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25.06.2020

Covid-19: EIB finanziert mit Noerr Therapieansätze einer Dentons-Mandantin

Das israelische Pharmaunternehmen Pluristem hat mit einer Finanzspritze von 50 Millionen Euro seine Forschungsaktivitäten gesichert. Die Mittel setzt es unter anderem dazu ein, Therapieansätze für schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 voranzutreiben. Kreditgeber ist die Europäische Investitionsbank (EIB).

Axel Schlieter

Axel Schlieter

Mit der EIB-Finanzierung geht das Unternehmen aus Haifa davon aus, dass die Forschung für 36 Monate gesichert ist. Die EIB stellt die Mittel über eine deutsche Pluristem-Tochter bereit und übermittelt sie in drei jährlichen Tranchen von 20 Millionen, 18 Millionen und 12 Millionen Euro. Auf diese Weise finanziert sie bis zu 50 Prozent der Kosten für eine Phase-II-Studie zum Einsatz einer plazentabasierten Zelltherapie bei Covid-19-Patienten. Neben Zinsen in Höhe von zwei bis vier Prozent steht der EIB auch eine Beteiligung an eventuellen Umsätzen der Jahre 2024 bis 2030 zu.

Garantien für die Finanzierung übernahm der Europäische Fonds für strategische Investitionen. Die gemeinsame Einrichtung von EIB und Europäischer Kommission unterstützte damit erstmals ein europäisch-israelisches Projekt.

Internationales Forschungsnetzwerk

Pluristem arbeitet an verschiedenen, neuartigen Medikamenten auf der Basis von Plazentazellen. Die Forschung konzentriert sich auf Arzneimittel zur Therapie schwerer Entzündungen und Infektionen, Muskelverletzungen und verminderter Durchblutung. Eine Zulassung steht für diese Produkte erst noch an. Bereits im März hatte das Unternehmen mit dem Berliner Universitätsklinikum Charité eine Vereinbarung geschlossen, die das Ziel hat, die Therapiemöglichkeiten mit Plazentazellen bei Covid-19-Patienten zu erforschen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2018/19 beschäftigte Pluristem 160 Angestellte in Vollzeit, davon 131 in der Pharmaforschung. 

Ende April standen dem Unternehmen Mittel in Höhe von 44 Millionen US-Dollar zur Verfügung – das sind umgerechnet rund 40,4 Millionen Euro. Allerdings beliefen sich allein die Forschungskosten im Geschäftsjahr 2018/19 auf 29,9 Millionen US-Dollar (27,4 Millionen Euro). Der Umsatz lag bei 54.000 Dollar (49.500 Euro).

Seit seiner Gründung 2001 bis Ende März 2020 lief bei Pluristem ein Defizit von 272 Millionen Dollar auf, umgerechnet knapp  250 Millionen Euro. Über eine Zwischengesellschaft in Nevada ist das Unternehmen an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq kotiert, auch an der Tel Aviver Börse besteht ein Listing.

Mit dem Abschluss der hiesigen Vereinbarung machten die EIB und die Israel Innovation Authority (IIA) zudem eine Kooperation öffentlich. Diese sieht gemeinsame Finanzierungen für Forschungsvorhaben vor.

Berater Pluristem
Dentons: Dr. Axel Schlieter (Düsseldorf), Dr. Arne Klüwer (Frankfurt; beide Federführung; beide Bank- und Finanzrecht)

Michael Schuhmacher

Michael Schuhmacher

Berater EIB
Noerr (Frankfurt): Michael Schuhmacher, Andreas Naujoks (beide Federführung); Associate: Dr. Dorian Legel (alle Bank- und Finanzrecht)
Snell & Wilmer (Las Vegas): Kade Miller (Corporate)
Herzog Fox & Neeman (Tel Aviv): Ben Kanter, Aviram Hazak (beide Corporate)

Hintergrund: Für Dentons kam das Pluristem-Mandat über Kontakte des Berliner Partners Voß zustande. Die Finanzierung für das Forschungsunternehmen handelten beide Seiten innerhalb weniger Wochen aus, weshalb für die Belange nach israelischem und US-Recht die internationale Kanzlei Sullivan & Worcester zum Einsatz kam. Deren Partnerin Reut Alfiah beriet Pluristem zuvor unter anderem bei Kapitalmarkt- und Finanzierungsmaßnahmen.

Die EIB mandatierte in den vergangenen Jahren bei Finanzierungen mehrfach Noerr, darunter 2017 bei der Refinanzierung des Windparks Butendiek in der Nordsee, die 950 Millionen Euro umfasste. In den Bereich Wachstumsfinanzierungen fielen zuletzt die Mittel für Egym aus München und Almotive aus Ungarn. In diese Mandate war der Salary-Partner Schuhmacher auch schon vor dem Wechsel des Finanzierungsrechtlers und früheren Equity-Partners Dr. Tom Beckerhoff zur Berenberg Bank eingebunden.

Noerr zog für kapitalmarktrechtliche Fragen in den USA die Kanzlei Snell & Wilmer hinzu, beide gehören zum weltweiten Lex Mundi-Netzwerk. Die US-Einheit unterhält zwölf Büros im Südwesten der USA sowie in Portland, Seattle und der Hauptstadt Washington. In Israel holte Noerr Herzog Fox & Neeman hinzu, die stark auf die Beratung ausländischer Mandanten spezialisiert ist. (Raphael Arnold)

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