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28.05.2010

Compliance: Bosch besetzt zentrale Positionen neu

Der Stuttgarter Automobilzulieferer und Technikkonzern Robert Bosch GmbH hat wichtige Stellen seiner Compliance-Abteilung personell neu besetzt. Seit April leitet Dr. Susanne Jochheim (44) das Compliance Office des Konzerns, das eine zentrale Rolle bei der weltweiten Koordination der Compliance-Belange des Unternehmens spielt.

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Susanne Jochheim

Offiziell unterstützt das Office das Compliance Committee des weltgrößten Automobilzulieferers, in dem die Grundsatzentscheidungen fallen. Das Committee, das direkt an die Geschäftsführung berichtet, besteht indes aus nur zwei Personen, dem Rechtsabteilungsleiter Dr. Heiko Carrie und dem Chef der Revisionsabteilung. Daher liegt die wesentliche Koordination des Themas Compliance im Office. Weltweit sind für Bosch dabei etwa 35 Compliance Officers im Einsatz, zum Teil haupt-, zum Teil nebenamtlich.

Jochheims Team im Compliance Office besteht aus vier Mitarbeitern, von denen auch zwei weitere erst seit Kurzem dabei sind: Neben der Arbeitsrechtlerin Jochheim sind dies Dr. Joachim Mayer und Dr. Wolfgang Kübler. Sie rückten nach, als Dr. Lutz Kniprath, zuvor stellvertretender Leiter, zum April zur Kanzlei Grooterhorst wechselte. Mayer, jetzt Stellvertreter von Jochheim, ist Strafrechtler. Kübler war bereits in den Aufbau des Compliance-Systems involviert und kehrte aus der Rechtsabteilung in Indien an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Jochheim selbst ist schon seit mehr als einem Jahrzehnt in unterschiedlichen Funktionen für Bosch tätig. 1996 stieg sie bei dem Unternehmen in der Arbeitsrechtsabteilung ein. Für einige Jahre leitete sie das Berliner Verbindungsbüro des Konzerns, bevor sie schließlich Personalleiterin wurde. Von dort wechselte sie nun in das Compliance-Team. „Auf Dauer war die Personalarbeit mir zu wenig juristisch, auch wenn ich sie sehr gerne gemacht habe“, sagte Jochheim. In der Compliance-Arbeit sieht sie größere Möglichkeiten mitzugestalten.

Vor allem ihre Erfahrung aus der Zeit im Berliner Verbindungsbüro will Jochheim einbringen: „Compliance ist ein Thema, das im Fluss ist und dabei immer stärker in den Fokus rückt. Die Weiterentwicklung dieses Themas möchte ich nicht nur intern begleiten.“ Vielmehr will sie sich für das Unternehmen auch in allgemeinere politische und juristische Debatten um die Compliance einbringen.

Andererseits hat Bosch keine Pläne, die subsidiäre Grundstruktur des Compliance-Systems anzutasten. Danach sind zuallererst die einzelnen Fachabteilungen dafür verantwortlich, in ihrem Bereich spezifische Regelwerke zu entwickeln und Risikovorsorge zu betreiben.

Bosch hatte sich in Sachen Compliance lange allein auf seine Unternehmenskultur verlassen und stand auch unter keinerlei äußerem Druck, eine Compliance-Struktur zu entwickeln – ganz anders als andere Unternehmen, die aufgrund akuter Krisenlagen handelten, wie etwa Siemens.

Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 implementierte Bosch einen Code of Conduct. Seinerzeit maßgeblich beteiligt war Andreas Reuter, bis vor Kurzem Leiter des Compliance Committee Office und heute unter anderem für die weltweite juristische Koordination der Themen Produkthaftung und -risiko zuständig.

Für Bosch arbeiten in weltweit mehr als 60 Ländern gut 270.000 Mitarbeiter. (Astrid Jatzkowski)


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