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19.08.2019

Große Restrukturierung: Borgers bekommt Hilfe von Görg und McDermott

Die Borgers-Gruppe ist zunächst stabilisiert. Der nordrhein-westfälische Automobilzulieferer mit gut 7.000 Arbeitnehmern weltweit einigte sich mit Kreditgebern und Großkunden, allen voran Volkswagen. Auch die Verhandlungen mit den Gewerkschaften machen dem Vernehmen nach gute Fortschritte, wobei eine Werkschließung schon absehbar ist.

Ralf Hottgenroth

Ralf Hottgenroth

Das Bocholter Familienunternehmen hat schon einen Standort in Alabama aufgegeben, im kommenden Jahr muss auch das Hamminkelner Werk am Niederrhein schließen. Dort werden überwiegend Lkw-Bauteile hergestellt. Damit fallen dort 350 Stellen weg. Das Bocholter Werk mit knapp 500 Stellen bleibt als Teil der Johann Borgers GmbH erhalten. Über einen Sanierungsvertrag wurden auch Tarifentgeltverzichte mit dem Betriebsrat und der IG Metall vereinbart.

Die Unternehmensführung um den Chief Restructuring Officer Ralf Schmitz hatte auch bei der Schwestergesellschaft Borgers Süd Verhandlungen aufgenommen. Hier ist die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) eingebunden. Personalabbau ist nach JUVE-Informationen nicht avisiert, wohl aber ein finanzieller Verzicht der Belegschaft als Sanierungsbeitrag. Teil der Borgers-Gruppe ist auch die Maschinenbautochter Olbrich mit der R+S Technik, die hierzulande überwiegend in Maintal produziert. Dort dürften die Gespräche noch laufen.

Viele Beteiligte im Refinanzierungsprozess

Matthias Kampshoff

Matthias Kampshoff

Abgeschlossen hingegen sind die monatelangen Verhandlungsrunden mit den Banken und Abnehmern. In einem komplexen Abstimmungsprozess wurde der finanzielle Spielraum des Unternehmens neu ausgelotet. Außerdem gab es neue Absprachen zu den Abnahmekonditionen durch die OEMs und deren Investitionsbereitschaft in die Zuliefererkette. Diese finanzielle Restrukturierung ist zunächst zeitlich befristet, aber ein wichtiger Baustein im Gesamtsanierungsprozess.

Borgers wurde 1866 gegründet und stellt Polstermaterialien her, die vor allem der Lärmdämmung in Autos dienen. Produziert wird beispielsweise auch in Polen, Tschechien, China und den USA.

Bangen in der Zuliefererindustrie

Borgers ist nicht der einzige Zulieferer, der Absatzrückgänge in Folge der Dieselaffäre und mit der Wende hin zur E-Mobilität zu verbuchen hatte: So meldete die Böblinger Eisenmann-Gruppe mit etwa 3.000 Mitarbeitern im Juni Insolvenz an. Sie hatte im Frühjahr schon mit Dr. Michael Keppel als Chief Restructuring Officer einen Umbauprozess eingeleitet. Auch die Eigentümer des süddeutschen Automobilzulieferers Weber Automotive wählten den Weg zum Insolvenzrichter. Der ostdeutsche Automobilzulieferer IFA hingegen hatte sich jüngst mit seinen Gläubigern und Geschäftspartnern auf eine Sanierungsvereinbarung geeinigt.

Berater Borgers
Görg (Köln): Dr. Ralf Hottgenroth; Associate: Meganush Hambarsoomian (beide Arbeitsrecht)
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Matthias Kampshoff (Federführung; Restrukturierung), Dr. Oliver Lieth, Dustin Schwerdtfeger, Christoph Coenen, Dr. Oliver Hahnelt (beide Frankfurt), Adam Spiegel (Los Angeles), Anh Lee (Chicago; alle Finanzierung), Daniel von Brevern (Kartellrecht), Nina Siewert (Steuerrecht; Frankfurt), Darren Azman (Restrukturierung; New York), Dr. Marc Oberhardt (Restrukturierung); Associates: Dr. Benedikt Schulz, Ulrike Witt, Dr. Björn Bieh (München), Ravi Vohra (New York; alle Restrukturierung), David Schäfer, Marta Wrobel, Rosie Mist, Clare Baglin, Emma Jolley, Rosemary McSwine (alle fünf London), Stanislas Chenu (Paris), Michael Rostovtsev (Los Angeles; alle Finanzierung)
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Michael Dietrich, Maximilian Graf Zedtwitz von Arnim (beide Kartellrecht) − aus dem Markt bekannt

Berater Geschäftsführung Borgers-Tochtergesellschaften
Wellensiek (Frankfurt): Dr. Richard Scholz (Federführung; Insolvenzrecht), Prof. Dr. Markus Stadler (Steuerrecht; München), Friedrich Birnbreier, Dr. Daniel Wozniak (Nürnberg); Associate: Matthias Nierhaus (München; alle Insolvenzrecht)

Ulrich Klockenbrink

Ulrich Klockenbrink

Berater Konsortialbanken:
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Jörn Kowalewski, Dr. Ulrich Klockenbrink (beide Federführung; beide Restrukturierung), Sibylle Münch (Frankfurt), Vik Puri (Chicago), Jennifer Brenna (London), Etienne Gentil, Fernando Colomina (beide Paris; alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Dirk Kocher (Gesellschaftsrecht), Dr. Tobias Klass (Steuern); Associates: Dr. Jan-Philipp Praß, Anja Hornbostel (beide Restrukturierung), Martina Eisgruber, Kate Zhu, Christoph Rapp (alle drei Frankfurt), Gayle Grocke (Chicago), Luke Vaz, Chithra Rengamanner (beide London), Tristan Lemaire (Paris), Pablo Alarcon (Madrid; alle Bank- und Finanzrecht)
Clifford Chance (Prag): Miloš Felgr, Tomáš Richter, Andrzej Stosio (Warschau); Associate: Pavel Boguský (alle Bank- und Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt
Cederquist (Stockholm): Johan Lundberg; Associate: Sebastian Karlsson (beide Bank- und Finanzrecht) − aus dem Markt bekannt

Berater Bank Česká spořitelna 
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung), Verena Etzel (Finanzrecht; Frankfurt) − aus dem Markt bekannt

Berater Wertpapierbesitzer (ABS)
Baker & McKenzie (Frankfurt): Sandra Wittinghofer (Bank- und Finanzrecht) − aus dem Markt bekannt

Lars Westpfahl

Lars Westpfahl

Berater Volkswagen
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Lars Westpfahl; Associate: Dr. Hauke Sattler (beide Restrukturierung) − aus dem Markt bekannt

Berater IG Metall Bocholt
Inhouse Recht (Bocholt): Hans-Joachim Hebing − aus dem Markt bekannt

Berater IG Metall NRW
Inhouse Recht (Gelsenkirchen): Bernd Epping (Verhandlungsführer Bezirksleitung NRW) − aus dem Markt bekannt

Berater Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
Inhouse Recht (Augsburg): Jonas Lang (Gewerkschaftssekretär) − aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Soweit bekannt wurde McDermott schon im vergangenen Herbst mit der Refinanzierungs- und Restrukturierungsberatung betraut. Die US-Kanzlei steht dem Zulieferer schon lange in unterschiedlichen Belangen zur Seite und hat hierfür die internationalen Aspekte auch ihrer Büros in den USA, London und Paris einbezogen.

Die Verhandlungen mit den Geldgebern und Autobauern führte vornehmlich Partner Kampshoff. Schmitz zog nach JUVE-Informationen für die arbeitsrechtlichen Verhandlungen nicht nur die jeweiligen spartenverantwortichen Manager, sondern auch Görg-Partner Hottgenroth hinzu. Die beiden waren schon beim Textildiscounter NKD zusammen im Einsatz.

Latham – angeführt von einem Tandem aus Partner Kowalewski und Counsel Klockenbrink – beriet mit einem internationalen Restrukturierungs- und Finanzierungsteam hier das maßgebliche Bankenkonsortium. Leadpartner Kowalewski war im Sommer auch bei der Restrukturierung des ostdeutschen Zulieferer IFA für die Gläubigerseite dabei.

Clifford Chance stand einem Konsortium deutscher und tschechischer Banken in tschechischen und polnischen Rechtsfragen bei. Hinter Chinese Walls beriet nach Marktinformationen außerdem der Düsseldorfer Kartellrechtler Dietrich zu einzelnen Fragen. Er vertrat das Unternehmen vor einigen Jahren, als dieses als Kronzeuge in einem Bußgeldverfahren des Kartellamtes auftrat.

Freshfields beriet Volkswagen. Die Berater anderer beteiligter Automobilhersteller sind nicht bekannt.

Hans-Joachim Hebing, früher Rechtsschutzsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund und seit 2009 Erster Bevollmächtigter der Bocholter IG Metall, unterstützte hier den Betriebsrat in Abstimmung mit den Gewerkschaftsvertretern der jeweiligen Standorte. (Sonja Behrens)

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