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31.07.2019

Legal-Tech-Umfrage: Kanzleien setzen auf Effizienzgewinn

Die deutschen Wirtschaftskanzleien nutzen längst die Vorteile, die die Digitalisierung ihnen bietet. Das zeigt eine JUVE-Umfrage, an der 182 vor allem kleine und mittelgroße Kanzleien teilnahmen. Zum Einsatz kommt insbesondere die Software von Start-ups. Angetrieben werden die Kanzleien von der Aussicht, schneller und besser zu werden.

Es ist das zweite Mal, dass JUVE die Kanzleien nach ihren Legal-Tech-Ambitionen gefragt hat. Dabei ist der Anteil derjenigen, die sich in den vergangenen 12 Monaten noch gar nicht mit den Thema Legal Tech beschäftigt haben, noch geringer (1 Prozent) als im Vorjahr. Dagegen ist die Zahl der Kanzleien, die mit einem festen Budget für Legal Tech planen, leicht gestiegen – immerhin jede vierte plant die entsprechenden Mittel in ihr Jahresbudget ein, im Schnitt 240.000 Euro.

Nur ein kleiner Teil hält das angebliche Potenzial, das in Legal Tech steckt, noch für überbewertet (34 Prozent) oder glaubt, dass Legal Tech in der täglichen Arbeit des Anwalts auch in Zukunft keine Rolle spielen wird (11 Prozent). Bedroht fühlen sich die meisten von der aktuellen Entwicklung nicht – nur wenige stimmen der These zu, Legal Tech könne einen Großteil der Anwälte in Zukunft ersetzen (13 Prozent).

Stattdessen analysieren die Kanzleien lieber das Potenzial, das Legal Tech ihnen verschaffen könnte. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist überzeugt: Wer nicht in Legal Tech investiert, wird in Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig sein (65 Prozent). Zudem denkt ein Großteil, dass man anderes Personal als momentan braucht, um mit Legal Tech innovativ sein zu können (65 Prozent).

Hubs, Labs und Plattformen

Das passt zum aktuellen Trend in den internationalen Großkanzleien, die zunehmend den Schulterschluss mit der Start-up-Szene suchen. Wie beispielsweise Freshfields Bruckhaus Deringer, die sich mit ihrem „Lab“ im schicken Berliner Tech-Zentrum Factory Berlin einquartiert hat. Oder Clifford Chance, die mit der Clifford Chance Tech GmbH eine Tochtergesellschaft geschaffen hat, die mit dem Software-Anbieter Evana neue technologische Lösungen erarbeiten soll. Etwas anders geht Baker & McKenzie seit einem knappen Jahr an die Start-ups ran: Die Kanzlei beteiligt sich an der Frankfurter Plattform ReInvent, wo sich abseits der Juristentürme der Frankfurter „City“ Start-ups und Kanzleien begegnen sollen.

Spezielle Kanzlei-Software bestimmt den Alltag

Innovationsinitiativen bleiben jedoch die Ausnahme: Nur wenige Kanzleien gaben in der JUVE-Umfrage an, gezielt in Start-ups zu investieren (15 Prozent) oder sich an Innovationszentren zu beteiligen (8 Prozent). Eigene Entwicklungen sind laut JUVE-Umfrage immerhin bei rund 30 Prozent der Befragten schon in der Mache. Der Rest verlässt sich vor allem auf Programme, die „von der Stange“ kommen (64 Prozent), oder passt Software an die eigenen Bedürfnisse an.

Vor allem spezielle Kanzlei-Software beispielsweise zur Rechnungslegung oder zur Mandantenverwaltung sowie juristische Datenbanken stehen hoch im Kurs, ähnlich wie Automatisierungs-Software: Knapp die Hälfte der Kanzleien nutzt sie schon zur Dokumentenerstellung (51 Prozent) oder zur Analyse von Dokumenten (43 Prozent). Deutlich zurückhaltender geben sich die Kanzleien dagegen beim Einsatz von KI-Programmen, die nur von 25 Prozent der Teilnehmer verwendet werden.

Doch was treibt Kanzleien eigentlich an, immer stärker auf Legal-Tech-Lösungen zu setzen? Ganz oben auf der Motivationsliste steht das Ziel, den eigenen Beratungsprozess qualitativ zu verbessern (80 Prozent) und zu beschleunigen (78 Prozent) – dicht gefolgt von dem Wunsch, neue Beratungsangebote zu entwickeln (62 Prozent). (Ulrike Barth)

Mehr zum Thema Digitalisierung lesen Sie auch in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 08/19.

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