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18.12.2009

Formwechsel: Noerr geht als LLP ins neue Jahr

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Tobias Bürgers

Zum 31. Dezember ändert Nörr Stiefenhofer Lutz ihre Rechtsform von einer Partnerschaftsgesellschaft in eine britische Limited Liability Partnership (LLP). Gleichzeitig verkürzt die Sozietät ihren Namen auf Noerr. Soweit bekannt ist Noerr damit die erste deutsche Großkanzlei, die diesen Wechsel vollzieht.

Nicht zur LLP gehören allerdings die Noerr Consulting AG (vorher NSL Consulting) , die Noerr AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, die Noerr Finance & Tax S.R.L. in Rumänien (früher THI) sowie die sieben osteuropäischen Büros. Letztere behalten ihre länderspezifischen Rechtsformen bei. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, die mit finanzieller Beratung befasst sind und bislang Partner der Partnerschaftsgesellschaft waren, werden auch künftig Miglieder der LLP sein.

„Mehr als ein Drittel unseres Geschäfts erwirtschaften wir mit ausländischen Mandanten. Die deutsche Partnerschaftsgesellschaft ist im Ausland nicht durchgesetzt, insofern war diese Rechtsform nicht mehr stimmig mit unserer Geschäftsentwicklung“, sagte Dr. Tobias Bürgers, einer der beiden Sprecher von Noerr. Während Nörr Stiefenhofer Lutz in der Partnerschaftsgesellschaft zuletzt 82 Equity-Partner zählte, hat sich die Zahl der Partner in der Noerr LLP um zehn Mitglieder verringert. Die Differenz ergibt sich aus Partnern, die ausschließlich im Ausland tätig sind, beziehungsweise solchen Partnern, die aus Altersgründen aus der Noerr LLP ausgeschieden sind.

Für den Wechsel in eine LLP spielt bei den meisten Kanzleien zudem die verbesserte Haftungssituation gegenüber der Partnerschaftsgesellschaft eine wichtige Rolle. Haften in der Partnerschaftsgesellschaft alle Partner aus dem Mandatsverhältnis, ist bei der LLP nur die Gesellschaft haftbar – ähnlich wie bei der GmbH. Auch bei Noerr hatte dies Auswirkungen auf die Entscheidung: „Mit der LLP lassen sich Haftungsfragen und steuerliche Konzepte einer Personengesellschaft am besten mit dem für uns wichtigsten Punkt Internationalität verbinden“, so Bürgers. 

Seit rund einem Jahr arbeitet Noerr an der Umstellung ihrer Rechtsform. Den Beschluss für die LLP haben die Partner nun am Ende dieser Phase einstimmig gefasst. Den Wechselprozess haben die Noerr-Partner selbst begleitet, für den LLP-Vertrag hat sich die Partnerschaft in Großbritannien externen Rechtsrat geholt.

Mit der neuen Rechtsform und dem verkürzten Namen ergeben sich zudem Veränderungen strategischer Natur. „Umwandlung und Rebranding stehen in engem Zusammenhang mit der Aktualisierung unserer Strategie. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen“, sagte Bürgers. Fest stehe jedoch, dass sich die Kanzlei trotz ihres Full Service-Ansatzes stärker fokussieren werde. Dazu will Noerr die Bereiche Corporate, Prozessführung und Regulierung noch mehr verfolgen als in der Vergangenheit.

Zudem sollen mehr rechtsgebietsübergreifende Teams für Beratungsgebiete und Zielgruppen gebildet werden als bislang. „Wir fokussieren unseren Full Service-Ansatz. Dabei müssen wir uns noch stärker spezialisieren. Deshalb werden wir in Zukunft bestimmte Felder nicht mehr so stark weiterentwickeln wie bisher“, so Bürgers weiter. Welche das sein werden, ließ er noch offen.

Auch die Karrierestufen Senior Professional und Senior Counsel werden sich ändern. Erstere sind auf dem Partnertrack und haben damit einen mit Salary-Partnern anderer Kanzleien vergleichbaren Status. Künftig nennen sich diese Anwälte Associated Partner. Senior Counsel dagegen sind dauerhaft angestellt. Sie treten mit der LLP-Umwandlung künftig als Partner auf, sind allerdings keine Mitglieder der LLP. Bei Noerr in Deutschland arbeiten derzeit vier Senior Counsel. (Simone Bocksrocker)

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