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05.06.2020

Cum-Ex-Aufarbeitung: Auch Freshfields-Partner Teufel ausgeschieden

Freshfields Bruckhaus Deringer arbeitet weiter an der Aufarbeitung ihrer Cum-Ex-Vergangenheit: Nun ist auch der letzte Spezialist für Steuerprodukte, Dr. Tobias Teufel, aus der Partnerschaft ausgeschieden.

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Tobias Teufel

Dies bestätigte die Kanzlei auf Nachfrage von JUVE. Danach wurde eine „Vereinbarung in gegenseitigem Einvernehmen geschlossen“, durch die Teufel Anfang Juni die Partnerschaft verlassen habe.

Zu den Hintergründen des Weggangs wollte sich Freshfields nicht äußern. Allerdings liegt es nahe, dass auch Teufels Ausscheiden mit der Cum-Ex-Vergangenheit der Kanzlei zu tun hat. Der 46-Jährige gehörte dem Team an, das in Deutschland lange führend war in der Beratung von Banken bei steuerinduzierten Finanzprodukten, darunter auch Cum-Ex-Gestaltungen. Das Team wurde Anfang des Jahrtausends von zwei vor längerer Zeit altersbedingt ausgeschiedenen Partnern gegründet und von dem 2007 zum Partner ernannten Dr. Ulf Johannemann sowie von Teufel weitergeführt, der seit 2010 Partner war.

Johannemann, der die Kanzlei bereits im vergangenen Jahr verlassen hat, gilt als eine der Schlüsselfiguren in Sachen Cum-Ex. Er ist in Folge seiner Beratung der deutschen Maple-Bank-Tochter zusammen mit Bankmanagern wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Das Verfahren in Frankfurt wurde noch nicht eröffnet. Gegen Teufel wurde ebenfalls ermittelt, für eine Anklageerhebung sah die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt offenbar jedoch keine ausreichenden Hinweise.

Die Zukunft der Steuerpraxis liegt anderswo

Warum Teufel jetzt aus der Partnerschaft ausgeschieden ist, bleibt allerdings unklar. Klar ist nur, dass es schon länger kein originäres Team bei Freshfields mehr gibt, das sich explizit mit der Gestaltung von Steuerprodukten beschäftigt. Teufel gehörte zuletzt der allgemeinen unternehmenssteuerlichen Praxis der Kanzlei an und beriet dort „insbesondere die Kredit- und Finanzwirtschaft im Zusammenhang mit Kapitalmarktinstrumenten, strukturierten Produkten und Investmentfonds“, wie es auf der Website der Kanzlei hieß.

Die Zukunft der Steuerpraxis sieht Freshfields neben dem allgemeinen Unternehmenssteuerrecht indes vor allem in der Beratung der internen Aufarbeitung steuerlicher Vorkommnisse und in der Vertretung im Rahmen internationaler Steuerstreitigkeiten. Dies wird auch deutlich an der Ernennung von Dr. Philipp Redeker zum Partner im jüngst begonnenen Geschäftsjahr.

Es spricht also viel dafür, dass Freshfields mit der einvernehmlichen Trennung von Teufel den nächsten Schritt tun will, um mit ihrer Cum-Ex-Vergangenheit abzuschließen und sich mit unbelasteten Partnern neuen Geschäftsfeldern zu widmen. Bereits Anfang des Jahres hatte der globale Managing Partner der Kanzlei, Dr. Stephan Eilers, gegenüber der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ davon gesprochen, dass die Beratung im Cum-Ex-Kontext „kein Ruhmesblatt“ gewesen sei.

Die Trennung ist nach JUVE-Informationen ein längerer Prozess gewesen und dürfte insofern unmittelbar auch nichts mIt dem jüngst ins Leben gerufenen deutschen Ethikkomitee oder dem in London gegründeten Conduct Committee zu tun haben. (Jörn Poppelbaum)

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