Quandt hatte seine anwaltliche Laufbahn 2005 im Hamburger Büro von Latham & Watkins begonnen und hatte dort als Associate an einigen großen Transaktionen mitgewirkt. So gehörte er etwa 2008 zu dem Latham-Team, das ein Hamburger Konsortium beim Kauf von Hapag-Lloyd beriet.
Im Oktober 2010 wechselte Quandt dann zu der vor allem für ihre Ausrichtung auf die Schifffahrtsbranche bekannten Kanzlei Ince, wo er 2015 zum Salary-Partner ernannt wurde. Quandt ist auf Midcap-Transaktionen und gesellschaftsrechtliche Restrukturierungen spezialisiert. Bei Ince beriet er 2015 beispielsweise gemeinsam mit Dr. Jan Hungar, Managing-Partner der deutschen Praxis und Leiter des hiesigen Corporate-Finance-Teams, die chilenische Reederei CCNI bei der Übernahme des Containergeschäfts von Hamburg Süd.
Die bundesweit tätige Beratungsgesellschaft Dornbach hatte 2015 durch den Zusammenschluss mit der vor allem für ihre Kompetenz im Steuerrecht bekannten Kanzlei Alpers & Wessel ein Büro in Hamburg eröffnet. Zuletzt hatte sie Anfang 2018 mit Dr. Carsten Lange einen Steuerberater von Flick Gocke Schaumburg als Partner hinzugeholt. Mit dem Wechsel von Quandt baut die Kanzlei nun die Rechtsberatung aus: Auf Partnerebene stand dafür in Hamburg bislang nur Alexander Hartleib, zudem ist Steuerberaterin Pia Schleder auch als Rechtsanwältin qualifiziert.
Die Corporate-Praxis von Ince ist eng mit der Finance-Kompetenz verwoben. Zum Kerngeschäft gehört die Beratung von Banken und Investoren rund um Schiffskredite und -finanzierungen sowie Restrukturierungen. Zudem berät sie auch Reedereien. Im Team verbleiben zwei Equity-Partner, ein Salary-Partner sowie zwei Associates. Weitere Anwälte sind zudem insbesondere auf Yachttransaktionen spezialisiert.
Ince auf unruhiger See
Für Ince kommt der Weggang von Quandt zur Unzeit. Denn hinter der Traditionskanzlei liegt ein bewegtes Jahr: Im Zuge der Übernahme durch die schnell wachsende, börsennotierte und deutlich kleinere Kanzlei Gordon Dadds in Großbritannien, verließen etliche Partner aus internationalen Büros die Kanzlei. Auch in Hamburg ging im Februar ein 18-köpfiges Team zur Wettbewerberin Clyde &Co, darunter vier Partner. Sie hatten ihren Austritt aber bereits ein Jahr zuvor angekündigt. Die Trennung von Ince verlief zumindest fachlich mit einem klaren Schnitt: Das komplette Corporate-Finance-Team verblieb bei Ince, zudem auch ein Litigation-Team. Das Clyde-Team ist im Markt vor allem für Seeversicherungsrecht, Yachtenbau und Energieprojekte bekannt.
Die deutsche Praxis ist seit der Übernahme aus regulatorischen Gründen über einen Netzwerkvertrag mit Ince Gordon Dadds verbunden. Der deutsche Managing-Partner Hungar ist zudem derzeit dafür zuständig, die Shipping-Praxis im neuen Ince-Büro in Gibraltar aufzubauen. Dort hatte die Kanzlei Anfang April Rampart Corporate Advisors dazugekauft, die auf E-Gaming, Fintech und Kryptowährungen spezialisiert sind.
Auch in ihrem Kölner Büro steht die Kanzlei weiterhin vor Managementherausforderungen: Nach dem Weggang der dortigen Anwälte hatte Ince angekündigt, den Standort wieder aufzubauen.