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08.01.2004

Insolvenzkanzlei: Heftiger Streit führt zu Umbruch bei hww

Entscheidender Umbruch bei der erst vor kurzem entstandenen Insolvenzkanzlei hww Hess Wienberg Wilhelm: Ende des vergangenen Jahres hat der bisherige Namensgeber und ursprüngliche Kanzleigründer Dr. Harald Hess (61) die Sozietät verlassen und sich in Mainz und an weiteren Standorten als Hess & Partner selbstständig gemacht. Die Trennung erfolgte nur ein Jahr nach der Fusion der Hamburger Kanzlei Brandenburg & Wilhelm mit der Mainz-Dresdner Konstellation Hess, Wienberg, Freund & Partner. Hess teilte mit, er löse „wegen unüberwindlicher Differenzen in der strategischen Ausrichtung der Kanzlei die Partnerschaft mit hww auf“.

hww verliert damit die Kanzleistandorte in Mainz, Erfurt, Alzey und Bad Homburg, wo Hess & Partner zunächst mit den gesamten Büros alleine weiter macht. In Alzey (mit dem bisherigen hww-Partner Dr. Fritz Binz) und Bad Homburg (mit Partner Konrad Freund) wurden jedoch keine Verwaltungen betreut. In Mainz und Erfurt war man neben der Verwaltung auch als breiter aufgestellte Rechtsanwaltskanzlei insbesondere im insolvenznahen Arbeits- und Prozessrecht tätig. Da man bei der Gründung von hww ausschließlich auf das Insolvenzgeschäft gesetzt hatte, liegt in der jetzigen Trennung eine gewisse Konsequenz. Die Kanzlei, die nunmehr als hww Wienberg Wilhelm firmiert, bleibt mit 13 Insolvenzverwaltern auch weiterhin der nach Schultze & Braun zweitgrößte deutsche Akteur in diesem Bereich.

Zum Jahreswechsel eröffnete hww zudem mit dem Dresdner hww-Verwalter Henning Schorisch ein weiteres Büro in Nürnberg, so dass die Sozietät nunmehr bundesweit auf 14 Standorte kommt. Namensgeber Rüdiger Wienberg (43) kündigte darüber hinaus an, dass man kurzfristig auch eine erste ausländische Dependance in einem europäischen Land eröffnen wolle.

Der Neuaufstellung scheint allerdings ein heftiger Streit zwischen den alten Partnern Wienberg und Hess vorausgegangen zu sein. Hess bezeichnete gegenüber JUVE das Wachstum bei hww als risikobehaftet. „Diese strategischen Ziele sind nicht meine Art. Ich bin in den letzten 30 Jahren immer nur dann gewachsen, wenn die Arbeit da war und nicht vorher“, sagte Hess, der nach eigener Darstellung seinen ehemaligen Referendar Wienberg 1993 in die Partnerschaft aufgenommen hatte. Nun liegen sich die beiden in den Haaren. Gegen Hess wurde eine einstweilige Verfügung erlassen, mit dem Ziel, dass dieser sich keiner Rechte an dem Kürzel „hww“ berühmt. Zudem sei laut Hess die Mitarbeit von Wienberg an der dritten Auflage des Kommentars zur Insolvenzordnung unsicher, „bei der vierten Auflage wird Herr Wienberg nicht mehr dabei sein“. (Jörn Poppelbaum)

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