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07.09.2020

Friseurkette: Klier geht mit Schultze & Braun, Anchor und Noerr ins Schutzschirmverfahren

Deutschlands größte Friseurkette ist insolvent. Die Klier Hair Group mit rund 9.200 Mitarbeitern hat am Freitag beim Amtsgericht in Wolfsburg ein Schutzschirmverfahren beantragt. Zu der Firmengruppe in Familienbesitz gehören auch Labels wie Super Cut, Hair Express und essanelle. Die Auslandgesellschaften in den Nachbarländern Österreich, Tschechien und der Slowakei, wo etwa weitere 760 Mitarbeiter tätig sind, sind davon nicht betroffen.

Detlef Specovius

Detlef Specovius

Klier Hair Group, in dritter Generation familiengeführt, vereint unterschiedliche Friseur- und Shopkonzepte unter ihrem Dach. Dazu zählen neben der Marke Klier auch die Labels Super Cut, Hair Express, essanelle, Styleboxx, Cosmo und Beautyhairshop. Mit gut 1.350 Salons und 130 Shops erwirtschaftete die Gruppe im Jahr 2018 einen Umsatz von rund 311 Millionen Euro und verbuchte zum Jahresende ein Eigenkapital von 26 Millionen Euro.

Die nun insolvente Klier Hair Group gehört zu 100 Prozent der Klier Holding, zu der sieben weitere Gesellschaften gehören, darunter auch die Auslandsgesellschaften, die rund 26 Millionen Euro des Umsatzes beisteuerten. Während die Filialen in gemieteten Standorten betrieben werden, bilanziert die Holding im Jahresabschluss 2018 Grundbesitz im Vermögen von rund 20 Millionen Euro. Bei den 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten waren dort 18,6 Millionen Euro an Bankschulden abzulesen. Als Wirtschaftsprüfer fungierte BDO.

Silvio Höfer

Silvio Höfer

Der Corona-Lockdown hat die Friseurbanche, ähnlich wie die Mode- und Gastronomiebranche, hart getroffen – erst blieben die Geschäfte ganz geschlossen, jetzt sind sie zum Teil nur zur Hälfte belegbar. Hinzu kommen aufwändige Reinigungsprozeduren, Kosten für Schutzartikel und eine allgemeine Kundenzurückhaltung.

Klier habe zwar eine staatliche Überbrückungsfinanzierung beantragt, aber diese sei schon aufgebraucht, teilte das Unternehmen mit. Daher habe man nach Überprüfung der Gesamtsituation beschlossen, sich aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit unter den gerichtlichen Schutzschirm zu begeben.

Thomas Hoffmann

Thomas Hoffmann

Die Geschäftsführung – dazu zählten bislang die beiden Gesellschafter Michael und Robert Klier – ist weiter handlungs- und weisungsbefugt. Zudem zog der Sanierungsexperte Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun als Chief Restructuring Officer (CRO) in das Gremium ein.

Das Management dürfte nun vor allem mit den Banken und den Vermietern sprechen. Die vertraglichen Mietverpflichtungen für die kommenden Jahre summieren sich auf 175 Millionen Euro.

Berater Klier Hair Group
Schultze & Braun (Achern): Detlef Specovius (Federführung; Chief Restructuring Officer); Associates: Christoph von Wilcken (Berlin), Patrick Ehret (alle Insolvenzrecht), Joachim Zobel, Stefanie Beck (beide Arbeitsrecht; beide Nürnberg)

Sachwaltung Klier Hair Group
Anchor (Hildesheim): Silvio Höfer (Sachwalter), Dr. Florian Harig (Hannover), Dr. Christof Schiller (Mannheim), Sarah Wolf (Duisburg; alle Insolvenzrecht), Michael Verken (Steuerrecht; Weilheim); Associate: Hannes Rieger (Düsseldorf; Insolvenzrecht)

Berater Gesellschafter Klier Holding
Noerr (Frankfurt): Dr. Thomas Hoffmann (Federführung; Insolvenzrecht); Associate: Fabian Krüger (Steuerrecht; Berlin) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Für den seit Jahren in großen Filialisteninsolvenzen ausgewiesenen Specovius ist es ein weiterer CRO-Posten innerhalb weniger Wochen: Im Juni berief die insolvente Bonita ihn neben zwei Görg-Partnern in die Geschäftsführung.

Der erfahrene Anchor-Verwalter Höfer kennt sich auch mit bundesweiten Systemunternehmen in der Krise aus. 2019 beriet er etwa den Verwalter des Buch- und Mediengroßhändlers Koch Neff & Volckmar. Neben den Anwälten arbeitet auch der Managementzweig von Anchor kaufmännisch an der Restrukturierung mit.

Die Restrukturierer von Noerr kamen dem Vernehmen nach Anfang August auf Empfehlung und nach einem kleinen Pitchverfahren der Familie Klier ins Mandat.

Bereits im Herbst 2018 hatte in Norddeutschland die Friseurkette Klinck mit rund 750 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Dort übernahm damals Dr. Jens-Sören Schröder von Johlke Niethammer eine Fremdverwaltung. (Ludger Steckelbach, Sonja Behrens)

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