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04.01.2012

Neustart: Ex-Metro-Rechtschef und langjähriger Allen & Overy-Partner gründen Servicefirma

Mit einer ungewöhnlichen Idee sind seit Jahresbeginn die erfahrenen Wirtschaftsanwälte Dr. Rolf Giebeler und Dr. Reinhard Hermes am Markt. Die beiden 54-Jährigen wollen Unternehmen bei Auswahl und Management externer Rechtsberater unterstützen, vor allem bei Transaktionen.

Rolf Giebeler

Rolf Giebeler

Sie firmieren als Hermes & Giebeler Legal Solutions. Gesellschaftsrechtler Giebeler war zwölf Jahre lang Partner bei Clifford Chance. 2005 wechselte er dann als General Counsel zur Metro AG (mehr…) in Düsseldorf. Bei dem Handelskonzern war er auch Chief Compliance Officer, bis er sich vor gut einem Jahr entschloss, andere Wege zu gehen (mehr…). Giebeler ist von Bonn aus tätig.

M&A-Anwalt Hermes war nach Stationen bei Morgan Lewis & Bockius und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton elf Jahre lang Partner bei Allen & Overy in Frankfurt. Mitte 2009 wechselte er dann zu Oppenhoff & Partner nach Köln (mehr…). Anfang 2011gründete er schließlich seine eigene Kanzlei und berät seitdem bei M&A-Transaktionen, wobei er seine Rolle aber nicht nur als klassischer Rechtsberater versteht (mehr…). Hermes arbeitet von Frankfurt aus.

Das Geschäftsmodell der beiden steht auf drei Säulen: Hermes wird seine M&A-Tätigkeit fortsetzen und Giebeler will sich der Corporate-Governance- und Compliance-Beratung widmen. Im Fokus sollen dabei nicht nur rechtliche Themen, insbesondere Aspekte der Organhaftung, sondern auch strukturell-organisatorische Fragen stehen.

Reinhard Hermes

Reinhard Hermes

Die dritte Säule bildet das Management von Kanzleien. „Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmen bei Transaktionen nicht die für sie individuell beste Kanzlei beauftragen“, sagte Giebeler. Der Hauptgrund dafür sei, dass den Unternehmen oft die Erfahrung mit M&A-Transaktionen fehle.

Im Visier haben er und Hermes vor allem Unternehmer und Unternehmen ohne oder mit nur kleiner Rechtsabteilung. Aber auch Finanzinvestoren, die interne Rechtskompetenz oft nur an ihrem jeweiligen Hauptsitz vorhalten, sehen Giebeler und Hermes als potenzielle Mandanten. Oft hätten zudem auch gut aufgestellte Rechtsabteilungen nicht die Ressourcen, sich unmittelbar vor oder während einer Transaktion intensiv um das Kanzleimanagement zu kümmern.

Das Duo will Unternehmen oder Rechtsabteilungen entsprechend während des gesamten Transaktionsprozesses vom Auswahlverfahren bis zur Rechnungsprüfung beraten und unterstützen. „Als Externe können wir die Abläufe sachlicher sehen und auch leichter schwierige Gespräche über Mandatsbedingungen und Honorare führen“, so Hermes. Als Preisdrückerei wollen sie ihre Arbeit aber nicht verstanden wissen: „Es geht darum, die Kosteneffizienz zu erhöhen, etwa dadurch, dass im Vorfeld anhand einer strukturierten Matrix geklärt ist, was genau nötig ist, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen“, so Giebeler.

Sie selbst wollen nicht nach Stunden abrechnen, sondern neben einem Basishonorar auf eine wertorientierte Vergütung setzen. Soweit bekannt, gibt es ein derartiges Dienstleistungsangebot in Deutschland bislang nicht. Es dürfte aber einen Nerv treffen: Viele Rechtsabteilungen gestalten das Management externer Berater deutlich straffer und mit entsprechend mehr Aufwand als noch vor wenigen Jahren. (Astrid Jatzkowski)

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