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20.04.2018

Porsche-Durchsuchungen: Manager muss in U-Haft, Strafrechtler mandatiert

In der Dieselaffäre spitzt sich nun auch die Lage für Porsche zu. Nachdem am Donnerstag rund 200 LKA-Beamte und Staatsanwälte unter anderem den Stuttgarter Porsche-Stammsitz durchsucht haben, wurde gegen den Motorenchef der Luxusmarke Haftbefehl erlassen. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr, meint die Staatsanwaltschaft. Nach JUVE-Recherchen wird der verhaftete hochrangige Manager K. von dem Stuttgarter Partner Prof. Dr. Wolfgang Winkelbauer von Eisenmann Wahle Birk & Weidner verteidigt. Ein ebenfalls beschuldigtes Vorstandsmitglied hat nach Marktinformationen den Kölner Strafrechtler Prof. Dr. Björn Gercke beauftragt.

Björn Gercke

Björn Gercke

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wirft den beiden amtierenden Porsche-Managern und einem ehemaligen Mitarbeiter, der jetzt bei Audi arbeitet, Betrug und strafbare Werbung „im Zusammenhang mit der Manipulation des Emissionskontrollsystems von Diesel-PKWs“ vor.

Winkelbauer, der zu den etablierten Verteidigern Baden-Württembergs gehört, hat JUVE-Informationen zufolge die Verteidigung des nun in U-Haft sitzenden K. übernommen. Der auch als Versicherungsrechtler bekannte Anwalt ist auch schon als strafrechtlicher Vertreter von Vorständen in Erscheinung getreten. Im später eingestellten Untreue-Verfahren gegen ehemalige LBBW-Vorstände hatte er einen der angeklagten Ex-Chefs verteidigt.

Eberhard Kempf

Eberhard Kempf

Mit dem Kölner Strafrechtler Gercke hat sich der beschuldigte Porsche-Vorstand für Entwicklung nach JUVE-Recherchen einen bundesweit renommierten Wirtschaftsstrafrechtler an die Seite geholt. Gercke ist derzeit unter anderem in den Loveparade-Großprozess eingebunden und auch in Sachen Cum-Ex und Dieselkomplex mandatiert.

Wie zu hören ist, war während der Durchsuchungen der Wirtschafts- und Steuerstrafrechtler Dr. Max Klinger für die Porsche AG vor Ort. Der Namenspartner der Kanzlei Klinger & Tschersich aus Schorndorf bei Stuttgart berät sowohl Unternehmen im Straf- und Steuerstrafrecht als auch Privatpersonen. Außerdem ist JUVE-Recherchen zufolge ebenfalls Eberhard Kempf aus der Boutique Kempf Schilling für das Unternehmen aufgetreten. Er ist auch als strafrechtlicher Vertreter des gerade geschassten VW-Chefs Matthias Müller im Markt bekannt. Gegen Müller wird in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Porsche SE wegen möglicher Marktmanipulationen ermittelt.

Die Anwälte wollten sich nicht dazu äußern.

Porsche hatte bereits vor einigen Jahren auf Kempf gesetzt, als sich nach der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW von 2008 mehrere Vorstände wegen Marktmanipulation vor Gericht verantworten mussten, anschließend aber freigesprochen wurden.

Max Klinger

Max Klinger

Porsche wehrt sich gegen die Betrugsvorwürfe, Medienberichten zufolge hat sich Vorstandschef Oliver Blume in einem Schreiben an die Mitarbeiter gewandt und unter anderem erklärt: „Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Beschuldigten und Porsche vor, wir hätten Kenntnis davon gehabt, dass in diesen Motoren unzulässige Steuerungsgeräte verbaut gewesen seien. Wir weisen diesen Vorwurf zurück und tun unser Möglichstes, um alles in Ordnung zu bringen.“ (Christiane Schiffer, Astrid Jatzkowski)

 

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