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22.10.2009

Frankfurt: Salger wächst mit zwei Partnern von Allen & Overy

Der Prozessexperte Dr. Carsten Salger (50) und die Arbeitsrechtlerin Dr. Anja Breitfeld (44) werden Allen & Overy verlassen und als Equity-Partner bei der Frankfurter Sozietät Salger einsteigen. Beide Partner scheiden Ende April 2010 aus. Wie viele Mitarbeiter ihnen folgen werden, ist bislang nicht bekannt.Mit den Weggängen verliert Allen & Overy die jeweiligen Leiter ihrer deutschen Prozess- und Arbeitsrechtspraxis. Salger und Breitfeld gehörten im Jahr 2000 einer Abspaltung von Schilling Zutt & Anschütz an, die sich dem Frankfurter Büro der britischen Kanzlei angeschlossen hatte.

Die Wechsel kommen für Beobachter überraschend. Im Zuge der Wirtschaftskrise hatte Carsten Salger seinen Ruf als erfahrener Prozessvertreter von Banken weiter untermauert. Breitfeld hatte ihre eigene Kanzlei zuletzt in einem arbeitsrechtlichen Verfahren gegen eine Counsel aus dem Frankfurter Büro vertreten, die auf Wiedereinstellung geklagt hat (mehr…).

„Meine Mandanten stellen zunehmend hohe Anforderungen an Partnerpräsenz, Mitarbeitereffizienz und Flexibilität – nicht nur bei den Kosten. Außerhalb der Strukturen einer multinationalen Großsozietät lässt sich dem nach meinem Dafürhalten leichter entsprechen“, sagte Salger über den Entschluss, in die Kanzlei seines Bruders zu wechseln. Der 50-Jährige verantwortete seit einigen Jahren die Ausrichtung des Fachbereichs Konfliktlösung bei Allen & Overy. Salger vertritt unter anderem zahlreiche Großbanken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, bei der Abwehr von Anlegerklagen, strittigen Finanzierungen und gegenüber den Ansprüchen von Insolvenzverwaltern.

Breitfeld berät im Individualarbeitsrecht sowie zu Fragen des Tarif- und Betriebsverfassungsrechts. Sie vertritt Mandanten dabei sowohl vor Gericht als auch in Verhandlungen mit Betriebsräten oder Gewerkschaften und betreut daneben auch arbeitsrechtliche Aspekten bei Transaktionen. Zuletzt war sie etwa Teil des Allen & Overy-Teams, das Essex Pharma bei der Integration von Organon Bioscience beriet.

In Deutschland ist Allen & Overy im Arbeitsrecht seit Jahren bemüht, ein ähnliches Ansehen wie die internationale Praxisgruppe zu erreichen, die über 180 Anwälte zählt. In Deutschland sind in der Praxisgruppe bisher außer Breitfeld nur eine Counsel und fünf Associates in Frankfurt und Hamburg tätig. Nach dem Einbruch des transaktionsbegleitenden Geschäfts war die deutsche Arbeitsrechtspraxis vor allem in Prozessen und Restrukturierungen eingebunden, für den Markt dabei bislang aber eher unauffällig geblieben.

„Ich möchte die Mandatsarbeit nicht immer weiter zu Gunsten mandatsferner Aufgaben zurückstellen, wie sie bei Partnern einer internationalen Großkanzlei mittlerweile beachtlichen Raum einnehmen“, sagte Breitfeld. „Eine partnerschaftlich organisierte Sozietät wie Salger Rechtsanwälte ist für mich und mein Team geradezu ideal, um effizient auf qualitativ hohem Niveau Mandatsarbeit zu leisten.“ Bei Salger wird Breitfeld die erste Equity-Partnerin im Arbeitsrecht, bislang verantwortete der Salary-Partner Dr. Marco Wenderoth diesen Bereich.

Salger setzt mit der Bekanntgabe der beiden Partnerzugänge von Allen & Overy ihren aktuellen Expansionskurs fort. Erst im September war der Medienrechtler Heinz-Werner Ehlgen nach 20 Jahren bei Büsing Müffelmann & Theye hinzugestoßen (mehr…).

Prof. Dr. Hanns-Christian Salger hatte die Kanzlei 2004 gegründet, die dann zügig wuchs und in Frankfurt insbesondere als interessante Alternative für international erfahrene Partner aus Großkanzleien galt. Doch seitdem im Sommer 2005 ein fünfköpfiges Team zu Schiedermair wechselte, war es ruhiger geworden um die Kanzlei. Mit den Neuzugängen sind künftig fünf Equity-Partner, drei Salary-Partner und drei Associates für Salger tätig. (Marcus Jung, Christopher Tod)

Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 21. Oktober 2009

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