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04.06.2010

Überraschende Trennung: Hanno Berger verlässt Dewey & LeBoeuf

Der Top-Rainmaker der deutschen Praxis von Dewey & LeBoeuf, Dr. Hanno Berger, macht sich selbstständig. Der 59-Jährige verlässt die US-Kanzlei Ende Juli zusammen mit dem Bankaufsichtsrechtler und Dewey-Partner Dr. Kai-Uwe Steck (39) sowie einem Team von voraussichtlich acht Steueranwälten, Steuerberatern und Mitarbeitern.

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Hanno Berger

Was Berger genau vorhat, ist noch nicht bekannt. Von Seiten Deweys heißt es, Berger werde seine steuerliche Beratungstätigkeit in kleinerer Einheit fortsetzen. Die Zusammenarbeit mit der Kanzlei werde auf einer „Best-Friends-Basis“ fortgesetzt.

Nach JUVE-Informationen bedeutet dies jedoch nicht zwingend, dass Bergers neue Einheit weiterhin Rechtsberatungsleistungen erbringen wird. So ist es ein lang gehegter Traum von Berger, Fondstrukturen und Steuerprodukte in anderem Rahmen aufzusetzen. Die Expertise dazu hätte er ohne Zweifel. Berger gilt nicht nur als einer der umsatzstärksten deutschen Wirtschaftsanwälte überhaupt, sondern auch als der profilierteste deutsche Anwalt für Steuer- und Finanzprodukte.

Auch sein Erfolg als Kanzleimanager kann sich sehen lassen. Berger hatte Dewey als deutscher Managing Partner innerhalb von sechs Jahren unter die 50 umsatzstärksten Sozietäten Deutschlands geführt. Dennoch ist er zuletzt mehr und mehr in die Kritik geraten – allerdings stets hinter vorgehaltener Hand. Die deutsche Praxis sei zu abhängig von Berger, war ein Vorwurf, die Integration Frankfurts ins internationale Netzwerk der Kanzlei sei mangelhaft, ein anderer. Zudem stockte der angestrebte Ausbau der Sozietät hierzulande in den vergangenen Jahren: Berger war es nicht gelungen, einen weiteren Anwalt aus der Top-Riege der Wirtschaftsjuristen zu Dewey zu holen. Dies war lange eines der Ziele der Sozietät in Deutschland.

Zuletzt hat Dewey ihre Strukturen hierzulande zulasten Bergers verändert. Seit Anfang Mai bestimmt neben ihm als Managing Partner ein Team jüngerer Partner die Geschicke der Kanzlei. In dem sogenannten Policy Committee sitzen der Bank- und Kapitalmarktanwalt Philipp von Ilberg, Corporate-Partner Dr. Benedikt von Schorlemer, Immobilienrechtler Dr. Volker Holl sowie der seit vielen Jahren in Deutschland tätige US-Anwalt Joseph Marx. Das Gremium ist laut Kanzleiangaben eng in die internationale Führungsstruktur von Dewey & LeBoeuf eingebunden und vertritt dort sämtliche Belange der deutschen Praxis. Künftig werde es auch die Aufgaben des Managing Partners übernehmen.

Ob die Einführung dieses neuen Gremiums letztlich den Ausschlag für Bergers Entscheidung gab, ist nicht bekannt. Er war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Kai-Uwe Steck

Dass Berger Kai-Uwe Steck auf einen neuen Weg mitnimmt, überrascht nicht. Beide arbeiten bei der Produktstrukturierung seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Schon bei Shearman & Sterling, von wo beide 2004 zu Dewey gestoßen waren, war das Duo am Werk. Berger hatte Steck seinerzeit ein paar Monate nach seinem Wechsel zu Dewey nachgeholt (mehr…).

Das Frankfurter Büro von Dewey & LeBoeuf wird Kanzleiangaben zufolge nach dem Wechsel des Berger-Teams sieben Equity Partner sowie rund 30 Local Partner und fachliche Mitarbeiter zählen. Die Beratungsschwerpunkte würden unverändert die Bereiche Corporate Finance, Corporate/M&A, Steuern, Bankaufsichtsrecht, Immobilen und Arbeitsrecht umfassen. Aufgrund der sehr speziellen Ausrichtung der Steuerpraxis von Berger sieht die Kanzlei darüber hinaus „keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Entwicklung der übrigen Praxen“.

Trotz dieser Einschätzung steht das Büro mit dem Wechsel von Berger und Steck vor einer Zäsur. Beide repräsentierten mit ihren Teams mehr als 50 Prozent des Umsatzes, den die Kanzlei zuletzt hierzulande erwirtschaftet hatte.

Der Chairman von Dewey & LeBoeuf, Steven Davis, fand dennoch versöhnliche Worte. „Wir danken Hanno Berger und Kai-Uwe Steck für die wertvolle Arbeit, die sie für unsere Kanzlei geleistet haben, und wünschen ihnen viel Erfolg bei ihrem neuen Projekt“, sagte Davis. (Jörn Poppelbaum)
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