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20.12.2018

Einer von 40 unter 40: Benedikt Windau – Richter auf Sendung

Wir stellen vor: Benedikt Windau, Richter am Amtsgericht Cloppenburg – einer der JUVE 40 unter 40. Die Juristen in dieser Liste sind so vielfältig wie das Leben selbst, aber eines eint sie: Sie haben vor ihrem 40. Geburtstag im Markt auf sich aufmerksam gemacht. Wer sie alle kennenlernen möchte: Sämtliche Porträts finden Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt.

Windau_Benedikt

Benedikt Windau (35)

Cloppenburg ist eine kleine Stadt im tiefsten ländlichen Niedersachsen zwischen Oldenburg und Osnabrück. Die meisten Deutschen haben kaum je davon gehört. Auch das dortige Amtsgericht macht selten überregionale Schlagzeilen. Trotzdem ist Amtsrichter Benedikt Windau vielen Litigation-Spezialisten im Land bekannt: In seinem ZPO-Blog kommentiert er regelmäßig Urteile und Gesetzesvorhaben. Windau, der bis Oktober 2016 Meyer hieß, hat an der Bucerius Law School in Hamburg studiert. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Oppenhoff & Partner in Köln und Staatsanwalt in Oldenburg, bevor er 2014 Richter in Cloppenburg wurde.

JUVE: Herr Windau, beneiden Sie manchmal Anwälte?
Benedikt Windau: Das kommt schon vor. Ich habe ja auch ursprünglich Jura studiert, um Wirtschaftsanwalt zu werden. Beneidenswert finde ich zum Beispiel die Möglichkeit, sich schon früh fachlich zu spezialisieren.

Aber es gibt doch auch spezialisierte Richter.
Selbstverständlich, aber eher an den höheren Gerichten, an denen man seine Laufbahn nicht beginnt. Am Anfang und auf dem Weg dahin ist nach wie vor die sogenannte Verwendungsbreite wichtiger als Spezialisierung. Und sich ständig in neue Rechtsgebiete einzuarbeiten ist zwar wegen der Abwechslung reizvoll, es ist aber in gleichem Maße auch frustrierend. Und es führt vor allem zu einem wahnsinnig großen Wissensverlust innerhalb der Justiz!

Nun sind Sie Richter und beneiden Anwälte. Was ist schiefgegangen in Ihrer Karriere?
Moment! Spezialisierung ist ja nur eine Facette des Berufs. Bereut habe ich meine Berufswahl noch nie. Ich bin zum Beispiel nur wenig davon abhängig, was andere machen, sondern entscheide selber. Und ich muss in aller Regel keine Meinung vertreten, hinter der ich nicht stehe. Einen Ausgleich zu suchen, und wenn sich ein solcher nicht finden lässt, selber entscheiden zu können, zu dürfen, aber auch zu müssen: Diese Verantwortung mag ich. Eine solche Unabhängigkeit hat man als Anwalt so vielleicht nicht.

Hat man als Richter auch mehr Freizeit?
Ach, ich glaube, in den ersten Jahren arbeitet man auch nicht weniger als in großen Kanzleien. Und später kommt es sehr darauf an, wo man ist und was man macht. Überhaupt hängt das auch sehr stark von der eigenen Arbeitsweise und dem Anspruch an die Qualität der eigenen Arbeit ab.

Dank Ihres Blogs zur Zivilprozessordnung sind Sie vielen Prozessanwälten ein Begriff. Ist das Bloggen Hobby oder Arbeit?
Ganz klar Hobby, auch wenn es natürlich erhebliche Schnittmengen mit meiner Arbeit hat. So hat es ja auch angefangen: Im Frühjahr 2014 war ich gerade von der Staatsanwaltschaft ans Gericht gewechselt und durfte endlich Zivilsachen machen. Als Staatsanwalt fand ich immer die Rechts-Blogs von Detlef Burhoff und Udo Vetter sehr hilfreich. Aber speziell zur Zivilprozessordnung – also meinem neuen Handwerkszeug – gab es so etwas nicht, und das fehlte mir. Zivilprozessrecht ist ja etwas, was man irgendwie nie so richtig lernt, aber dann im Job plötzlich selbstverständlich können muss. Ich merkte: Da muss ich ganz dringend dazulernen und sicherer werden. Und wenn ich ohnehin schon dabei bin, mich zu informieren und mir so etwas fehlt – dann kann ich das doch auch gleich aufschreiben, vielleicht geht es ja auch anderen so.

Was war die beste Entscheidung Ihrer beruflichen Laufbahn?
Am wichtigsten war wohl die Entscheidung, für das Referendariat in meine Heimat zurückzukehren. Ohne meine Ausbilder in der Gerichts- und Wahlstation wäre ich nie Richter geworden.

Das Gespräch führte Marc Chmielewski.

 

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