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24.07.2009

Erdbeben bei Redeker: Team um Mayen und Hölscher schließt sich Dolde an

Zwei der deutschlandweit führenden Regulierungsexperten, Prof. Dr. Thomas Mayen (51) und Dr. Frank Hölscher (45), verlassen voraussichtlich zum Jahresende die Bonner Traditionskanzlei Redeker Sellner Dahs & Widmaier. Sie schließen sich mit der öffentlich-rechtlichen Boutique Dolde & Partner aus Stuttgart zusammen und eröffnen ein Büro in Bonn. Die Sozietät wird unter Dolde Mayen & Partner firmieren. Zusammen mit Mayen und Hölscher wechseln drei Redeker-Associates aus dem Regulierungsteam, darunter Dr. Barbara Stamm (36), die als Partnerin in die neue Sozietät einsteigen wird. Auch der Umwelt- und Planungsrechtler Dr. Jens Wahlhäuser (33), bislang ebenfalls Associate bei Redeker, wechselt als Partner in die neue Einheit. Wahlhäuser hat Redeker bereits verlassen und ist ab September bei Dolde in Stuttgart tätig. Zum Startteam soll zudem ein weiterer Associate gehören, der sich auf Europarecht spezialisiert hat. Damit umfasst das Startteam in Bonn vier Partner und drei Associates.

„Wir haben uns aus fachlichen und strategischen Gründen dafür entschieden, in einer öffentlich-rechtlichen Boutique tätig zu sein“, sagte Mayen. „Eine kleinere Einheit ist viel flexiber und homogener, was uns die gemeinsame Entwicklung im Öffentlichen Recht ermöglicht.“

Redeker bedauerte die Entscheidung, sieht darin aber die logische Konsequenz unterschiedlicher strategischer Ausrichtungen: „Wir haben uns nie als öffentlich-rechtliche Boutique verstanden“, sagte Managing Partner Dr. Klaus Becker. „Die Marke Redeker steht viel mehr für eine breit aufgestellte Sozietät, die von vielen Bereichen, die eng miteinander zusammenarbeiten, getragen wird.“

In anderen Bereichen bleibt der Sozietät ihr starkes Standbein im Öffentlichen Recht erhalten. Zudem befinde sich Redeker weiter auf Expansionskurs. „Das zeigt sich unter anderem im Ausbau verschiedener Arbeitsgruppen, für die verstärkt nach qualifiziertem Nachwuchs gesucht wird“, so Becker. Das schließe gegebenenfalls auch neue Standorte mit ein.

Die personell geschrumpfte Regulierungsberatung stellt Redeker auf neue Füße. So hat in Voraussicht des angekündigten Wechsels bereits eine interne Umstrukturierung stattgefunden: Unter anderem führt nun Dr. Stephan Gerstner die in Berlin, Brüssel und Bonn angesiedelten Regulierungspraxis. Gerstner ist bislang vor allem für seine Tätigkeit im Bahn- und Postsektor bekannt, die Arbeit der Gruppe soll sich aber auch in Zukunft auf die bislang vornehmlich von Mayen und Hölscher besetzten Gebiete Telekommunikation und Energie erstrecken.

Mayen und Hölscher sind im Markt vor allem für ihre langjährige Regulierungsarbeit für die Deutsche Telekom bekannt, für die sie über die Jahre kontinuierlich in entscheidenden Regulierungsverfahren tätig waren. Die Partner gehen davon aus, dass sie ihre zentrale Mandantin auch in der neuen Einheit betreuen werden. Aufgrund der regulatorischen Entwicklungen im Energiemarkt hat vor allem Mayen in den vergangenen Jahren seine Regulierungsexpertise auch auf die Energiebranche übertragen. Dort ist er etwa für die Thüga Energienetze in zahlreichen Verfahren im Zusammenhang mit Entgelt- und Anreizregulierung involviert. Auch E.on Gastransport und E.on Ruhrgas Nordstream gehören zu seinen Mandanten.

„Wir ergänzen uns sehr gut. Das Team bringt zum Beispiel Mandanten mit, für die auch wir schon tätig sind“, sagte Dolde-Gründungspartner Prof. Dr. Klaus-Peter Dolde. Die bislang sechs Partner starke Boutique war im September 1998 als Spin-off der heutigen Kanzlei Oppenländer entstanden und hat sich seitdem als feste Größe im Beratermarkt etabliert. Dolde ist vor allem im Öffentlichen Umwelt- und Planungsrecht sowie Vergaberecht tätig. Insbesondere Namenspartner Dolde ist aber auch immer wieder in großen verwaltungs- und verfassungsrechtlichen Verfahren zu sehen. Die Kanzlei gilt als sehr stabile Einheit, die grundsätzlich auf eine eher vorsichtige Personalpolitik setzt. Im vergangenen Jahr allerdings überraschte Dolde bereits mit der Aufnahme von Immobilienrechtler Dr. Bernd Schieferdecker von Gleiss Lutz. Mit der Fusion in Bonn verdoppelt sich nun ihre Kopfstärke auf einen Schlag.

Stuttgart bleibt das Zentrum der planungs- und vergaberechtlichen Beratung. Synergien zur Regulierungsberatung in Bonn sollen sich zunächst vor allem bei Projekten im Energiesektor ergeben – hier ist Dolde bereits seit geraumer Zeit regelmäßig für EnBW tätig.

Für Redeker ist der Weggang des Teams nicht nur deshalb ein besonders schwerer Schlag, weil sie die zentralen Köpfe der Regulierungspraxis verliert, für die sie im Markt hoch anerkannt ist. Schon die Tatsache, dass bei Redeker überhaupt Partner die Sozietät verlassen, ist sehr ungewöhnlich. Die Kanzlei galt bislang – nicht zuletzt wegen des Konsens-Prinzips bei allen wesentlichen Entscheidungen – als sehr geschlossene Partnerschaft. Der letzte Verlust auf Partnerebene liegt knapp drei Jahre zurück: Im Juli 2006 war Immobilienrechtler Dietmar Mampel in das Düsseldorfer Büro von Taylor Wessing gewechselt. In der Zwischenzeit kam mit Dr. Tobias Masing im April 2008 im Öffentlichen Recht ein Quereinsteiger von White & Case hinzu. Dass nun ein ganzes Team die Kanzlei verlässt, ist neu für Redeker.

Wettbewerber munkelten schon eine ganze Weile über einschneidende personelle Veränderungen bei Redeker. „Wir sind uns mit Dolde seit dem vergangenen Jahr einig“, bestätigte Mayen im Nachhinein diese Gerüchte.

Dass die Anwälte bereits Ende Juni gekündigt haben, aber erst zum Jahresende fristgerecht ausscheiden, deutet darauf hin, dass ein Aufhebungsvertrag hier nicht zustande gekommen ist. (Ulrike Barth, Simone Bocksrocker)

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