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17.10.2013

Wölbern-Affäre: Medizinfirmen rutschen in die Pleite, Münzel & Böhm stellt Verwalter

Die Untreue-Affäre um Heinrich Schulte, den derzeit inhaftierten Chef des Fondshauses Wölbern Invest, weitet sich aus. Sechs Gesellschaften des Medizinverbunds Endokrinologikum mussten jetzt Insolvenz anmelden, mindestens 685 Mitarbeiter sind davon betroffen. Maßgebliche Ursache für die Pleite sei, so der vorläufige Insolvenzverwalters Gideon Böhm von der Sozietät Münzel & Böhm, dass Medizinprofessor Schulte mit seinem Privatvermögen für die Finanzierung von Investitionen des Medizinunternehmens gebürgt habe.

Gideon Böhm

Schulte ist unter anderem Hauptgesellschafter der Medivison-Holding, welche Endokrinologikum übergeordnet ist. Sein Privatvermögen ist bereits vor Wochen eingefroren worden. Zudem wurde Schulte wegen Fluchtgefahr verhaftet. JUVE-Recherchen zufolge holte er zwischenzeitlich als Strafverteidiger Wolf Römmig aus der gleichnamigen Sozietät hinzu. Zudem steht ihm sein langjähriger Vertrauter Dr. Eric Hirsch zur Seite. Hirsch ist zwar kein Strafrechtler, kennt aber neben Schulte als Ex-Vorstandschef auch das Firmengeflecht von Wölbern bestens. Neben Schulte wird noch ein weiterer Geschäftsführer der Wölbern-Immobilienfonds beschuldigt. An seiner Seite soll der bekannte Hamburger Strafrechtler Ottmar Kury stehen.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte nach einer Strafanzeige schon seit Anfang 2012 ermittelt. Nach JUVE-Informationen stellte sie die Ermittlungen aber noch im selben Jahr wieder ein und nahm sie nur aufgrund einer Beschwerde unter einem anderen Staatsanwalt wieder auf. Im Falle einer Verurteilung drohen Schulte nun 15 Jahre Haft.

Auch Zivilklagen anhängig
Darüber hinaus beschäftigte der Komplex um Wölbern Invest schon seit Jahren eine ganze Reihe vor allem Hamburger Anwälte. So laufen etwa auch mehrere zivilrechtliche Verfahren gegen Schulte. In diesen steht ihm JUVE-Informationen zufolge der Hamburger Taylor Wessing-Partner Dr. Frank Koch zur Seite. Der bekannte Corporate- und Medienspezialist hat seinen Schwerpunkt seit einiger Zeit in Richtung gesellschaftsrechtlicher Prozesse verlagert.

Auf der Gegenseite machen etwa die Partner Dr. Ulf Renzenbrink von Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser sowie Dr. Steffen Leicht von Corinius für Fondsanleger Ansprüche geltend, die in großem Umfang investiert haben. Den Hamburger Allen & Overy-Partner Dr. Nicolaus Ascherfeld hat das Bankhaus Wölbern hinzugezogen, aus dem Wölbern Invest einst hervorging, das aber außer dem Namen mit dem Fondshaus nichts mehr gemein hat. Die Bank geht gegen Schulte mit Organhaftungsansprüchen vor.

Der Einlagensicherungsfonds wiederum, der das Bankhaus Wölbern während der Finanzkrise auffangen musste, setzt offenbar auf einen seiner Stammberater, den Frankfurter Latham & Watkins-Partner Dr. Uwe Eyles. (Christine Albert, René Bender)

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