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27.01.2020

Frankfurt: Nishimura & Asahi eröffnet als erste japanische Top-Kanzlei in Europa

Die japanische Top-Kanzlei Nishimura & Asahi eröffnet in Deutschland. Hauptstandort wird Frankfurt sein, eine Zweigniederlassung soll es in Düsseldorf geben. Gründungspartner der deutschen Praxis sind Dr. Dominik Kruse (39), ein ehemaliger Clifford- und Pfizer-Anwalt, sowie der japanische Nishimura-Partner Noriya Ishikawa (39). Der Start in Deutschland ist für Juni geplant. Es ist das erste Mal, dass eine Kanzlei aus der Gruppe der vier japanischen Top-Sozietäten ein Büro in Europa eröffnet.

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Dominik Kruse

Ähnlich wie in London mit seinem Magic Circle gibt es auch in Japan eine inoffizielle Gruppe der führenden Kanzleien: die Big Four. Neben Nishimura sind dies Nagashima Ohno & Tsunematsu, Anderson Mori & Tomotsune und Mori Hamada & Matsumoto. Alle haben mehr als 300 Anwälte, Nishimura ist mit knapp 700 die größte. Zu den härtesten Verfolgern gehört die Kanzlei TMI Associates, die einen IP-Schwerpunkt hat und mit der deutschen Kanzlei Arqis kooperiert.

Brexit-Geschäft steht bevor

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Noriya Ishikawa

Mit ihren künftigen deutschen Büros nimmt Nishimura japanische Stammmandanten in den Fokus, deren europäische Töchter häufig in Düsseldorf sitzen. Viele dieser Unternehmen gehören auch heute schon zur Mandantschaft. Deshalb soll es neben dem Hauptbüro in Frankfurt eine zunächst nicht ständig besetzte Repräsentanz in Düsseldorf geben.

Zugleich will sich Nishimura als Anlaufstelle für europäische Unternehmen etablieren, die Geschäfte oder Investitionen in Südostasien planen. Auch der bevorstehende Brexit dürfte die Fantasie der Kanzleistrategen beflügelt haben: Sie gehen davon aus, dass es einige japanische Mandanten aus Großbritannien nach Kontinentaleuropa ziehen wird – verbunden mit Umstrukturierungen, bei denen eine Präsenz der japanischen Stammkanzlei in Europa hilfreich sein kann.

Weltweite Expansion

Die Kanzlei ist neben ihrem Heimatmarkt auch in wirtschaftlichen Boom-Regionen wie Indonesien und Vietnam vertreten und seit Längerem auf Expansionskurs. Diese Entwicklung nehmen derzeit mehrere japanische Großkanzleien: Sie folgen ihren Mandanten mit Büroeröffnungen in aufstrebende neue Märkte, ähnlich wie dies viele deutsche und britische Kanzleien in den 1990er-Jahren in Osteuropa getan haben. 

In Thailand hat Nishimura kürzlich die Kanzlei Siam City Law mit 60 Anwälten übernommen. Insgesamt hat Nishimura vier Büros in Japan und zehn im Rest Asiens, darunter China, Singapur und Dubai. Auch in New York ist die Kanzlei seit etwa zwei Jahren mit einem Büro vertreten.

Ex-Gleiss-Anwalt begleitet Deutschlandstart von Tokio aus

Dominik Kruse, ein Corporate- und M&A-Spezialist, begann seine Karriere 2011 bei Clifford Chance in Düsseldorf, ab 2014 war er in deren New Yorker Büro tätig. Anfang 2017 wechselte Kruse in die Rechtsabteilung des Pharmakonzerns Pfizer, ebenfalls in New York. Bei Nishimura ist er seit November 2019, von Anfang an mit dem Plan, für die Kanzlei in Deutschland zu eröffnen. Derzeit lernt er die asiatischen Büros der Kanzlei kennen.

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Lars Markert

Der Kontakt zwischen Kruse und Nishimura kam unter anderem über den Schiedsrechtler Dr. Lars Markert (44) zustande. Der war bis Anfang 2018 Associated Partner bei Gleiss Lutz in Stuttgart und wechselte dann als Foreign Law Partner zu Nishimura nach Tokio, von wo aus er auch den nun geplanten Aufbau einer deutschen Praxis begleiten wird.

Ishikawa, der zweite Partner im Frankfurter Büro, ist auf Gewerblichen Rechtsschutz und Datenschutz spezialisiert. Er kennt Deutschland von einem sechsmonatigen Aufenthalt als Secondee bei Noerr. Noerr ist mit Nishimura & Asahi über das Kanzleinetzwerk Lex Mundi verbunden. Auch mit Hengeler Mueller und Gleiss Lutz hat die Kanzlei insbesondere bei großen M&A-Projekten schon häufiger zusammmengearbeitet. (Marc Chmielewski)

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