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23.01.2018

Verkauf aus Insolvenz: Niki Lauda plötzlich in Pole Position

Kaum einer hat Niki Lauda wirklich ernst genommen, diesen Ex-Rennfahrer, der im Chaos der Insolvenz die von ihm einst gegründete Airline Niki mehrfach zurückkaufen wollte. Der Verkauf an den britischen Luftfahrtkonzern IAG schien bereits in trockenen Tüchern, doch Lauda hat sich nach einem beispiellosen Manöver wieder die Pole Position erkämpft: Die Insolvenzverwalter Dr. Ulla Reisch und Prof. Dr. Lucas Flöther haben überraschend mitgeteilt, dass er den Zuschlag erhält. Der in Deutschland abgeschlossene IAG-Deal ist damit hinfällig. Die Ereignisse hatten sich zuletzt überschlagen.

Ulla Reisch

Ulla Reisch

Erst hatte ein Fluggastportal in Deutschland gegen das deutsche Insolvenzverfahren geklagt, anschließend wurde ein zweites – eigentlich rechtswidriges – Hauptverfahren in Österreich eröffnet. Man kann sich deshalb gut vorstellen, wie viele juristische Alarmsignale Flöther zur Seite schob, als er am 16. Januar gemeinsam mit der österreichischen Masseverwalterin Ulla Reisch folgende Mitteilung an die Öffentlichkeit brachte: „Die Insolvenzverwalterin der ‚NIKI Luftfahrt GmbH‘ in Österreich, Dr. Ulla Reisch, und der vorläufige Insolvenzverwalter des Unternehmens in Deutschland, Prof. Dr. Lucas F. Flöther, haben eine enge Kooperation beim Verkauf des Geschäftsbetriebs der insolventen Airline vereinbart.“

Erst am Tag zuvor hatte seine Pressemitteilung noch wenig kooperativ geklungen, als er verkündete, am Verkauf von Niki an die IAG-Tochter Vueling festzuhalten: „Durch die EU-rechtswidrige Eröffnung eines zweiten Hauptinsolvenzverfahrens durch das Landesgericht Korneuburg stehen diesem Ziel jedoch erhebliche Hürden entgegen“, ein erneuter Investorenprozess könne den Bestand von Niki ernsthaft gefährden.

Pragmatismus oder Politik?

Ob Flöther letztlich aus pragmatischen Gründen davon abgesehen hat, an dieser Stelle ein insolvenzrechtliches Fass aufzumachen, oder ob möglicherweise auch die Politik ihre Finger im Spiel hatte, wird sich nicht klären lassen. Klar ist, dass der hastig aufgesetzte Investorenprozess in Österreich durch Flöthers Kooperation und seine Kenntnis der früheren Angebote deutlich schneller abgewickelt werden konnte, als wenn alles von vorne begonnen hätte.

Lucas Flöther

Lucas Flöther

Niki Lauda, der schon länger mit dem Ferienflieger Condor für Niki bietet, hat versichert, er wolle jedem Niki-Mitarbeiter ein Angebot unterbreiten. Er reagierte damit auf Kritik des Niki-Betriebsrates, der im Vorfeld vor einem Verkauf der Airline an Laudas Firma Laudamotion gewarnt hatte. Nun sollen die Arbeitsplätze aber gesichert sein.

IAG erklärte in einer kurzen Mitteilung, man sei enttäuscht, dass Niki nicht Teil des Unternehmens werde. Das Kapitel Niki-Insolvenz muss nun nicht beendet sein, denn es ist offen, ob es bei einem beleidigten Statement bleibt oder IAG und andere unterlegene Bieter ihrer Enttäuschung weiteren Ausdruck verleihen. Beobachter halten es nicht für abwegig, rechtlich gegen die merkwürdige Insolvenzsituation vorzugehen.

Berater Laudamotion/Niki Lauda
Schuppich Sporn & Winischhofer (Wien): Dr. Haig Asenbauer

Berater Thomas Cook/Condor
Noerr: Dr. Thomas Hoffmann (Insolvenzrecht; Berlin), Holger Alfes (Corporate/M&A; Frankfurt; beide Federführung), Uwe Erling (Luftverkehrsrecht; München), Alexander Israel (Kartellrecht; Brüssel)
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philipp Baubin, Dr. Christoph Herbst, Dr. Christoph Wildmoser, Dr. Wolfgang Schwackhöfer (alle Corporate/Bank- und Finanzrecht)

Insolvenzverwalterin Niki Österreich
Urbanek Lind Schmied Reisch (Wien): Dr. Ulla Reisch

Sachwalter Air Berlin und vorläufiger Insolvenzverwalter der Niki Luftfahrt GmbH Deutschland
Flöther & Wissing (Leipzig): Prof. Dr. Lucas Flöther (Insolvenzrecht)

Berater Insolvenzverwalter
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Konrad Schott (Federführung; Bank- und Finanzrecht), Dr. Matthias-Gabriel Kremer, Dr. Farid Sigari-Majd (Wien; beide Corporate/M&A), Jochen Wilkens (Insolvenzrecht; Hamburg), Dr. Peter Niggemann (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Thomas Emde Dr. Friedrich Jergitsch (Wien), Catherine Balmond (London; alle Bank- und Finanzrecht) Martin Nelson-Jones (Corporate/M&A), Dr. Martin Schiessl (Steuerrecht), Dr. Karin Buzanich-Sommeregger (Arbeitsrecht), Dr. Stephan Denk (beide Wien), Prof. Dr. Marcel Kaufmann (Berlin; beide Öffentliches Recht), Dr. Johannes Vogel (Bank- und Finanzrecht), Juliane Ziebarth (Kartellrecht; Düsseldorf), Prof. Dr. Claus Staringer (Steuerrecht; Wien), Dr. Markus Benzing (Öffentliches Recht); Associates: Dr. Alper Utlu (Bank- und Finanzrecht), Dr. Stefan Bressler, Dr. Lennart Schramm (Berlin; beide Corporate/M&A), Dr. Marvin Knapp (Insolvenzrecht; Hamburg), Uta Kunold, Robert Kastl, Sebastian Naujoks, Celine Zeng, Dr. Matthias Lehner, Dr. Daniel Arends (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Stephan Reemts, Daniel Lungenschmid, Stephan Rödler (beide Wien), Dr. Timo Fiebelkorn, Dr. Jan-Michael Klett, Dr. Ludwig Hartenau (alle Corporate/M&A), Daniel Arends (Insolvenzrecht), Dr. Moritz Dästner, Dr. Lorenz Marx (beide Kartellrecht; Düsseldorf), Oliver-Christoph Günther (Wien), Dr. Alina Paschke, Dr. Lukas Mechtler (alle Steuerrecht), , Dr. René Doering, Dr. Agnieszka Bibro, Dr. Leonhard Prasser (Arbeitsrecht), Sascha Arnold (Hamburg), Dr. Lukas Bauer, Dr. Kathrin Zeller (beide Wien; alle Öffentliches Recht)

Berater Niki
Graf & Pitkowitz
(Graz): Dr. Alexander Isola, Stefan Weileder (beide Insolvenzrecht)
BRL Boege Rohde Luebbehuesen
(Hamburg): Stefan Denkhaus, Dominik Demisch, Friedrich von Kaltenborn-Stachau (Hamburg), Friedemann Schade (Berlin)

Berater IAG
Luther: Susanna Fuchsbrunner (Frankfurt), Dr. Andreas Kloyer (München; beide M&A; beide Federführung), Andrea Metz (M&A/Insolvenzrecht; Frankfurt), Dr. Helmut Janssen (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Christian Rodorff (Corporate/M&A; München)
bpv Hügel (Wien): Dr. Elke Napokoj (Federführung), Stefan Gaug, Dr. Michaela Pelinka (alle Corporate/M&A), Dr. Bernhard Schatz (Baden/Niederösterreich; Insolvenzrecht), Dr. Dr. Christian Schneider (Luftverkehrsrecht)

Hintergrund: Die Berater sind schon seit Monaten in den Prozess involviert. (Christiane Schiffer)

Wir haben den Artikel am 24. und 25.01.2018 aktualisiert, inzwischen wurde aus dem deutschen Insolvenzverfahren ein Sekundärverfahren.

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