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04.07.2012

Überraschungs-Coup: ThyssenKrupp holt Rechtschef der Deutschen Bank

Arne Wittig, langjähriger Chefjurist der Deutschen Bank in Frankfurt, wird neuer General Counsel bei ThyssenKrupp. Der 50-Jährige übernimmt den rechtlichen Teil der Aufgaben, die bis zum Juni Dr. Thomas Kremer inne hatte. Die Compliance-Abteilung wird vom Rechtsressort getrennt und künftig von Dr. Christoph Klahold (41) geleitet.

Arne Wittig

Arne Wittig

Schon länger war bekannt, dass es nach dem Wechsel Kremers in den Vorstand der Deutschen Telekom zu einer Trennung der beiden Abteilungen kommen wird. Während Klahold, der seit 2000 bei ThyssenKrupp ist und maßgeblich am Aufbau der Compliance-Struktur beteiligt war, als neuer Chief Compliance Officer bereits seit Längerem feststand, hatte sich die Entscheidung für Wittig länger hingezogen. Neben einer externen soll zunächst auch eine interne Besetzung in Erwägung gezogen worden sein.

Wittig ist ein Deutsche Bank-Urgestein. Seit den 1990er-Jahren bei der Bank als Syndikus tätig, wurde er 2004 General Counsel für die Region Deutschland, Mittel- und Osteuropa. 2007 übernahm er zusätzlich die Aufgabe des General Counsel to the Management Board.

Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass es im Rechtsbereich der Deutschen Bank Veränderungen geben wird. Im Vorstand verantwortet künftig Stephan Leithner den Rechtsbereich und der in den USA ansässige General Counsel Richard Walker rückt ins Group Executive Committee (mehr…). Damit zeichnete sich nach dem Ende der Ära Josef Ackermann eine deutliche Machtverschiebung nicht nur im Vorstand, sondern auch in der Rechtsfunktion ab.

Bei ThyssenKrupp wird Wittig ein Team von weltweit weit mehr als 100 Juristen leiten. Allein in der Zentrale sind, soweit bekannt, mehr als 60 Juristen tätig. Wittig sieht sich zu seinem Amtsantritt, der voraussichtlich zum neuen Geschäftsjahr erfolgt, mit einer ähnlichen Situation konfrontiert wie sein Vorgänger Kremer bei der Deutschen Telekom: Beide stoßen in schwierigen Zeiten zu ihren jeweiligen neuen Arbeitgebern. ThyssenKrupp steckt in einer Umbauphase. Jüngsten Medienberichten zufolge soll der Konzern angeblich über Kurzarbeit nachdenken. Der Neubau einer Niederlassung in Berlin wurde abgesagt, der Verkauf unter anderem eines brasilianischen Stahlwerks läuft auf Hochtouren.

Bei der Deutschen Bank wird Wittigs bisheriger Stellvertreter Dr. Mathias Otto aufrücken. Otto ist seit mehr als 20 Jahren bei der Bank tätig und war seit 2007 der zweite Mann hinter Wittig. Die Entscheidung ist zunächst als Interimslösung angelegt. (Astrid Jatzkowski)

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