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22.11.2011

Absage: Gleiss sagt Nein zu Fusion mit Herbert Smith

Gleiss Lutz wird keine Fusionsgespräche mit der englischen Kanzlei Herbert Smith aufnehmen. Dies entschied die Kanzlei am Wochenende mit klarem Votum auf ihrer Partnerversammlung. Herbert Smith hatte ihren langjährigen Alliance-Partnern Gleiss Lutz und der niederländischen Sozietät Stibbe vorgeschlagen, zu fusionieren.

Rainer Loges

Bereits bei Gründung der Alliance im Jahr 2000 hatten viele Gleiss-Anwälte gedacht, dass eine Fusion auf längere Sicht eine natürliche Entwicklung sein könnte. Vor wenigen Jahren gab es unter den Alliance-Partnern dann auch Überlegungen in diese Richtung. Diese wurden aber nicht weiter konkretisiert, statt dessen blieb es bei einer nicht-exklusiven, aber sehr engen Zusammenarbeit der drei Kanzleien. Jetzt waren bei Herbert Smith im Rahmen ihrer unter dem Namen ‚Blue Sky‘ laufenden internen Restrukturierung sowie ihrer internationalen Expansionspläne wieder Fusionsbestrebungen aufgekommen.

Die klare Fusionsabsage von Gleiss stellt die lange Beziehung der Alliance-Partner nun vor die bisher wohl größte Belastungsprobe. Ob sie dem standhalten wird, scheint derzeit zumindest fraglich. Ein deutliches Abkühlen der bisher intensiven Zusammenarbeit oder sogar ein Ende der Allianz sei mittelfristig durchaus realistisch, so Stimmen bei Gleiss.

Die Entscheidung der Gleiss-Partnerschaft fiel sehr deutlich aus: Mehr als drei Viertel der Partner sollen sich gegen Fusionsverhandlungen ausgesprochen haben. Unter den Befürwortern sollen vor allem jüngere Partner gewesen sein, so ein Gleiss-Partner. Gleiss hatte im Vorfeld der Entscheidung unter anderem auch Mandanten befragt. Diese unterscheiden demnach nicht zwischen der Arbeit mit den Alliance-Kanzleien Herbert Smith sowie Stibbe und der Arbeit mit informellen Netzwerk-Partnern von Gleiss wie etwa Schönherr in Österreich und Osteuropa sowie Vinge in Schweden.

„Wir schätzen die Zusammenarbeit mit Herbert Smith und Stibbe nach wie vor“, sagte Dr. Rainer Loges, Managing-Partner von Gleiss Lutz. „Wir waren aber bisher als unabhängige Kanzlei sehr erfolgreich und werden das weiterhin sein. So können wir am besten die Werte und Arbeitsweise bewahren, die unsere Mandanten und Mitarbeiter an Gleiss Lutz so schätzen.“ Und weiter: „Gleiss Lutz starke internationale Praxis stützt sich auf vielfältige Beziehungen zu führenden Kanzleien in aller Welt, so dass unsere Mandanten uneingeschränkt auf nahtlosen Service rund um den Globus vertrauen können.“

Mit ihrer Absage von Fusionsgesprächen hat Gleiss darüber hinaus unter anderem auch ein klares Bekenntnis gegen eigene Auslandsbüros abgegeben. Anders als Herbert Smith, die laut einem Gleiss-Partner beispielsweise gerne auch in New York mit einem eigenen Büro präsent sein möchte, will Gleiss demnach weiter auf enge Best-Friends-Beziehungen vor Ort setzen. (René Bender)

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