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22.08.2018

Insolvenz: Schultze & Braun beim Autozulieferer SAM Automotive am Steuer

Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bei den Gesellschaften der SAM Automotive-Gruppe bestellt. Die Großinsolvenz des schwäbischen Autozulieferers mit dem Hauptkunden VW betrifft mehr als 1.800 Mitarbeiter. Die Frankfurter Kanzlei Finkenhof berät die Geschäftsleitung.

Holger Leichtle

Holger Leichtle

Die Abkürzung SAM steht für „Süddeutsche Aluminium Manufaktur“, wie sich die ehemalige Binder-Gruppe seit 2016 nennt. Das Unternehmen aus Böhmenkirch-Heidhöfe fertigt an drei Standorten in Baden-Württemberg und einem in Mexiko Aluminiumbauteile für die Autoindustrie und setzte damit zuletzt 280 Millionen Euro jährlich um. Elemente wie Dachrelings, Zierleisten und Tankdeckel gehen an Hersteller wie Mercedes, General Motors und Volvo. Größter Kunde ist der VW-Konzern mit Audi.

Die Gruppe besteht aus sieben Gesellschaften, von denen die operativen SAM Automotive und SAM Automotive Production sind. Die Insolvenzanträge wurden am Amtsgericht Aalen von der verfahrensbevollmächtigten Kanzlei Finkenhof gestellt. Das Frankfurter Team unter der Federführung von Dr. Lorenzo Matthaei war bereits seit März beratend im Unternehmen. Damals hatte ein Großbrand im Galvanikbereich die Krise des Herstellers verschärft.

Schon 2016, als die Gründerfamilie Binder an die Beteiligungsgesellschaft Bregal verkaufte, gab es Probleme mit der Bilanzstruktur. Der Jahresabschluss der SAM Automotive Production wies knapp 15 Millionen Euro negatives Eigenkapital aus. Als einer der wenigen Hersteller in diesem Bereich gilt das Fortbestehen des Unternehmens mit dem neuen Investor aber als erreichbares Ziel. Immerhin steht hinter Bregal die Familie Brenninkmeijer, der die Modekette C&A gehört. Damals lag das Transaktionsvolumen bei etwa 64 Millionen Euro. Thomas Schrell von Heuking Kühn Lüer Wojtek hatte seinerzeit die Kreissparkasse Göppingen bei der Finanzierung beraten. In dem Jahresabschluss – der letzte bisher veröffentlichte – lagen die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten bei gut 11 Millionen Euro. Partner Steffen Feller von KPMG prüfte gemeinsam mit Daniel Fick vergangenes Jahr diesen Abschluss.

Lorenzo Matthaei

Lorenzo Matthaei

Nun nennt Schultze & Braun den Brand im März und eine abgeschwächte Nachfrage als wesentliche Insolvenzursachen. Das Finkenhof-Team um den federführenden Partner Matthaei, Gründungspartner Stephan Strumpf und den Associates Dr. Kaan Güzel, Tim Grabbe und Kathrin Brockmeyer hat deshalb bereits seit Monaten mit den Hauptbeteiligten Bregal, Sparkasse und VW verhandelt. Ob aus der Bereitschaft der Beteiligten für eine Fortführung ein tragfähiges Sanierungskonzept resultiert, muss sich noch herausstellen.

Die Kreissparkasse lässt sich bereits seit November von der Kanzlei GvW Graf von Westfalen beraten. In den Verhandlungen treten meist Inhousevertreter des Kreditinstituts auf. Hinter den Kulissen ist GvW aber seit Monaten mit einem ganzen Team im Einsatz: Unter der Federführung des Münchner Insolvenzrechtspartners Dr. Wolfram Desch vertreten die Hamburger Anwälte Dr. Patrick Wolff das Bankrecht und Johan van der Veer das Versicherungsrecht. Aus Deschs Praxisgruppe beraten ferner Christian Fuhst und Associate Uli Schmidt.

Leichtle wurde von den Gläubigerausschüssen der beiden operativen Gesellschaften als Verwalter vorgeschlagen und gilt als deren Wunschkandidat. In einem der ersten Schritte hat er den Mitarbeitern der Unternehmensgruppe Insolvenzgeld bis Ende Oktober gesichert. Leichtle war in den vergangenen Jahren unter anderem Berater für Phoenix Print Würzburg sowie Verwalter beim Photovoltaikzulieferer Platinum, dem Carbonspezialisten UBC und dem Autozulieferer Burkhardt Kunststoffverarbeitung. Die Kanzlei Schultze & Braun konnte sich zuletzt mit ihrem Insolvenzverwalterzweig an der Spitze der bundesweiten Verfahrensstatistik platzieren.

Das Finkenhof-Team war unter anderem im vergangenen Jahr beratend für die operativen Gesellschaften bei Air Berlin aktiv. (Ludger Steckelbach)

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