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09.02.2018

Hamburger Prestigeprojekt: McDermott-Mandantin Signa wird Elbtower bauen

Hamburgs Skyline bekommt ein weiteres Wahrzeichen. Die Signa Prime Selection, eine Tochtergesellschaft der österreichischen Signa Gruppe, wird den Elbtower in der Hafen City bauen. Die Immobiliengesellschaft setzte sich in der Endphase eines strukturierten Prozesses gegen zwei weitere Bieter durch. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 700 Millionen Euro.

Gregor Lamla

Gregor Lamla

Der Elbtower soll den Abschluss der Entwicklung der Hamburger Hafen City bilden. In dem mischgenutzten Hochhaus entstehen ab 2021 ein öffentlicher Bereich mit Entertainment, Einzelhandels- und Gastronomieflächen sowie ein zweiter Teil, der nur eingeschränkt öffentlich nutzbar sein wird. Dazu gehören ein Hotel, ein Boarding House sowie Büro- und Co-Working-Flächen. 104.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche stehen für die Entwicklung zur Verfügung. Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant. Dann wäre der Elbtower mit rund 233 Metern das höchste Gebäude in der Hansestadt.

Die Vergabe des Auftrages erfolgte im Zuge eines einphasigen Bauherrenverfahrens, an dessen Ende sich die Signa-Tochter durchsetzte. Die Besonderheit dabei war, dass Investor und Architekt in einem Verfahren gesucht wurden. Normalerweise schreiben Städte zunächst entweder einen Architekten- oder einen Investorenwettbewerb aus. Insbesondere im zweiten Fall hätte die Stadt Hamburg dann aber kaum noch Einfluss auf die Architektur des Gebäudes gehabt, weil der Architektenwettbewerb dann in der Regel vom Investor ausgeschrieben wird. Signa wird das Projekt nun nach den Plänen von David Chipperfield Architects Berlin realisieren, die bereits das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck und das Projekt WaltherPark in Bozen entworfen und außerdem das Nobel Center in Stockholm und die James Simon Galerie in Berlin gestaltet haben. Neben der Qualität des Entwurfs spielte die Realisierungswahrscheinlichkeit des Projekts eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung.

Bis zuletzt waren neben Signa Prime noch zwei weitere Bieter im Rennen, einer davon war JUVE-Informationen zufolge die Gerch Group aus Düsseldorf. Mit jedem der drei potenziellen Bauherren wurde ein Vertrag für den Fall des Zuschlags verhandelt. Erst danach entschied eine unabhängige Jury, wer das Projekt realisieren soll. Zur Wirksamkeit des Vertrages mit der Signa-Tochter bedarf es noch der Zustimmung der Hamburgischen Bürgerschaft, die voraussichtlich im Spätsommer 2018 darüber entscheiden wird. Zum erweiterten Bieterkreis soll außerdem die Ludger Inholte Projektentwicklung gehört haben.

Berater Signa Prime Selection
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Gregor Lamla (Federführung), Dr. Jens Ortmanns (beide Immobilienrecht), Dr. Alexa Ningelgen (Öffentliches Recht), Dr. Oliver Lieth (Finanzierung), Dr. Thomas Hauss (Arbitration),Steffen Woitz (IP; München), Daniel von Brevern (Kartellrecht), Dr. Daniel Klein, Dr. Jessica Hanke (Federführung); Associates: Dr. Anja Zelfel, Dr. Pierre-André Brandt (alle Immobilienrecht), Mirjam Büsch, Andreas Herzig (beide Öffentliches Recht), Dr. Thiemo Schäfer (Arbitration)
Arnold (Wien): Bernhard Vetter von der Lilie (Finance/Corporate)
Ernst & Young: Jan Kiesel (Steuern) – aus dem Markt bekannt

Berater Stadt Hamburg
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Johannes Conradi (Federführung); Associates: Dr. Sonja Bocek , Dr. Angela Husfeldt, Walter Grenz, Georg Guntrum, Dr. Daniel Brauner (alle Immobilienrecht)

Berater Gerch Group
Rotthege Wassermann (Düsseldorf): Dr. Lars Kölling (Immobilienrecht), Marcel Isselmann (Steuerrecht), Thomas Uebrick (Öffentliches Baurecht); Associates: Caspar Franke, Sascha Sell (beide Immobilienrecht)

Johannes Conradi

Johannes Conradi

Hintergrund: Auf Anwaltsseite gab es bei diesem Deal keine Überraschungen. Alle bekannten Beteiligten setzten auf langjährige Berater. Auf Seiten von Signa hatte dieses Mal allerdings McDermott-Partner Lamla die Federführung. Lamla wurde 2016 Partner, nachdem er zuvor einige Jahre als Associate in der Praxisgruppe um Ortmanns gearbeitet hatte. Dort war er von Beginn an in die Arbeit für Signa und deren Tochtergesellschaften insbesondere bei Transaktionen eingebunden. Dazu zählen etwa die Übernahme von Karstadt im Jahr 2014 sowie zuletzt der Erwerb eines Kaufhausportfolios für 1,5 Milliarden Euro von RFR.

Die Stadt Hamburg setzt bei komplexen Immobilienmandaten regelmäßig auf die Kompetenz von Freshfields-Partner Conradi. Er berät die Stadt auch zu weiteren Projekten in der Hafen City, unter anderem seit vielen Jahren zum Überseequartier. Darüber hinaus ist Conradi regelmäßig an bedeutenden Transaktionen in Hamburg beteilgt, zum Beispiel am Verkauf des Springer Quartiers an Momeni 2015. Aber auch außerhalb der Hansestadt sieht man das Team um Conradi immer wieder in großen Deals – wie dem Kauf der Axel-Springer-Zentrale in Berlin mit Norges oder dem Kauf des Taunusturms in Frankfurt  für ein Investorenkonsortium aus Tishman Speyer und Commerz Real. 

Die Gerch Group mit Sitz in Düsseldorf gehörte zu den letzten verbleibenden Bietern und setzte wie schon häufiger in der Vergangenheit auf ein Team um Rotthege-Partner Kölling. Die Düsseldorfer Kanzlei berät den Projektentwickler regelmäßig zu immobilienrechtlichen Fragen.

Den Vertrag zwischen Signa Prime und der Stadt Hamburg hat Dr. Robert Diekgräf vom Notariat am Alstertor beurkundet. (Laura Bartels)