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28.05.2013

Schutzschirm: Suhrkamp-Verlag mit Gleiss Lutz und Kebekus zum Insolvenzgericht

Der Suhrkamp-Verlag hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beantragt. Dieses sogenannte Schutzschirmverfahren gibt dem Verlag die Möglichkeit, mit eigenständiger Geschäftsführung unter der Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung abzuwenden. Die federführenden Berater des Verlags sind der Gesellschaftsrechtler Dr. Jörn Wöbke und der Restrukturierungsexperte Dr. Andreas Spahlinger von Gleiss Lutz.

Andreas Spahlinger

Andreas Spahlinger

Gleiss Lutz hatte den Verlag bereits im Prozess um den Bilanzgewinn für das Jahr 2010 vertreten. In dieser Auseinandersetzung vor dem Landgericht Frankfurt am Main hatte der Minderheitsgesellschafter, die Medienholding von Hans Barlach, mit Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank (damals noch unter der Firmierung Löhde Leo Schmidt-Hollburg & Witte) erfolgreich die Auszahlung von 2,18 Millionen Euro erstritten (mehr …). Diese Forderung könnte ein wichtiges Argument gewesen sein, um vor dem Insolvenzgericht die drohende Zahlungsunfähigkeit zu rechtfertigen.

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Rolf Rattunde

Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Prof. Rolf Rattunde von der Berliner Kanzlei Leonhardt. Als Generalbevollmächtigten berief die Suhrkamp-Geschäftsführung Dr. Frank Kebekus von Kebekus & Zimmermann in Düsseldorf. Rattunde und Kebekus zählen zu den führenden Insolvenzverwaltern Deutschlands und haben die neuen Rollen, die 2012 mit der Reform der Insolvenzordnung entstanden sind, schon häufiger übernommen. Rattunde ist zum Beispiel gegenwärtig als Sachwalter in dem Verfahren über die Immobiliengesellschaft WGF tätig, Kebekus war 2012 unter anderem Restrukturierungsbeauftragter der Heitkamp Bau-Holding.

Das Schutzschirmverfahren nach Paragraf 270b steht erst seit gut einem Jahr in der Insolvenzordnung. Mit der ESUG-Reform wollte der Gesetzgeber kriselnden Unternehmen die Chance bieten, sich frühzeitig um eine Sanierung zu kümmern, ohne die Kontrolle an einen regulären, starken Insolvenzverwalter zu verlieren. Der Schutzschirm kommt dem in Deutschland viel zitierten Gläubigerschutz des US-Insolvenzrechts nach Chapter 11 am nächsten. Allerdings ist mit der Genehmigung eines 270b-Verfahrens auch die Auflage verbunden, nach höchstens drei Monaten einen Insolvenzplan vorzulegen. Mit einem solchen Plan, der zwischen den Beteiligten auszuhandeln ist, kann auch in die Rechte von Anteilsinhabern eingegriffen werden, etwa indem die Forderungen von Gläubigern in Anteile umgewandelt werden (Debt-Equity-Swap). (Markus Lembeck)

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