiel Huizinga, Dr. Esther Filgut (alle Corporate); Associates: Tilmann Becker, Christian Böcker, Christian Ostermöller, Marc Stock, Julia Geis (alle Corporate), Manuel Biehler (IP), Svenja-Ariane Maucher (beide IP), Oliver Hübner (Immobilienwirtschaftsrecht), Michaela Westrup (Kartellrecht; München), Sebastian Schrag (Finanzierung)
Inhouse (London): Paul Gough, Jolyn Ho

Berater ThyssenKrupp
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen, Dr. Anselm Raddatz (beide Federführung; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Uta Itzen (Kartellrecht), Dr. Norbert Schneider (Steuerrecht), Dr. Andrea Lensing-Kramer (IP/IT), Dr. Thomas Müller-Bonanni (Arbeitsrecht) ; Associates: Dr. Sebastian Kalb, Benjamin Chouka, Jan Furnivall, Christian Kaufmann, Markus Müller (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Christoph Sieberg, Dr. Tim Schaper (beide Kartellrecht), Dr. Ernesto Drews (Steuerrecht), Dr. Frank Dittschar, Christoph Backert (beide IP/IT), Dr. Hans-Jörg Schulze, Dr. Markus Böhme (beide Öffentliches Wirtschaftsrecht), Julia Schütt (Arbeitsrecht)
Inhouse: (Hamburg): Dr. Martin Schlag (Head of Department Legal Technologies), Dr. Hans-Christoph Atzpodien (Vorstandschef ThyssenKrupp Marine Systems) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Arbeit von SJ Berwin für Star Capital ist eine kleine Überraschung. In der Vergangenheit stand vor allem Dr. Andreas Jürgens den Briten bei den hierzulande durchgeführten Deals zur Seite. So beriet er unter der Flagge von Clifford Chance beispielsweise beim Kauf des Bahnunternehmens Abellio (mehr…), wenige Jahre später dann als Partner von Jones Day beim Weiterverkauf von Abellio (mehr…).

Allerdings hat auch SJ Berwin bereits für den Investor gearbeitet. So begleitete das Londoner Büro der Kanzlei Star Capital bei einigen Transaktionen. Auch in Deutschland beriet die Kanzlei bei einem geplanten, aber letztlich gescheitertem Deal sowie bei gesellschaftsrechtlichen Fragen.

Auf der Gegenseite beschäftigte der Verkauf von Blohm + Voss Freshfields schon länger. Die Kanzlei stand ThyssenKrupp bereits beim geplanten Verkauf an Abu Dhabi Mar zur Seite (mehr…), die Araber vertrauten auf Allen & Overy. Dieses Mandat an Freshfields war seinerzeit keine Überraschung, denn die Partner Raddatz und Waldhausen hatten den Konzern beispielsweise schon zuvor beim Verkauf der Nordseewerke beraten. Neben Freshfields mandatiert Thyssen aber seit Jahren auch regelmäßig den heutigen Linklaters-Partner Kirchfeld, der bis Ende 2007 ebenfalls für Freshfields tätig war. Seit seinem Wechsel betreute er den Konzern etwa im Jahr 2009 bei der Integration der Tochtergesellschaft ThyssenKrupp Marine Systems und erst kürzlich beim Verkauf der Dienstleistungstochter Xervon (mehr…) Zu den angestammten Beratern von ThyssenKrupp gehört daneben aber auch Hengeler Mueller. (René Bender)

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