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23.04.2009

München: Siemens-Steuerchef geht zu WTS

Der Leiter der Siemens-Steuerabteilung Fritz Esterer wird zum Juli neuer Vorstandsvorsitzender der Münchner WTS World Tax Service AG Steuerberatungsgesellschaft. Nachfolger bei Siemens wird zum Juni Dr. Christian Kaeser, derzeit Leiter der strategischen Steuerplanung, wie ein Konzernsprecher bestätigte.
Esterer leitete seit 1996 die Konzernsteuerabteilung von Siemens und ist bereits Aufsichtsratsvorsitzender von WTS. Er genießt im Markt aufgrund seiner Kompetenz hohes Ansehen und ist stark steuerpolitisch engagiert.

WTS setzte in der Vergangenheit immer wieder auf erfahrene Inhouse-Steuerrechtler. 1999 als Ausgründung von Siemens entstanden, expandierte sie in den letzten Jahren stark. 2006 etwa gewann die an sechs inländischen und mit Tochtergesellschaften in China, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden international tätige Gesellschaft unter anderem den Konzernsteuerabteilungsleiter der HypoVereinsbank Lothar Härteis. 2008 stieß Christoph Möslein dazu, bis dahin Leiter des Zentralbereichs Steuern und Zölle der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte.

WTS beriet zunächst vor allem große Industriekonzerne und gewann 2007 unter anderem den MAN-Konzern als Mandanten, der seine Steuerabteilung auf WTS auslagerte. Inzwischen hat die Gesellschaft ihr Spektrum aber darüber hinaus erweitert. Im Geschäftsjahr 2008/09 erwirtschaftete WTS bei einem Umsatz von rund 39 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von etwa 3 Millionen Euro.

Der amtierende Vorstandsvorsitzende der WTS, Dr. Harald Treptow, scheidet aus Altersgründen von dem Posten. Er bleibt der Gesellschaft jedoch weiterhin freundschaftlich verbunden und wird künftig Sonderaufgaben übernehmen. „Dieses Vorgehen ist zwischen Herrn Esterer und mir seit Langem höchst einvernehmlich abgesprochen. Esterer ist mein absoluter Wunschkandidat als Nachfolger“, sagte Treptow.

WTS stellt derzeit einige Überlegungen bezüglich ihrer künftigen strategischen Ausrichtung an. Treptow bestätigte etwa Gespräche mit der Rölfspartner-Gruppe, zu deren Verbund auch die Anwaltskanzlei Aderhold v. Dalwigk Knüppel gehört. „Dabei handelt es sich keinesfalls um Fusionsgespräche. Wir wollen weiterhin auf die Steuerberatung konzentriert bleiben“, sagte Treptow. Gleichwohl spreche man weiter miteinander, um Fragen der Zusammenarbeit im steuerlichen Bereich auszuloten.

Zudem überlegt WTS neben dem Steuerberatungsgeschäft über WTS Law in die Rechtsberatung einzusteigen. Als Grund dafür nannte Treptow unter anderem die Entwicklungen bei den Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. In den vergangenen Jahren hatten sowohl KPMG und PricewaterhouseCoopers als auch Ernst & Young damit begonnen, ihre Rechtsberatungsarme neu aufzustellen, Deloitte arbeitet eng mit der Kanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff zusammen. Auch einen Zusammenschluss mit einer Anwaltskanzlei schloss Treptow nicht aus. Derzeit beschäftigt WTS rund 300 Mitarbeiter, darunter circa 20 Steuerrechtler. (Astrid Jatzkowski, Geertje Oldermann)

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