Klaus Ostendorf hatte sein Kaufangebot Anfang der Woche überraschend wieder zurückgezogen. Ein Sprecher Ostendorfs hatte dabei auch die Verhandlungsführung Ampferls kritisiert und ihm vorgeworfen, ständig neue Forderungen zu stellen. Zudem habe das Landesamt für Gesundheits- und Lebensmitelsicherheit Ostendorf in Gesprächen so verunsichert, dass er von seinem Kaufangebot Abstand genommen habe.
Ampferl konterte über seinen Sprecher, dass dies nachweislich falsch sei. Ampferl habe lediglich darauf bestanden, dass Ostendorf die Zusagen aus seinem Angebot einhalte. Außerdem habe Ostendorf dem Gläubigerausschuss bis zuletzt kein Finanzierungskonzept vorgelegt. Es hätten Zweifel bestanden, dass Ostendorf die nötigen Sicherheiten für die Gläubiger, geschätzte 22 Millionen Euro, aufbringen könne. In dem Zusammenhang kritisierte die Nahrungsmittelgewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) den Insolvenzverwalter scharf. Er habe Ostendorf einen Zuschlag ohne Finanzierungskonzept erteilt. Entscheidend seien aber die Banken.
Ende vergangenen Woche schien der Rückkauf noch in trockenen Tüchern. Der Gläubigerausschuss der Großbäckerei entschied sich einstimmig für das Angebot des langjährigen Mehrheitseigners und dessen Geschäftsführers Stefan Huhn. Am Montag sollte der Vertrag unterschrieben werden (mehr…).
Für die Rettung der Großbäckerei bleibt nun nicht mehr viel Zeit. Bis Ende März hatten die rund 1.100 Mitarbeiter noch Insolvenzgeld erhalten. Ob es vor Ostern noch zu einer Lösung kommt, ist ungewiss. Zuletzt hatte der Gläubigerausschuss das Angebot des Gespanns Höflinger/Müller abgelehnt, vor allem die Commerzbank hatte sich gegen deren Angebot und für Ostendorf ausgesprochen. Ampferl hingegen soll ursprünglich das Angebot von Höflinger/Müller bevorzugt haben. Das Konsortium hatte zugesagt, 600 Mitarbeiter übernehmen zu wollen, Ostendorf dagegen wollte nur 400 Mitarbeiter weiter beschäftigen. Müller-Brot hat 151 Pächter, die zuletzt weit über 200 Filialen betrieben. Müller-Brot beliefert aber auch in großem Umfang Handelsketten an mehr als 3.000 Verkaufsstellen.
Abseits des Kampfs um die Rettung des Unternehmens hat die Staatsanwaltschaft Landshut Vorermittlungen wegen einer möglichen Insolvenzverschleppung eingeleitet. Zudem prüft sie, ob Kautionen von Pächtern veruntreut wurden. (René Bender)
Berater Ostendorf/Huhn
P+P Pöllath + Partners (München): Otto Haberstock – aus dem Markt bekannt
Altenburg (München): Stephan Altenburg; Associate: Bernhard Fackler (beide Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Vorläufiger Insolvenzverwalter
Dr. Beck & Partner (Nürnberg): Dr. Hubert Ampferl
Berater Höflinger/Müller: Nicht bekannt
Berater Interessengemeinschaft Pächter
Bengen (München): Dr. Wolfgang Bengen
Berater Pächter-Interessengemeinschaft (PIG)
SSP Schiessl (München): – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Für Hubert Ampferl ist die Müller-Brot-Pleite die in der Öffentlichkeit meist beachtete Insolvenz, die er bislang betreut hat. Ihn unterstützt ein rund 15-köpfiges Team aus Wirtschaftsprüfern und Anwälten. Auch zuvor hatte Ampferl schon größere Verfahren begleitet, etwa die Insolvenz von Schmack Biogas (mehr…). Zuletzt verwaltete er die Wittenbauer-Gruppe und den Tank- und Behälterhersteller Raum Inox. In beiden Fällen gelang es, große Teile der Unternehmen zu retten. Ampferls Kanzlei Dr. Beck & Partner gilt vom Ansatz her als sanierungsorientiert und ist in Süddeutschland eine der ersten Adressen für Großinsolvenzen.
Ostendorf wählte mit Pöllath für seinen geplanten Wiedereinstieg bei Müller-Brot die gleiche Kanzlei, die er auch schon für sein erstes Engagement bei der Großbäckerei mandatiert hatte. Pöllath ihrerseits zog Informationen aus dem Markt zufolge die Arbeitsrechtler der Boutique Altenburg hinzu. Beide Kanzleien arbeiten regelmäßig zusammen. (René Bender)