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25.11.2020

Deutsche Kliniken: Capios Rückzug geht mit Covington und Heuking über die Bühne

Der schwedische Klinikbetreiber Capio verkauft sein Healthcare-Geschäft in Deutschland. Dazu zählen neun Krankenhäuser und acht dazugehörige medizinische Versorgungszentren (MVZ). Sechs der Kliniken sowie der deutsche Holdingbetrieb gehen an Bergman Clinics aus den Niederlanden. Ein privates Bieterkonsortium übernimmt die übrigen drei. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Oliver Treptow

Oliver Treptow

Capio war 2018 von der französischen Klinikkette Ramsay Générale de Santé übernommen worden. Nun entschloss sich das Unternehmen, das deutsche Geschäft zu veräußern. Mit den niederländischen Bergman Clinics betritt erneut ein ausländischer Klinikverbund den deutschen Markt. Das Unternehmen betreibt insgesamt rund 100 Kliniken in den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Norwegen, in denen jährlich mehr als 250.000 Patienten behandelt werden.

Zu den Kliniken, die Capio verkauft, zählen neben Allgemeinkrankenhäusern drei Spezialkliniken für Venenerkrankungen und eine Augenklinik. Insgesamt haben diese Einrichtungen eine Kapazität von rund 820 Betten und beschäftigen etwa 1.900 Mitarbeiter. Die acht MVZ werden mit den Krankenhäusern zusammen verkauft.

Die Transaktion war nicht die erste in diesem Jahr, bei dem mehrere Kliniken auf einmal den Eigentümer wechseln. Im Herbst 2019 gaben die Malteser bekannt, sechs ihrer acht Akutkrankenhäuser verkaufen zu wollen. Vier der Verkäufe sind mittlerweile abgeschlossen, zwei wurden wegen der Corona-Pandemie vorerst gestoppt. Damit herrscht im deutschen Krankenhausmarkt in diesem Jahr wieder mehr Bewegung, als in den Vorjahren.

Jörn Hirschmann

Jörn Hirschmann

Berater Bergman Clinics
Heuking Kühn Lüer Wojtek: Dr. Oliver Treptow (München), Dr. Pär Johansson (beide Federführung), Tim Remmel, Dr. Christoph Schork, Kristina Schneider (alle Köln), Dr. Ulrich Jork, Marcel Greubel (beide München; alle Corporate), Dr. Marc Scheunemann (Steuerrecht; Düsseldorf), Dr. Arnold Büssemaker (Restrukturierung; München), Astrid Wellhörner (München), Dr. Holger Lüders (Düsseldorf), Bernd Weller (Frankfurt; alle Arbeitsrecht), Dr. Reinhard Siegert (Kartellrecht; München), Mathis Dick (Immobilien- und Baurecht; Düsseldorf), Dr. Stefan Jöster, Dr. Jürgen Wolters (beide Versicherungsrecht; beide Köln), Kathrin Paulet (Immobilien- und Baurecht); Associates: Dr. Eylem Kaya (Healthcare; Düsseldorf), Laura Rilinger (Corporate; Köln), Stephanie Wurm, Nicole Lazar (beide München), Maren Rinkens (Düsseldorf), Dr. Christoph Gerhard, Monique Sandidge (beide Frankfurt; alle Arbeitsrecht), Dr. Ruth Schneider (Kartellrecht; München), Sandra Janberg (Immobilien- und Baurecht; Düsseldorf), Maike Hinz (IT/Datenschutz; Köln)
De Breij (Amsterdam): Dennis de Breij (Federführung), Maurice Dudink, Maureen Hovens, Paulien Alberts (alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Schönherr (Österreich): Christoph Haid (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Capio Deutsche Klinik/Ramsay Générale de Santé
Covington & Burling (Frankfurt): Dr. Jörn Hirschmann (Federführung; Corporate/M&A), Walter Born (Arbeitsrecht), Horst Henschen (Kartellrecht); Associate: Till Werner (Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Fulda): Dirk Holstein (General Counsel)
ETL Aucon (Stuttgart): Alfred Lein (Steuern) – aus dem Markt bekannt

Notare
Stephan Ulrich (Dr. Kind & Ulrich) – aus dem Markt bekannt  
Dr. Marc Hermanns (Hermanns Schumacher) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Heymann-Partner Hirschmann ist schon lange mit Capio vertraut: Er kennt General Counsel Holstein aus seiner Zeit bei der Klinikgruppe Asklepios, wo Hirschmann bis 2016 Compliance, Recht und M&A verantwortete. Mit seinem anschließenden Wechsel zur Kanzlei Heymann & Partner begann die Mandatsbeziehung zu Capio und er beriet den Konzern unter anderem beim Kauf der Bremer Augenklinik Universitätsallee. Heymann schloss sich Covington 2018 in Frankfurt an und Hirschmann führte die Zusammenarbeit mit Capio fort. Beim aktuellen Deal war Holstein, der das Unternehmen bereits seit vielen Jahren kennt, eng eingebunden.

Veranlasst durch eine Empfehlung, setzt der niederländische Konzern Bergman Clinics seit 2017 auf Heuking Kühn Lüer Wojtek. Die Kanzlei hat viele Krankenhäuser – wie die Uniklinik Bonn oder Sana Kliniken – unter ihren Mandanten, die sie unter anderem auch bei Transaktionen berät. Für den Kauf der sechs Capio-Kliniken und des Holdingbetriebs wurde ein großes, standortübergreifendes Heuking-Team unter Federführung der Corporate-Partner Treptow und Johansson für Bergman aktiv. Denn der Verkauf eines Teilgeschäfts aus einem großen Konzern wie Capio ist gerade im Healthcare-Sektor sehr komplex.

Heuking koordinierte die Transaktion gemeinsam mit der niederländischen Kanzlei De Breij, die Bergman Clinics dem Vernehmen nach regelmäßig berät. Schönherr-Partner Haid unterstützte zudem bei der Kartellanmeldung in Österreich. Sie war notwendig, weil eine der Kliniken in Laufen und somit in unmittelbarer Nähe der österreichischen Grenze liegt.

Das private Bieterkonsortium, das drei der neun Capio-Kliniken erwarb, beauftragte laut JUVE-Informationen keine externen Berater. (Johanna Heidrich)

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