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20.02.2020

Fintyre: Finkenhof- und Hengeler-Mandanten gehen in Gruppeninsolvenz

Insgesamt 16 deutsche Tochtergesellschaften des britischen Reifenhändlers Fintyre haben Insolvenz angemeldet. Die einzelnen Verfahren laufen als Gruppeninsolvenz beim Amtsgericht Frankfurt ab. Das Gericht bestellte Miguel Grosser von Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Suche nach Investoren hat begonnen.

Fintyre ist einer der größten Reifenhändler in Europa und beschäftigt in Deutschland mehr als 1.300 Angestellte. Zuletzt konnte das Unternehmen noch einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro verbuchen. In den vergangenen Jahren hatte Fintyre kontinuierlich neue Gesellschaften hinzugekauft: 2018 erwarb sie etwa die Handelsgruppe Reifen Krieg, die nun als erste Tochtergesellschaft einen Insolvenzantrag stellte. 2019 kaufte sie den Reifenhändler RS Exclusiv sowie die Werkstattkette Tyrexpert.

Seit 2017 ist Fintyre im Besitz der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Bain Capital, die das Unternehmen von der britischen Konkurrentin BlueGem Capital Partners übernommen hatte. Unterstützt wurde Bain damals von GSO Capital Partners. Der zur Blackstone Group gehörende Vermögensverwalter hatte über Anleihen mehrmals in Fintyre investiert.

Lorenzo Matthaei

Lorenzo Matthaei

Berater der deutschen Fintyre-Gesellschaften
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Lorenzo Matthaei (Federführung), Stephan Strumpf, Dr. Maximilian von Mangoldt; Associates: Karolina Astner, Robert Jödicke, Dr. Lukas Herbert, Lisa Alp (alle Insolvenzrecht)
Hengeler Mueller: Dr. Johannes Tieves (Frankfurt), Dr. Martin Tasma (Berlin; beide Restrukturierung) − aus dem Markt bekannt

Johannes Tieves

Johannes Tieves

Berater European Fintyre Distribution Limited
Kirkland & Ellis (München): Dr. Leo Plank, Dr. Wolfram Prusko; Associate: Marlene Ruf (alle Restrukturierung) − aus dem Markt bekannt 

Berater GSO Capital Partners
White & Case: Riaz Janjuah (Hamburg; Restrukturierung), Christian Pilkington (Restrukturierung), Gareth Eagles (Bank- und Finanzrecht; beide London) − aus dem Markt bekannt

Berater Konsortium europäischer Banken
Allen & Overy: Dr. Franz Bernhard Herding (Frankfurt), Tim Crocker (London; beide Federführung), Stefano Sennhauser (Mailand; alle Bank- und Finanzrecht/Restrukturierung), Juri Bettinelli (Insolvenzrecht, Mailand), Dr. Christopher Kranz (Insolvenzrecht, Frankfurt), Nick Charlwood (Bank- und Finanzrecht/Restrukturierung, London) − aus dem Markt bekannt

Insolvenzverwaltung
Jaffé (Frankfurt): Miguel Grosser

Leo Plank

Leo Plank

Hintergrund: Die renommierte Verwalterkanzlei Jaffé ist regelmäßig in großen Insolvenzverfahren aktiv. Der für Fintyre bestellte Insolvenzverwalter Grosser leitet die Frankfurter Niederlassung der Einheit. Grosser ist unter anderem als Insolvenzverwalter bestellt über das Vermögen von Heinz Roth, des Gründers der Containerfirma P&R.

Fintyre setzt seit Mitte 2019 auf Finkenhof, die über einen Kontakt im Unternehmen in das Mandat kam. Bereits länger arbeitet das Unternehmen mit Hengeler zusammen: Die Kanzlei ist seit mehreren Jahren eine Beraterin von Bain Capital, der Beteiligungsgesellschaft hinter Fintyre. Wiederholt setzte der Reifenhändler bei Zukäufen auf Hengeler, etwa 2018 beim Erwerb von Reifen Krieg. Dem Vernehmen nach wurde PwC mit einem Team aus Partner Timo Klees und Senior Manager Fabian Dalka nach Zustimmung des Gläubigerausschusses als M&A-Beraterin mandatiert. Die Big-Four-Gesellschaft war ebenfalls beim Kauf von Reifen Krieg mandatiert.

Riaz Janjuah

Riaz Janjuah

Kirkland war schon zuvor für die britische Holding von Fintyre tätig, Londoner Teams der Kanzlei kümmern sich etwa regelmäßig um die fusionskontrollrechtlichen sowie finanzierungsrechtlichen Themen in Bains europäischen Transaktionen. Zu insolvenzrechtlichen Angelegenheiten hat der Reifenhändler Kirkland zuvor nicht konsultiert, das Team um Partner Plank berät entsprechend erst seit Kurzem.

GSO Capital Partners ist der größte Fremdkapitalgeber von Fintyre. Der Investor setzt seit mehreren Jahren  bei seinen Transaktionen regelmäßig auf White & Case. Wiederholt war dabei der Londoner Partner Eagles tätig. Bereits 2015 beriet die Kanzlei GSO Capital Partners zu einer Fintyre-Anleihe. Die Partner Pilkington und Janjuah waren zusammen unter anderem 2017 als Berater der Gläubiger von Jack Wolfskin tätig.

Nach JUVE-Informationen berät ein aus Frankfurt gesteuertes Team von Allen & Overy außerdem ein europäisches Bankenkonsortium, das sich um die Stabilisierung des italienischen Arms von Fintyre kümmert. Dem Vernehmen nach besteht die Finanzierungsstruktur aus langfristigen Finanzierungen durch GSO Capital Partners und den Betriebsmittelfinanzierungen des Bankenkonsortiums, aus dessen Reihen Allen & Overy für das Mandat empfohlen worden war. (Dennis Koch)

Wir haben den Artikel am 21.02.2020 aktualisiert und am 02.03.2020 ergänzt.

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