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01.08.2019

Dieselaffäre: Anklage gegen Rupert Stadler erhoben

Es kommt wenig überraschend: Prof. Dr. Rupert Stadler, der ehemalige Audi-Vorstandschef, wird sich wohl in der Dieselaffäre vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft München II hat gegen ihn und drei weitere ehemalige Audi-Führungskräfte Anklage wegen Betruges, mittelbarer Falschbeurkundung sowie strafbarer Werbung erhoben. Ob es wirklich zu einem Prozess kommt, hängt vom Landgericht München II ab, das entscheidet, ob es die Anklage zulässt.

Stadler soll Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung wissentlich in den Verkehr gebracht haben. Dem 56-Jährigen wirft die Behörde vor, „spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst beziehungsweise den Absatz nicht verhindert zu haben“. Marktinformationen zufolge setzt Stadler auf die Münchner Strafrechtler Thilo Pfordte und Ulrike Thole von der Kanzlei Brehm & von Moers.

Stadler saß bis Oktober 2018 in Untersuchungshaft. Eine Verfassungsbeschwerde des 56-Jährigen gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts München, ein umfassendes Kontaktverbot Aufrecht zu erhalten, nahm das Bundesverfassungsgericht im April 2019 nicht an. Dabei ließ Stadler sich von Anwälten des Hamburger Büros der Kanzlei Graf von Westphalen vertreten (Az. 2 BvR 382/19). 

Weitere Anklagen gegen Ex-Mitarbeiter

Ebenfalls sind Wolfgang Hatz, der lange Zeit bei Audi und später im gesamten VW-Konzern für die Motorenentwicklung verantwortlich war, und zwei weitere Ingenieure angeklagt. Hatz lässt sich von den Namenspartnern der Kanzlei Trüg Habetha, Prof. Dr. Gerson Trüg und Dr. Jörg Habetha, vertreten. Der angeklagte Ingenieur P. hat Walter Lechner von Lechner & Partner aus München sowie Klaus Schroth von Schroth & Kollegen aus Karlsruhe mit seiner Verteidigung beauftragt. Maximilian Müller und Klaus Gussmann von Prof. Dr. Müller & Partner aus München nehmen sich der Verteidigung des zweiten Ingenieurs an.

Die Anklage umfasst den Angaben zufolge insgesamt rund 434.000 Fahrzeuge, davon knapp 251.000 Audis, 112.000 Porsches und 71.000 Volkswagen. Laut Staatsanwaltschaft, für die Staatsanwalt Dominik Kieninger den Fall begleitet, sind die Fahrzeuge vor allem in Europa und den USA verkauft worden.

Stadler hatte eine persönliche Mitwisserschaft oder gar Beteiligung an Dieselmanipulationen stets bestritten. Die Ermittler hatten bei Razzien in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Material sichergestellt, sein Privathaus in Ingolstadt durchsucht und sein Telefon abgehört. Wegen Verdunkelungsgefahr war er Mitte Juni 2018 als Vorstandschef verhaftet worden und hatte bis Ende Oktober vier Monate lang in Augsburg in Untersuchungshaft gesessen. Nach Aufgabe seiner Ämter als Audi-Chef und VW-Konzernvorstand war er Ende Oktober vergangenen Jahres unter Auflagen aus der U-Haft entlassen worden. (Eva Flick, mit Material von dpa)

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