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01.08.2018

Associategehälter: Einige US-Kanzleien legen kräftig nach

Eine Reihe von US-Kanzleien hat im Juli die Gehälter für deutsche Associates erhöht. Besonders tief in die Tasche griff Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, bei der Berufseinsteiger nun 135.000 Euro verdienen können, 20.000 Euro mehr als bisher. Knapp dahinter folgt Kirkland & Ellis mit 131.000 Euro, ein Plus von 6.000 Euro. Spitzenreiter im Markt bleiben Milbank Tweed Hadley & McCloy und Sullivan & Cromwell mit jeweils 140.000 Euro Einstiegsgehalt.

Bei Kirkland steigt das Festgehalt bis zum fünften Berufsjahr auf 188.000 Euro, bei Quinn Emanuel sind es 180.000 Euro. Zum Fixum kommen jeweils noch Boni, die bei Quinn Emanuel bisher entsprechend dem US-Schema an der Zahl abgerechneter Beratungsstunden bemessen waren. Seit Juli legt die deutsche Partnerschaft der Kanzlei die Associateboni individuell fest.

Auch Gibson Dunn & Crutcher zahlt etwas mehr und bietet statt bisher 120.000 nun 125.000 Euro für Berufsanfänger. Die Düsseldorfer Corporate- und Kartellrechtsboutique Glade Michel Wirtz zahlt nun 110.000 Euro, das sind 10.000 Euro mehr als bislang.

Wettbieten in den USA als Anlass

Den jüngsten Erhöhungen ging ein Wettlauf um das höchste Associategehalt im US-Markt voraus. Dort erhöhte Milbank zum Juli von 180.000 auf 190.000 US-Dollar und setzte damit eine neue Höchstmarke. Wettbewerber wie Cravath Swaine & Moore, Kirkland, Quinn Emanuel, Cleary Gottlieb Steen & Hamilton und Skadden Arps Slate Meagher & Flom zogen umgehend nach. Kirkland schüttete außerdem einen einmaligen ,summer bonus‘ in Höhe von 25.000 US-Dollar aus, zusätzlich zum üblichen ,spring bonus‘.

Auch die amerikanischen Büros von Clifford Chance und Freshfields Bruckhaus Deringer bieten inzwischen 190.000 US-Dollar Festgehalt. Bis zum achten Berufsjahr steigt diese Summe je nach Kanzlei bis auf 350.000 US-Dollar. Die letzte Welle von Gehaltserhöhungen in den USA hatte 2016 Cravath mit einer Steigerung von 160.000 auf 180.000 US-Dollar ausgelöst.

US-Gehälter kommen nicht in Deutschland an

190.000 US-Dollar (umgerechnet rund 145.000 britische Pfund) bezahlen Kirkland und Milbank Presseberichten zufolge auch in London. Quinn Emanuel erhöhte ihr Gebot in der Londoner City dagegen zuletzt ’nur‘ auf 125.000 Pfund. Die britischen Magic-Circle-Kanzleien bieten in ihrem Heimatmarkt derzeit durchweg unter 90.000 Pfund für Berufsanfänger, wie britische Medien berichten.

Die deutschen Büros der genannten Kanzleien bleiben von der Gehälterentwicklung in den USA abgekoppelt, den jüngsten Erhöhungen zum Trotz. In der Vergangenheit hatte einzig Sullivan & Cromwell weltweit einheitlich 160.000 US-Dollar gezahlt, entsprechend rund 140.000 bis 145.000 Euro. Die Erhöhung der US-Gehälter auf 180.000 US-Dollar machte die deutsche Präsenz der Kanzlei aber bereits nicht mehr mit. Mit sinkendem Dollarkurs stellte Sullivan in Deutschland dann auf einen festen Euro-Betrag um. (Norbert Parzinger)

Wie viel Associates und Referendare in mehreren hundert Wirtschaftskanzleien, Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld.

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